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Luther, viel Licht und auch viel Schatten

Hättest du geschwiegen … wärst du ein Philosoph geblieben … Eine Replik auf die Aussage von Richard David Precht, „Luther war einer der größten Verbrecher der deutschen Geschichte“.

Will man Precht nicht schlicht Unkenntnis seines Gegenstandes unterstellen, und scheidet offensichtlich auch Dummheit als Entschuldigung für seine Tiraden aus, dann müsste man von einer absichtlichen und böswilligen Verdrehung der Tatsachen ausgehen.

Nun, Luther war kein Heiliger, beileibe nicht. Und sein Judenhass der späten Jahre ist böse und ein bitteres Erbe, von dem sich freilich „seine“ Kirche gelöst, und dieses Erbe als häretisch verworfen hat. Ihn mit den Taliban zu vergleichen, ist aber schlicht stupide, und um Herrn Precht zu enttäuschen, auch Fundamentalist war Luther keiner. Ein schlichter Blick in das Vorwort der bahnbrechenden Übersetzung des Neuen Testaments hätte das Herrn Precht lehren können.

Aber Luther hat die Bibel ernst genommen, sie war ihm kein „Märchenbuch“ und kein Bilderbuch „humanistischer Werte-Metaphorik“. Wer ihm das zum Vorwurf macht, der sollte ihm ehrlicherweise gleich seinen christlichen Glauben vorwerfen.

Ich bekenne, dass ich bis heute viel von Luther lerne. Er ist eine große Gestalt. Mit viel Licht und auch viel Schatten. Ich kenne den Briefschreiber, der tröstet, rät, ermahnt, zurechtweist. Ich kenne den begnadeten und auch den gnadenlosen Polemiker. Ich kenne den, der im Ablassstreit gegen Tetzel auftritt, der aber, als dieser von den eigenen Leuten „entsorgt“ wird, bereit ist, sich für ihn einzusetzen. Ich kenne den Lobredner der Ehe, der den Männern ins Stammbuch schreibt, dass es Gott gefällt, wenn sie den Kindern die Windeln wechseln. Ich kenne den Übersetzer, der überragenden Sinn für die Melodik der Sprache und ihre Bildhaftigkeit besitzt und zugleich die Knochenarbeit des Übersetzens nicht scheut … Ich könnte diese Liste noch lange fortsetzen.

Precht hat nicht Luther „beschädigt“, sondern sich selbst. Das Vertrauen in seine Wahrnehmungs- und Urteilsfähigkeit.

Dr. Gerold Lehner, Superintendent der Evangelischen Diözese OÖ, Linz

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Artikel 13. November 2017 - 20:46 Uhr
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