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"Böse Fußgeherzone"

Betrifft: OÖN-Artikel "Vöcklabrucker Kaufmannschaft fordert: Stadtplatz für Autos sofort öffnen!" vom 8. Mai.

Und wieder einmal gelingt es der Vöcklabrucker Kaufmannschaft, einen Sündenbock aufzutreiben. Waren es im Vorjahr noch die Bettler, so ist es jetzt die böse Fußgeherzone, die die Umsatzeinbußen in den Stadtplatzgeschäften zu verantworten hat. Aber wer ist das eigentlich, "die Kaufmannschaft"? Ich, der ich seit 19 Jahren am Rande der Fußgeherzone eine Buchhandlung betreibe, gehöre offenbar nicht dazu, denn ich wurde weder im Vorjahr noch heuer um meine Meinung gefragt. Oder hat man dies bewusst getan, weil man meine positive Einstellung zur Fußgeherzone kennt und somit nicht so vollmundig tönen könnte: "Alle Händler sind für eine 24-Stunden-Öffnung des Stadtplatzes". Es bleibt mir also auch diesmal nichts anderes übrig, als mich auf diesem Weg von der eigentlich ziemlich kühnen Vereinnahmung durch selbsternannte "Meinungsforscher" zu distanzieren und damit zu dokumentieren, dass es in der "Kaufmannschaft" auch andere Einstellungen gibt als die hinausposaunten. Vielmehr wende ich ein, dass der Stadtplatz nicht uns Kaufleuten gehört, sondern allen Vöcklabruckern. Und die haben sich einmal mehrheitlich für eine Fußgeherzone ausgesprochen. Zudem fehlt mir in dem Zeitungsartikel eine ausreichende Begründung, warum Autofahrer mehr Umsatz bringen sollen als Fußgeher. Eine "Notverordnung (!) des Bürgermeisters" in Erwägung zu ziehen, ist genauso ein Armutszeugnis für das Stadtmarketing wie das Infragestellen einer Errungenschaft, die sich seit Jahrzehnten bewährt. Aber es ist allemal einfacher, als sich selbst Versäumnisse einzugestehen. Regelmäßiges Schönreden der Innenstadt-Situation und Blumenkisterl aufstellen ist als Konzept halt leider zu wenig!

Michael Neudorfer, Vöcklabruck

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Artikel 11. Mai 2018 - 00:04 Uhr
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