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Sind die Deutschen zu erfolgreich für den Rest der Welt?

Sind Überschussländer genauso für die Ungleichgewichte verantwortlich wie die Defizitländer?

Der Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), Maurice Obstfeld, hat einmal mehr die Deutschen wegen ihres hohen Leistungsbilanzüberschusses kritisiert.

Damit steige das Risiko von Störungen durch Währungs- und Vermögenspreisanpassungen in verschuldeten Ländern zum Schaden aller, schrieb Obstfeld in einem Gastbeitrag in der Tageszeitung "Die Welt" vergangenes Wochenende.

Obstfeld fordert von der deutschen Politik, den "fiskalischen Spielraum" auszunutzen, "um durch eine sinnvolle Erhöhung der Staatsausgaben die heimische Nachfrage anzuschieben, etwa durch Investitionen in Infrastruktur oder Digitalisierung". Strukturreformen, die Firmen zu Investitionen in der Heimat anreizen, eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit und "höhere Lohnabschlüsse" seien ebenfalls sinnvoll.

Der Hintergrund ist bekannt: Deutschland exportiert deutlich mehr Waren, als es importiert. Weil die Deutschen gleichzeitig mehr sparen als investieren, exportieren sie Kapital, das in jene Länder fließt, die ein Handelsbilanzdefizit haben – etwa die USA. Damit, so der Vorwurf des IWF-Ökonomen, trage Deutschland indirekt auch zu den protektionistischen Tendenzen in den Schuldnerländern bei.

Aber sind die Überschussländer tatsächlich genauso für die Ungleichgewichte verantwortlich wie die Defizitländer? Hans-Werner Sinn, der frühere Präsident des ifo-Instituts in München, wird in der "Welt" mit einer sarkastischen Antwort auf diese Frage zitiert: "Dass Amerika große Defizite und Deutschland große Überschüsse hat, liegt daran, dass die USA über ihre Verhältnisse leben und sich im Ausland verschulden, während Deutschland bereit ist, den überzogenen Lebensstandard der USA mitzufinanzieren. Wer sich hier an die Nase fassen soll, ist zunächst einmal offen."

Interessant wäre auch die Beantwortung der Frage, was passiert, wenn Deutschland die vorgeschlagenen Reformen, etwa mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung, Digitalisierung und in die Infrastruktur, tatsächlich durchführt und die Defizitländer hingegen nicht. Unser Nachbar würde wahrscheinlich noch leistungsfähiger und mittelfristig noch größere Handelsüberschüsse erzielen.

Mehr Brisanz, zumindest in politischer Hinsicht, hat die IWF-Forderung, das Pensionsantrittsalter zu erhöhen. Solange die SPD in der Regierung sitzt, dürfte das schwierig sein. Schließlich hat die frühere SPD-Forderung der Rente mit 67 dazu beigetragen, dass sie zur Mittelpartei geschrumpft ist.

Die Forderung nach einem höheren Mindestlohn wäre es wert, von der Regierung verfolgt zu werden. Die SPD ist dafür sicher zu gewinnen. Ob der Regierungspartner da mitspielen wird, sei dahingestellt. Mit dem IWF im Rücken ist diese Forderung vielleicht leichter umzusetzen.

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Artikel Hermann Neumüller 08. August 2018 - 00:04 Uhr
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