Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Freitag, 21. September 2018, 01:02 Uhr

Linz: 25°C Ort wählen »
 
Freitag, 21. September 2018, 01:02 Uhr mehr Wetter »
Startseite  > Meinung  > Blogs  > Wirtschaft verstehen

Es gibt einen Plan B, um einen Handelskrieg mit den USA zu vermeiden

Präsident Donald Trump hat gegen die Staaten der EU und andere Länder Handelssanktionen durch Importzölle auf Stahl und Aluminium verhängt. Was tun?

Die EU, Kanada wie auch Mexiko erwägen Gegenmaßnahmen durch Importzölle auf amerikanische Produkte wie Jeans oder Whiskey. Bislang ist die Wirkung auf die europäische Wirtschaft moderat und verkraftbar. Wenn das so weitergeht, stellen sich aber zwei Fragen:

Was tun? Sind Gegenmaßnahmen, also Importzölle auf amerikanische Waren, die einzige Antwort? Und: Welche wirtschaftlichen Konsequenzen hat ein Handelskrieg mit den USA? Die EU hat Vergeltungsmaßnahmen angekündigt. Wenn sie diese umsetzt, dann ist die Gefahr groß, dass Präsident Trump Einfuhrzölle in der Höhe von 20 Prozent auf europäische Autos erlässt, und dies würde die europäische Wirtschaft hart treffen. Es könnte den Aufschwung in Europa stark abbremsen und Hunderttausende Arbeitsplätze (in Österreich sicherlich 10.000) gefährden.

Wenn Europa dann im Gegenzug Importzölle auf US-Dienstleistungen einhebt, dann gibt es einen ähnlichen Effekt in den USA.

Wie soll es weitergehen? Immer mehr Zölle auf Güter und Dienstleistungen ist sicherlich keine Lösung, insbesondere bei befreundeten Staaten. Es sollte uns klar sein, dass bei einem derartigen Handelskrieg alle verlieren. Gibt es also einen Plan B, aus dieser wechselseitigen Falle wieder herauszukommen?

Ich hätte einen Plan B: Ich würde die Gegensanktionen ankündigen und gleichzeitig die USA einladen, Verhandlungen über einen wechselseitigen Abbau aller Zölle auf 0 Prozent zu führen. Solange verhandelt wird, werden keine Importzölle erhoben oder in Kraft gesetzt. Welche Ausgangslage haben wir? Wir, die EU, erheben im Durchschnitt zehn Prozent Zoll auf amerikanische Waren, und die USA 3,5 Prozent auf europäische.

Die EU kann aufgrund dieser Einnahmen zirka 20 Milliarden Euro (Jahr 2016) für ihr Budget verbuchen, die bei einer Abschaffung aller Zölle fehlen würden.

Dieses Verhandlungsangebot könnten die USA kaum ablehnen und es könnte einen Weg aufzeigen, wieder in freundschaftlicher Weise miteinander umzugehen. Die EU müsste aber mit einer Stimme sprechen und einräumen, dass im Durchschnitt ihre Zölle höher sind als die amerikanischen. Der EU-Haushalt müsste aus anderen Quellen finanziert werden.

Gelingen diese Verhandlungen, dann könnte der Freihandel auf neue und hoffentlich stabilere Füße gestellt werden. Ebenso hätte die EU klug und in freundschaftlicher Art reagiert, indem sie eine Alternative zum Handelskrieg anbietet. Mit Übernahme der Ratsherrschaft könnte unsere Bundesregierung eine derartige Initiative lancieren und vielleicht einen Handelskrieg verhindern.

Friedrich Schneider ist emeritierter Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Linz

Kommentare anzeigen »
Artikel Friedrich Schneider 06. Juni 2018 - 00:04 Uhr
Mehr Wirtschaft verstehen

Gefangen im Notenbank-Experiment

Vor zehn Jahren stand das Weltfinanzsystem nach dem Konkurs der Bank Lehman Brothers kurz vor dem Abgrund.

Fröhlicher Tanz auf dem Vulkan

Es ist bemerkenswert, wie gut es bei uns und in vielen anderen Ländern wirtschaftlich läuft.

Nicht nur die Türkei hat ein Schuldenproblem

Das Land am Bosporus ist nur eines jener Schwellenländer, die die Gunst der niedrigen Zinsen genutzt und ...

Das falsche Signal

Um die für die Bundesregierung unangenehme Debatte über die Abschiebung von Asylwerbern, die eine Lehre ...
Meistgelesen   mehr »
Weitere Meldungen
OÖNachrichten auf Facebook OÖNachrichten auf Twitter OÖNachrichten auf Google+ OÖNachrichten RSS