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Kleine Leuchten für die Lichtgestalten

Die visualisierte Linzer Klangwolke hat heuer unter der Leitung des Ars Electronica Futurelabs den Schritt zurück gewagt und auf das Feuerwerk verzichtet. Neben der angestrebten Kostenersparnis wollten die Veranstalter dem Vorwurf entkommen, die Klangwolke schmeichle sich mit einem populären Schluss beim Publikum ein und entzünde erst damit das Wesen eines Spektakels.

So ein Manöver ist nur dann sinnvoll, wenn an die Stelle der krachenden Show die Sinnlichkeit tritt. Stattdessen wurden mehr als 400.000 LEDs verbaut und man spekulierte damit, die kleinen Leuchten würden schon allen zu Herzen gehen, obwohl sie wieder nur von den Lichtgestalten aus Wirtschaft und Politik auf der VIP-Tribüne gut zu sehen waren. Die Buchstaben-Parade in unmittelbarer Ufernähe wurde vermutlich nicht einmal dort bemerkt, weil vieles gleichzeitig und nur scheinbar koordiniert in die Nacht geschickt wurde. Die Klangwolke 2012 ist mit keinem geringeren Vorsatz gestartet, als die große Geschichte von der Vernetzung der Welt zu erzählen, und sie zeigt dann, wie sehr sie an der kleinen Vernetzung mit ihrem eigenen Publikum scheitert.

Innerhalb der Klangwolke ist ein Donnerwetter notwendig und kein Feuerwerk, damit sie sich die vor vielen Jahren gebührende Anerkennung, ein Alleinstellungsmerkmal für Linz zu sein, nicht mehr bloß wie einige andere, einst verdienstvolle Kulturinstitutionen in Linz ein Mantra vorbetet, sondern diesem unbedingten Anspruch aufs Neue gerecht wird. Das Weglassen des Feuerwerks entblößte diesmal die Schwächen einer Institution, die sich als solche begreift. Es darf der Stadt Linz nicht als Qualität genügen, dass die visualisierte Klangwolke bloß stattgefunden hat.

Es müssen zur Musik tanzende Ideen in den Donaupark gekarrt werden, von Menschen, deren Fantasiebegabung nicht nach der Verlängerung ihrer Dienstverträge erlischt. Diese Ideen müssen vor allem mehr sein als das Bestreben, in der Umgebung des Ars Electronica Festivals auch etwas Kulinarisches anzubieten.

Am 1. Jänner wird Hans-Joachim Frey seinen Dienst als künstlerischer Leiter des Brucknerhauses und der LIVA antreten. Ob sich die Politik mit ihm richtig entschieden hat, wird auch an der ersten, von ihm verantworteten Klangwolke gemessen werden.

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Artikel Peter Grubmüller 03. September 2012 - 00:04 Uhr
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