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Auf dem Land leben die Bürger zweiter Klasse

Der Staat hat es in der Hand, den ländlichen Raum stärker zu fördern.

Es ist ein schleichender Prozess, der nur hie und da durch einen kurzen Aufschrei der Bürger unterbrochen wird. Dann gibt es Politiker-Versprechen, sich des jeweiligen Anliegens anzunehmen, aber es geschieht dann doch nichts. Je weiter man von der nächsten größeren Stadt entfernt lebt, umso schwieriger wird es, das tägliche Leben zu meistern, ohne in ein Auto steigen zu müssen. Einkaufen, einen Behördengang erledigen, ohne Auto ist man auf gut Österreichisch aufgeschmissen.

Es waren nicht immer die Unternehmen die Ersten, die sich aus dem ländlichen Raum zurückgezogen haben. Die bleiben, solange sich Geld verdienen lässt. Es war oft der Staat, der mit der Schließung von Gendarmerieposten, Schulen oder Bezirksgerichten angefangen hat. Auch die mehrheitlich dem Staat gehörende Post hat ihre Ämter geschlossen. Die sind zwar oft durch Post-Partner ersetzt worden, aber der Briefträger, der von diesen Ämtern aus die Bevölkerung versorgte, kommt jetzt von einer Zustellbasis und nicht mehr jeden Tag. Und oft genug kommt er auch am späten Nachmittag. Das macht das Wohnen auf dem Land noch ein Stückchen unattraktiver.

Die Post, die Bahn, die öffentliche Verwaltung, alle müssen sparen, heißt es. Und dort, wo es die wenigsten Wählerstimmen zu verlieren gibt, dort fällt es leichter. In den Großstädten merkt der Bürger deutlich weniger von diesem „Sparzwang“.

Bleiben wir beim Beispiel Post: Die liefert für das abgelaufene Geschäftsjahr 64 Millionen Euro Dividende beim Haupteigentümer Staat ab. Das Unternehmen ist hochprofitabel und hat lächerliche 23 Millionen Euro Bankverbindlichkeiten. Muss da das letzte Quäntchen noch herausgepresst werden, auf Kosten der Service-Qualität? Der Staat könnte hier sein Veto einlegen, tut es aber nicht.

Aber selbst auf regionaler Ebene zieht die „Provinz“ gegenüber der Bundeshauptstadt den kürzeren. Der Flughafen Linz ist da nur ein Beispiel. Große Infrastruktur-Projekte oder der Neubau einer Universität, alles geht in Wien ein bisschen schneller oder fällt ein bisschen großzügiger aus. Wenn dann die „Provinzler“ aus Linz gar eine Medizin-Uni wollen, dann heißt es: Bitte warten! Österreich ist ein reiches Land, weil die Bürger fleißig Steuern abliefern. Das viele Geld müsste eigentlich auch dafür reichen, den ländlichen Raum nicht verkommen zu lassen.

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Artikel Hermann Neumüller 16. März 2013 - 00:04 Uhr
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