Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Sonntag, 18. November 2018, 13:04 Uhr

Linz: 5°C Ort wählen »
 
Sonntag, 18. November 2018, 13:04 Uhr mehr Wetter »
Startseite  > Meinung  > Haiden am Donnerstag

Die Verantwortung der Zogajs

Das Gefühl wird immer schaler. Arigona Zogajs Geschwister sind illegal nach Österreich gekommen. Der Kampf um Asyl und Bleiberecht geht in die nächste Runde. Die Regierung will hart bleiben. Die Menschenrechtsaktivisten kommen zunehmend in eine unangenehme Lage. Viele stehen argumentativ auf der Seite der Zogajs. Deren Verhalten macht es aber immer schwieriger, sich bedingungslos hinter sie zu stellen. Wie viel Verantwortung tragen die Asylwerbenden selbst für ihre Lage? Darf man diese Frage angesichts der erhitzten Diskussion stellen?

Die Versäumnisse des österreichischen Fremdenrechts und der österreichischen Behörden im Fall Zogaj wurden hinlänglich diskutiert. Das Bild der kleinen Kinder, die nun wieder mit ihrer Mutter zusammen sind, rührt. Dennoch: Warum haben die erwachsenen Brüder nicht gewartet bis die kleinen Geschwister ganz legal zu ihrer Mutter hätten können?

Da der Asylantrag der Mutter bereits angenommen ist, wäre es bald soweit gewesen. Jetzt ist wieder einmal das Gesetz nicht geachtet worden. Man pocht deswegen auf humane Regelungen. Wie verantwortlich gehen die Erwachsenen der Familie Zogaj tatsächlich mit dem Recht um?

Der Kosovo ist längst kein Kriegsgebiet mehr. Es ist jedem unbenommen, einen Flug von Wien nach Pristina zu buchen und sich selbst ein Bild zu machen. Das kleine Land, das so recht und schlecht selbstständig ist, gleicht einer Mischung aus Armenhaus und EU-Headquarter. Viele haben wenig, aber einige haben auch sehr viel.

Bei meiner letzten Reise in den Kosovo im Herbst 2008 traf ich auch auf junge Mädchen, die aus Deutschland zurückkehren mussten, weil sie nicht als Flüchtlinge anerkannt wurden. Eine ganze Familie lebte von der Rückkehrhilfe, die eines der Mädchen von einer internationalen Organisation bekommen hat. Sie ist kein Einzelfall. Nahezu jede Familie hängt am Tropf von Angehörigen, die im Ausland sind, dort arbeiten und Geld heimschicken. Im Kosovo zu leben, ist nicht einfach, keine Frage. Aber ein Fall für die Asylbehörden sind Kosovaren in aller Regel nicht mehr.

Was kann im Fall Zogaj helfen? Immer mehr bin ich der Meinung, dass eine möglichst klare Orientierung am geltenden Recht die beste Vorgangsweise ist. Nicht aus Gründen von law and order, sondern im Interesse aller, die in Österreich um Asyl ansuchen. Auch sie müssen wissen, womit sie rechnen können.

Inzwischen wird der Fall Zogaj leider auch zu einem unangenehmen Beispiel dafür, dass ein Hochspielen von Einzelfällen mit medialer Unterstützung nichts löst. Der Beigeschmack der öffentlichen Erpressung ist zu groß. Er verdirbt die Möglichkeit, sachlich zu bleiben.

Asylwerber brauchen in Wahrheit auch den Schutz vor der Öffentlichkeit. Nicht, um etwas zu vertuschen, sondern damit sie nicht instrumentalisiert werden in einem Positionsstreit, der innenpolitisch zu entscheiden ist. Die Mitglieder von Familie Zogaj vermitteln den Eindruck, alles auszureizen, was legal und illegal möglich scheint. Zumindest dafür sind sie selbst verantwortlich.

Dr. Christine Haiden ist Chefredakteurin der Zeitschrift Welt der Frau christine.haiden@welt-der-frau.at

Kommentare anzeigen »
Artikel 15. Januar 2009 - 00:04 Uhr
Mehr Haiden am Donnerstag

Hommage für eine freie Frau

"Ich halte Madonna für eine der wichtigsten Frauen des 20. Jahrhunderts"
Meistgelesen   mehr »
Weitere Meldungen
OÖNachrichten auf Facebook OÖNachrichten auf Twitter OÖNachrichten auf Google+ OÖNachrichten RSS