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Linz09 - der bunte Falter für einen Sommer

Während des Linzer Kulturhauptstadtjahres 2009 war "Nachhaltigkeit" die am meisten strapazierte Vokabel.

Wie es in der Natur vieler Vorsätze liegt, verwandelte sich das Wort zur Hülse, für deren Befüllung keiner genug Weitsicht aufgebracht hatte. Dass zehn Jahre nach der Eröffnung von Linz09 mit dem Südflügel des Schlossmuseums, dem revitalisierten Salzamt, der Renovierung der Landesbibliothek und dem AEC-Umbau ausschließlich Gebäude als Relikte einer als kleine kulturelle Revolution ausgerufenen Periode herhalten müssen, beschreibt sowohl das Werken der Intendanz um den Schweizer Martin Heller als auch den politischen Willen, den Schwung aus einem aufgeregten Jahr zu ziehen.

Selbstbewusster seien Linzerinnen und Linzer mit 2009 geworden, das Image der Stadt habe sich verbessert. Mit diesen Formeln, die nicht nachzuweisen sind, rechnet man sich die Rückkehr zum kulturellen Alltag in der Landeshauptstadt schön. Es stimmt, Linz wurde mit einer heute seltenen Einigkeit der Stadt mit dem Land Oberösterreich aufgemöbelt, aber die Infrastruktur hatte mit der Programmgestaltung nichts zu tun. Der Kardinalfehler war in der Planung passiert: Anstatt einen international erfahrenen Intendanten mit einem regional verankerten Kulturkenner zusammenzuspannen, verplemperte die deutsch-schweizerische Leitung Monate damit, die kulturellen Leerstellen und Bedürfnisse der Bevölkerung zu suchen, um sie dann doch nicht zu treffen. Und wo man sich sehr wohl um Entwicklung gekümmert hatte, wie bei der kulturellen Integration von Linzer Randbezirken (Beispiel: das Gelbe Haus am Bindermichl), wurde die Chance politisch vertan, das Engagement mit Konzepten zu stärken.

In die Gegenwart haben es nur die Bildungsschmiede "Kepler Salon" und der "Höhenrausch" geschafft. Das einzigartige Akustikon, mit dem Peter Androsch den Menschen die Augen für das Hören geöffnet hat, verstaubte schon 2010. Und in den neu entdeckten Spielräumen auf öffentlichen Plätzen rührt sich längst nichts mehr.

Als simples Ereignis war Linz09 mit 220 Projekten und 3,5 Millionen Besuchern ein touristischer Erfolg. Die Kulturhauptstadt war also ein bunter Falter, der mit einem Budget von 69 Millionen Euro zum Fliegen gebracht wurde. Seine Kraft hat nicht einmal für einen zweiten Sommer gereicht.

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Artikel Peter Grubmüller 10. Januar 2019 - 00:04 Uhr
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