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Die absetzbare Omama

Blumen, Pralinen und ein „Oma-Update“, das wäre doch was gewesen, ein Super-Geschenk zum Muttertag. Das „Oma-Update“ ist aber weder ein Gutschein für ein dezentes Faltenlifting noch ein neues Computerspiel, sondern eine Bildungsmaßnahme.

Ohne Bildung kann die Oma nämlich nicht mehr Babysitten, außer sie tut es sozusagen schwarz, also ungebildet und unbezahlt. Unsere Regierung hat, was grundsätzlich löblich ist, beschlossen, dass die Betreuungskosten für den Nachwuchs bis zu dessen 10. Lebensjahr steuerlich absetzbar sein sollen. Maximal 2300 Euro können Eltern pro Jahr und Kind geltend machen.

Dafür müssen sie nachweisen, dass ihre Sprösslinge außerhäusig betreut wurden und zwar von pädagogisch gebildeten Personen. Auch das ist löblich, denn wer möchte nicht sein Kind in besten Händen wissen. Nur eine Lapalie stört das schöne Bild, und das ist die absetzbare Omama. Lassen Eltern ihr Kind von den Großeltern betreuen, müssen sie erstens, um die Leistung von der Steuer absetzen zu können, diese dafür zahlen. Doch ehe die Oma kassieren kann, muss sie sich, und das ist zweitens, pädagogisch dafür bilden.

Zum Beispiel mit einem Oma-Update, wie es ein Eltern-Kind-Zentrum in Graz anbietet, oder mit einem Babysitterkurs. Den besucht Oma – gegebenenfalls auch Opa – zusammen mit unerfahrenen 20-Jährigen, und dort lernt sie in acht Lehreinheiten, was sie früher in mehreren Jahren praktischer Arbeit ohne theoretische Ausbildung nicht kapiert hat.

Zugegeben, das ist etwas polemisch formuliert. Doch diese neue Bestimmung rührt an Kernproblemen. Die Betreuung und Pflege von Kindern ist, so lange sie kostenlos in der Familie stattfindet, ökonomisch nicht vorhanden und unterliegt auch pädagogisch keinen Reglements.

Werden die Kinder außer Haus betreut, mutiert diese Arbeit zu wertvoller Dienstleistung. Wirken Eltern und Großeltern da nicht wie Erzieher zweiter Klasse?

Ohne dem Berufsstand der Kleinkindpädagogen nahe treten zu wollen, stellt sich doch die Frage, ob Erziehung in der Familie nicht ebenso pädagogisch ist, nur mit anderen Schwerpunkten, und selbst wenn sie im Verständnis der Profis vielleicht amateurhaft wirkt. Viele Eltern überlassen dennoch ihr Kind lieber den Großeltern als einer öffentlichen Institution, weil sie so auch die Bindung der Generationen fördern. Hat das keinen Wert? Rechtfertigt die Steuerersparnis, die Großeltern in zwei Klassen – pädagogisch gebildet oder nicht – einzuteilen?

Gerade wenn eine Tätigkeit bewertet wird, die im ökonomischen Sinn nichts wert ist, würde ich mir mehr politische Sensibilität und auch Fantasie erwarten. Wäre es nicht vernünftig, sich einerseits von der steuerlichen Absetzbarkeit zu lösen? Denn sie übergeht jene, die gar keine Steuern zahlen, weil sie so wenig verdienen, aber trotzdem für Kinderbetreuung zahlen.

Und wäre es nicht zweitens klug, den Eltern einfach ein Finanzkontingent für die Betreuung ihrer Kinder zuzuweisen, das sie nach eigenem Gutdünken und nach eigenen Bedürfnissen ausgeben können? Denn in Wirklichkeit sind Omamas nicht absetzbar, sondern unverzichtbar, ob mit oder ohne Update.

Dr. Christine Haiden ist Chefredakteurin der Zeitschrift Welt der Frau.

christine.haiden@welt-der-frau.at

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Artikel Von Christine Haiden 14. Mai 2009 - 00:04 Uhr
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