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Lesermeinung

Mit Ihrem Bericht über die unerträglichen nächtlichen Zustände am Stadtplatz in Gmunden sprechen Sie uns Innenstadtbewohner aus tiefstem Herzen. Neben den physischen Auseinandersetzungen kommt es nun überdies immer häufiger zu Sachbeschädigungen an den denkmalgeschützten Gebäuden. Von 3 bis 6 Uhr morgens spielen sich auch direkt auf der Theatergasse und der „Saufgasse“ zwischen Brandl und Blauer Affe unvorstellbare Szenen ab. Stark alkoholisierte Jugendliche legen sich quer über die Hauptstraße oder blockieren anderweitig den Verkehr. Selbst vor Einsatzfahrzeugen zeigt man keinerlei Respekt. Neuerdings sind 100 bis 150 Jugendliche am Stadtplatz teils bis 6 Uhr morgens keine Seltenheit mehr. Von den Schreiduellen bis ins Morgengrauen gar nicht erst zu sprechen. Manchmal wünscht man sich da sehnlichst einen Feuerwehrwagen samt einsatzbereitem Wasserschlauch.

Mitschuld trägt hier meiner Meinung nach sicherlich auch die unglückliche Wahl des Taxistandes. Nach der Sperrstunde strömen die Alkoholleichen zu den Taxis, ohne diese jedoch gleich zu besteigen. Stattdessen feiert man selbst bei Wind und Wetter scherbenreiche Sauforgien. Bei dieser Anzahl von betrunkenen Jugendlichen hat die Exekutive keine Chance mehr, wie ich leider mit eigenen Augen mitansehen musste.

Ich habe jedenfalls meine Konsequenzen daraus gezogen und bringe meine internationalen Geschäftspartner nicht mehr in den Hotels der Innenstadt unter. Traurig aber wahr.

Harald G. Mottl

Gmunden

Frau Maria Mair, geborene Skrabal, erhielt auf Antrag der Grünen als Zeitzeugin der furchtbaren Bürgerkriegsereignisse im Februar 1934 im Hausruck-Kohlenrevier das Ehrenzeichen des Landes Oberösterreich verliehen. Ehre, wem Ehre gebührt.

Im Gegensatz zur Wortwahl in den erschienenen Presseaussendungen ergibt sich bei neutraler Aufarbeitung dieses sehr sensiblen Zeitabschnittes folgender Wissensstand: Die würdige Frau erlebte als 13-jähriges Kind den Tod ihres Vaters. Josef Skrabal war ein fanatisches Mitglied des republikanischen Schutzbundes und so wie Andreas Kropatschek Mitglied der KPÖ. Er wollte mit seiner Patrouille am Vormittag des 12. Februar 1934 den Gendarmerieposten Ottnang stürmen. Den sich weigernden Bergmann Anton Berger schoss daraufhin Skrabal mit seinem Revolver in den Hals und verwundete ihn schwer und die Patrouille gab ihren Vorsatz auf (Quelle: Chronik des Franziskaner-Hospizes/Pfarre Bruckmühl).

Schutzbundführer LAbg. Ferdinand Fageth verhandelte am Nachmittag des 12. Februar 1934 mit drei Soldaten des I. Zuges/AJReg. 9 aus Ried unter der Führung von Leutnant Huber im Arbeiterheim erfolglos über einen Waffenstillstand. Der ankommende Skrabal wollte die Parlamentäre auf der Stelle erschießen. Fageth hinderte ihn daran und wurde ebenfalls mit dem Revolver bedroht (Quelle: Chronik der Pfarre Ottnang).

Am Abend ging Skrabal mit einer weiteren Gruppe durch den Eisenbahntunnel Richtung Eberschwang. Aus diesem Tunnel heraus wurde auf heranrückende Soldaten des AJReg. 9 aus Ried geschossen, worauf diese mit einem MG das Feuer erwiderten. Dabei wurden Skrabal, der einen fast leergeschossenen Mauser-Revolver mitführte, und die beiden Schutzbundmänner Karl Lobmaier und Josef Zeilinger getötet (Quelle: Eberschwang 1880–1938 von Franz Buchinger).

Auf Grund der Anordnung des stv. Bezirkshauptmannes Dr. Hans Fruhwürth (und nicht fälschlicherweise Frühwirth) wurden sechs unbewaffnete Schutzbund-Sanitäter auf die Bühne gestellt und exekutiert, wobei zwei überlebten. Die Schutzbündler Karl Groiss und Karl Fellinger starben beim Kampf ums Arbeiterheim. Josef Reisenbichler wurde am 13. Februar 1934 beim Gasthaus Kaiserwirt in Pettenfirst erschossen, während die unbeteiligte Magd Anna Hager vom angreifenden Schutzbund durch das Fenster beim Kaiserwirt angeschossen wurde. Sie erlag den Schussverletzungen am 22. Februar 1934 im Krankenhaus Vöcklabruck.

Der geflüchtete Schutzbundführer LAbg. Ferdinand Fageth wurde am 22. Februar 1934 in Pichl bei Wels verhaftet, zum Tod verurteilt und später amnestiert. Er war nach dem Zweiten Weltkrieg Abgeordneter zum Nationalrat und langjähriger Bürgermeister von Braunau und verstarb 82-jährig 1976 in Salzburg.

Wer die Exekutoren im Saal des Arbeiterheimes waren, ob Heimwehr oder Bundesheer, ist 78 Jahre nach den schrecklichen Bürgerkriegsereignissen noch immer nicht geklärt.

Prof. Fritz Strohbach

Atzbach

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Artikel 03. Januar 2012 - 00:04 Uhr
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