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Erlebnisse eines Sportfans

„Begleitperson? Was soll das sein? Er ist doch kein Pflegefall.“

Erlebnisse eines Sportfans

Bild: VOLKER WEIHBOLD

Radfahren, Schwimmen, Skifahren, Tennis, dazu noch regelmäßig ins Fitness-Center, das gehört zum Aktivprogramm von Gernot M. Aber er ist nicht nur begeisterter Allroundsportler, genauso gerne ist er Besucher bei Sportveranstaltungen.

Vieles wird zwar im Fernsehen übertragen, aber live dabei zu sein und die Stimmung zu erleben, mitzufiebern, die Sportler anzufeuern, ganz ins Geschehen einzutauchen, das hat doch viel mehr Reiz. So vielfältig wie seine Interessen als aktiver Sportler sind sie auch beim Zusehen. Leichtathletik, Basketball, Eishockey, Handball und vieles mehr stand schon auf dem Programm. Weil das Zuschauen in der Gruppe noch mehr Spaß macht, ist er meist mit Freunden und Arbeitskollegen unterwegs.

Dabei macht Gernot M. interessante Erfahrungen. So heißt es einmal gleich beim Eingang, er dürfe mit einer Begleitperson auf Plätze gleich beim Spielfeld, die anderen sollen sich auf die Plätze setzen, die sie gekauft haben.

Begleitperson? Was soll das sein? Er ist doch kein Pflegefall, nur weil er im Rollstuhl unterwegs ist. Und wenn die ganze Gruppe beisammensitzen könnte, wäre das doch viel feiner. Deswegen geht man ja mit Freunden zum Sport!

Zumindest sitzt er nicht als Einziger vor den Stehplätzen, wo er jeden Moment fürchten muss, dass ihm jemand vor lauter Begeisterung über das Spiel unabsichtlich den Inhalt des Bierbechers in den Nacken schüttet. Außerdem war er dort vor den Stehplätzen gänzlich isoliert von seiner Gruppe.

Menschen ohne eigene Sitzgelegenheit können sich dort nur auf den Boden hocken oder setzen. Würden sie stehen bleiben, könnten die hinter ihnen Stehenden nichts sehen. Platzanweiser und Ordner sind fast immer freundlich und hilfsbereit. Oft hat Gernot M. aber den Eindruck, dass man meint, er solle sich nicht so anstellen, er könne sich das ja auch alleine ansehen und sich nachher wieder mit seinen Freunden treffen.

Allerdings lässt sich an Ort und Stelle meist nicht viel machen, weil die räumlichen Gegebenheiten nicht rollstuhlfreundlich sind. Das müsste schon beim Bau der Halle berücksichtigt werden, wird aber wie manches andere übersehen. Um diese Unzulänglichkeiten zu kompensieren, ist für Rollstuhlfahrer der Eintritt oft gratis. Langfristig wäre es wohl im Sinn aller Beteiligten, wenn Veranstaltungszentren so gebaut würden, dass Rollstuhlfahrer zwar Eintritt bezahlen, dafür aber nicht im Abseits stehen. Dass dies sehr wohl möglich ist, beweisen einmal mehr die USA, wo diese Problematik schon vor Jahrzehnten erkannt wurde.

Dr. Christoph Etzlstorfer ist Rollstuhlfahrer und ehemaliger Sportler des Jahres in Oberösterreich.

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Artikel Von Christoph Etzlstorfer 24. Mai 2013 - 00:04 Uhr
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