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Fröhlicher Tanz auf dem Vulkan

Es ist bemerkenswert, wie gut es bei uns und in vielen anderen Ländern wirtschaftlich läuft.

Unternehmer wie Konsumenten sind optimistisch – und auch die Wirtschaftsforscher. "Robuste Konjunktur trotz zunehmender Risiken im internationalen Handel" titelte das Institut für Wirtschaftsforschung in einer Aussendung am Montag.

Gute Nachrichten kamen auch aus Japan. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt überraschte im zweiten Quartal mit dem kräftigsten Wachstum seit fast zwei Jahren. Dort könnte es wegen der Olympischen Spiele im Jahr 2020 zu einer Sonderkonjunktur kommen. Alles bestens? Es ist interessant, wie wenig die Menschen sich von Hiobsbotschaften rund um die Welt aus der Ruhe bringen lassen. Ob Naturkatastrophen, Kriege und die recht ungewöhnliche Art des US-Präsidenten, Politik zu machen, nichts scheint uns die Laune zu verderben.

Ein Tanz auf dem Vulkan? Vielleicht auch nicht. Man kann Zukunft durchaus auch positiv sehen. Wenn man die Digitalisierung nicht als Bedrohung, die E-Mobilität als Wachstumsmotor und die Tatsache, dass jetzt auch die Europäische Zentralbank zehn Jahre nach der Pleite von Lehman Brothers schön langsam auf Normalbetrieb einschwenkt, sieht, dann sind das Gründe für Optimismus.

Diese Zuversicht könnte von der Politik verstärkt werden. Könnte. Denn derzeit hat man nicht das Gefühl, dass sich irgendein Politiker in der EU darüber Gedanken macht, wie man die Wettbewerbsfähigkeit der Union stärken könnte. Nur die Außengrenzen gegen Migranten abzuschotten, ist auf jeden Fall zu wenig. Dabei gäbe es eine Reihe von lohnenden Aufgaben, die sich durchaus auch "vermarkten" lassen. Etwa der Ausbau der digitalen Infrastruktur. Das gilt für die Verkabelung ländlicher Regionen genauso wie für die Ausstattung der Schulen mit entsprechender Technik.

Dass die deutsche Autoindustrie jetzt die E-Mobilität zu entdecken scheint, könnte man dazu nutzen, auch die Lade-Infrastruktur des Landes auszubauen. Noch dazu gibt es heimische Unternehmen, die da einiges zu bieten haben, etwa die Linzer Keba.

Da wäre auch noch das große Feld der Energiewende bzw. der Kampf gegen den Klimawandel. Dass das kleine Österreich den Treibhauseffekt nicht aufhalten kann, mag schon stimmen. Ein wärmeres Klima verlangt nach Anpassungsstrategien, etwa beim Tourismus oder in der Landwirtschaft. Da könnte die Politik agieren, statt darauf zu warten, bis sie nur mehr reagieren kann.

Wenn die Bürger das Gefühl haben, die Politik macht sich nicht nur Gedanken über die Zukunft unseres Landes, sondern sie tut auch was, dann wird es für Rechts- oder Linkspopulisten schwerer, als Rattenfänger durch die Lande zu ziehen. Es ist einfach nicht wahr, dass man nur mehr mit dem Migrationsthema Wahlen gewinnen kann.

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Artikel Hermann Neumüller 12. September 2018 - 00:04 Uhr
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