Damals/Vor 100 Jahren

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Damals Titelbild

Der höchst umstrittene Modernisierer der Vorkriegszeit

Er war ein wichtiger Initiator des Baus der Pöstlingbergbahn, fast zugleich der Elektrifizierung der Linzer Tramway und (als Stromversorger) des ersten E-Werks in der Landeshauptstadt.

07. April 2014 - 00:04 Uhr
Damals/ Vor 100 Jahren
OÖNachrichten-Redakteur Josef Achleitner lässt in dieser Serie die Geschichte aus dem Blickwinkel der OÖNachrichten Revue passieren.

Josef Achleitner, Politikressort

Er legte den Grundstein für einen Creditverein des damals darbenden Kleingewerbes. Was seinen Namen (außer einem nach ihm benannten Weg auf dem Linzer Hausberg) bis heute bekannt hält: Carl Beurle (1860–1919) war der Gründervater einer der einflussreichsten Anwalts- und Brauindustriellenfamilien, der bis zum Verkauf an Heineken der volkstümlich Brau AG genannte größte österreichische Brauereikonzern gehörte. Dennoch wird Beurles Leben, wenn überhaupt beschreiben, von Historikern heute kritisch gesehen.

Das hat mit seiner von Jugend an geprägten deutschnationalen Haltung zu tun, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem bei deutschen Burschenschaftern auch an Österreichs Universitäten in einen immer rabiateren Antisemitismus mündete. Der lässt sich zwar angesichts des bürgerlichen Lebens von Beurle nicht in direkte Verbindung mit den Untaten der Nationalsozialisten bringen, Historiker sehen darin und im jahrhundertelang gepflegten christlichen Judenhass den Boden, auf dem dann ein Wahnsinnsregime agieren konnte.

 

Carl Beurle
Carl Beurle  
Bild: Verlag
Dr. Carl Beurle

 

Festungsturm St. Margarethen
1917 kaufte Dr. Carl Beurle den Festungsturm in Linz-St-Margarethen für die Burschenschaft der Ostmark  
Bild: Verlag
1917 kaufte Dr. Carl Beurle den Festungsturm in Linz-St-Margarethen für die Burschenschaft der Ostmark

 

Beurle wuchs in Porlitz in Deutsch-Mähren auf, seine Familie kam ursprünglich aus Salzburg und führte in Augsburg ein Brauereiunternehmen. Kurz vor Abschluss seines Jusstudiums begann Beurle als Konzipient in der Kanzlei Jäger in der Linzer Innenstadt. 1990 gründete er auf dem Taubenmarkt seine eigene Kanzlei. Schon bald war er führend im liberal-politischen Verein, wenig später beim Deutschen Verein, der seiner auch sozialpolitisch radikaleren deutschnationalen Richtung näher war. Um seine Position gegen gemäßigten Altliberale wie "Tagespost"-Eigentümer Julius Wimmer zu stärken, brachte der Anwalt für mehrere Jahre am damals zeitungsfreien Montag die "Montagspost" heraus. Beurle war 13 Jahre Landtagsabgeordneter, sechs Jahre im Reichsrat sowie zwei Jahre im Herrenhaus in Wien.

Als Advokat hatte sich Beurle früh auf Wirtschaftsrecht spezialisiert. So war er 1898 Mitgründer der Linzer-Tramway und Elektrizitätsgesellschaft, also der späteren ESG. Von dieser wurden unter der Führung Beurles die vorher lange Zeit technisch umstrittene Bahn auf den Pöstlingberg, die elektrische Straßenbahn und das erste Elektrizitätswerk der Stadt verwirklicht. Auf lange Sicht am erfolgreichsten war Beurle für seine Familie: vom Rechtsberater der Poschacher Brauerei in Linz wurde er zum Präsidenten einer Reihe von aufgekauften Brauereien, die die er als Aktiengesellschaft zusammenführte und aus denen später die Brau AG wurde.

 

Originalseiten der "Tagespost", Vorgängerzeitung der OÖNachrichten:

 

Vor 100 Jahren - 1
 
Bild: OÖN Archiv

 

Vor 100 Jahren - 2
 
Bild: OÖN Archiv

 

Vor 100 Jahren - 3
 
Bild: OÖN Archiv
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