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Die Linzer Stadtseilbahn – mehr als eine Utopie

Es muss erlaubt sein, auch kühne Projekte ernsthaft zu diskutieren.

Auch wenn sie viele Kritiker hat und nicht wenige das Projekt absurd nennen und gleich vom Tisch wischen: Ganz so unsinnig, wie da reflexartig behauptet wird, ist die Idee, die schwierige Verkehrssituation im Süden von Linz mit dem Bau einer Stadtseilbahn zu entschärfen, nicht.

Natürlich sind die Kosten mit 283 Millionen Euro sehr hoch und schwer zu stemmen. Und selbst wenn es Bürgermeister Klaus Luger und Verkehrsstadtrat Markus Hein tatsächlich gelingen sollte, Bund und Land das Projekt so schmackhaft zu machen, dass sie 75 Prozent der Kosten übernehmen (was sehr unwahrscheinlich ist), wäre das verbleibende Viertel – immerhin 70 Millionen Euro – für Linz nur sehr schwer zu finanzieren. Die Stadt steckt in einem derart engen Finanzkorsett, dass kaum Luft für Neues und noch weniger für Teures bleibt. Dafür ist in der Vergangenheit zu viel Geld ausgegeben worden.

Die Dichte an gut ausgestatteten Seniorenzentren ist hoch, und auch in Sachen Kinderbetreuung ist Linz vorbildhaft. Das freut die Bewohner, muss aber alles bezahlt werden. Dazu schwebt der Streit mit der Bawag um die unselige Swap-Zinswette mit einem Streitwert von mehr als einer halben Milliarde Euro als Damoklesschwert über der Stadt.

Alles Fakten, die nicht wegzudiskutieren sind. Aber soll die Stadtpolitik deshalb aufhören, abseits eingefahrener Bahnen zu denken und neue Ideen auf den Tisch zu legen, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat? Nein, das soll sie nicht.

Eine Seilbahn, die keine Skifahrer auf den Berg bringt, sondern als Nahverkehrsmittel zur besseren Bewältigung der Pendlerströme eingesetzt wird, wäre in dieser Art eine der ersten in Europa. Das erklärt, warum der Idee mit gar so viel Skepsis begegnet wird.

Dabei gibt es gute Argumente, die für den Bau von Stadtseilbahnen sprechen. Kein anderes öffentliches Verkehrsmittel kann mit so geringem Bodenverbrauch errichtet werden. Das ist nicht unwesentlich in Zeiten, wo das Zubetonieren grüner Wiesen zum echten Problem geworden ist. Eine Stadtseilbahn stößt keine direkten Schadstoffe aus – ebenfalls ein gewichtiges Argument in einer Stadt, in der die Stickoxid-Werte regelmäßig über den erlaubten Höchstwerten liegen. Und eine Stadtseilbahn steht nicht im Stau.

Alles Gründe, die zeigen, dass es manchmal gut sein kann, groß zu denken – und nicht nur an morgen oder übermorgen.

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Artikel Anneliese Edlinger 16. Oktober 2018 - 18:48 Uhr
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