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Julia Stepanowa: Die Überläuferin

Am ersten Tag der Leichtathletik-EM in Amsterdam rückte eine Läuferin in den Mittelpunkt, die im 800-Meter-Rennen dem Feld hinterherrannte und 200 Meter vor dem Ziel aufgab: Julia Stepanowa.

Die Überläuferin Von Christoph Zöpfl

Julia Stepanowa ist sauber, aber sportlich läuft es bei der Russin derzeit nicht so besonders. Bild: APA

Sie war trotzdem für viele ein Siegertyp. Die 30-Jährige hat sich praktisch am eigenen Haarschopf aus dem Dopingsumpf herausgezogen und als Kronzeugin dazu beigetragen, dass Russlands unsaubere Gangart in der Leichtathletik aufgedeckt werden konnte.

Nicht nur aufgrund ihres Talents, sondern auch mit Tempomachern wie EPO und Testosteron war Stepanowa vor sieben Jahren in die Weltklasse gelaufen. 2013 geriet sie aufgrund auffälliger Blutwerte ins Visier der Dopingjäger. Es folgte eine zweijährige Sperre und gesellschaftliche Isolation, die Stepanowa schließlich zur Überläuferin werden ließ.

Gemeinsam mit ihrem Mann Witali Stepanow, einem ehemaligen Angestellten der russischen Anti-Doping-Agentur, sammelte sie Dokumente als Beweise, dass unsaubere Methoden in der russischen Leichtathletik keine Privatsache, sondern "verstaatlicht" sind. Heimliche Ton- und Filmaufnahmen verdeutlichten die Beteiligung von Trainern, Ärzten und selbst der nationalen Anti-Doping-Agentur beim systematischen Einsatz unerlaubter Mittel. In der ARD-Doku "Wie Russland seine Sieger macht" trat Stepanowa als Kronzeugin auf. Die Beweislast war so erdrückend, dass der Leichtathletik-Verband Russland inzwischen gesperrt hat, auch bei Olympia in Rio darf Russland im Leichtathletik-Stadion nach aktuellem Stand nicht mitspielen.

Als Stepanowa in Amsterdam an den Start ging, leuchtete neben ihrem Namen auf der Anzeigetafel statt der russischen Fahne die Flagge des europäischen Leichtathletikverbandes auf. Auf ihrer Startnummer war der Slogan "I run clean" ("Ich laufe sauber") aufgedruckt. Dass die "Whistleblowerin" sportlich aus dem letzten Loch pfeift und weit weg von ihren früheren Bestzeiten ist, raubt dieser Geschichte das Happy-End. Schade.

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Artikel Christoph Zöpfl 08. Juli 2016 - 00:04 Uhr
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