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Puppen, Wein und Schule in Wels

Diese Woche überwältigte mich Wels: Das Figurentheaterfestival ist von so globaler Großartigkeit, dass ich mich bei der Eröffnung in einem Theater in New York wähnte statt auf der Baustelle im Greif.

Am nächsten Tag stand ich dann mit engagierten Mitgliedern des Weinbauvereins in Wimpassing in deren Weingarten und schnitt alte Triebe zusammen, damit auch 2019 wieder ein exquisites Weinjahr werden kann. Solche Gegensätze bietet kaum eine andere Stadt. Dass ich gerade in Wels, im Keller von Obermairs Wirtshaus, in die Kunst des Weinkelterns eingeführt werde würde, kam unerwartet. Wir filterten den Weißwein des Vorjahres, der ganz ausgezeichnet geworden ist und demnächst abgefüllt werden wird. Als einer der ganz wenigen Auserwählten besitze ich bereits eine Flasche des 2018er Jahrgangs, es hat schon Vorteile, Stadtschreiber zu sein! Ein anderer ist es, die Stadt – und damit sich selbst – aus den verschiedensten Perspektiven erleben zu dürfen.

Wer hätte gedacht, dass ich plötzlich einen ganzen Tag lang in der Neuen Mittelschule 6 in der Vogelweide den Unterricht gestalten dürfte? Es war eine sehr eindringliche Erfahrung, die mich demütig machte vor der außerordentlichen Arbeit, die Lehrerinnen und Lehrer hier und im ganzen Land jeden Tag leisten. Ich gestaltete je eine Stunde vor den gesammelten ersten, zweiten, dritten und vierten Klassen und bekam so einen kleinen Einblick in die Lebenswelt der zehn- bis 14-jährigen Mittelschüler. Wir hatten viel Spaß miteinander, mussten aber auch zugeben, dass wir uns teilweise fremd waren, aus verschiedenen Welten kamen.

Das Wort Literatur sagte den wenigsten etwas, was ein Stadtschreiber so machte, interessierte sie aber doch. "Ihr seid viel mehr Stadtschreiberinnen und Stadtschreiber als ich", sagte ich. "Alles, was ihr macht, schreibt die Geschichte der Stadt Wels mit, keine Handlung bleibt ohne Konsequenz, Wels wird von euch geprägt! Wie würde also euer erster Satz als Stadtschreiber lauten?" "Wels ist schön!", war die einstimmige Antwort. Und der zweite Satz? "Wels ist klein." Und der dritte? "Wels hat den Ledererturm." Ich hätte noch nach dem vierten Satz fragen sollen, erkundigte mich aber stattdessen nach den schönsten Plätzen der Stadt. Burggarten und Traunufer, war die Antwort. "Sehr schön, und eure Lieblingsplätze?" "McDonald’s, Burger King und der Spielplatz beim Bahnhof." Da werde ich auch einmal hinschauen, vielleicht sehe ich meine Schülerinnen und Schüler ja wieder.

Alle waren ganz aufgeregt, dass ich über sie schreiben möchte, dass sie in der Zeitung stehen würden. Ein paar Kinder der 1 b kamen extra auf mich zu, um zu fragen, ob ich sie gar namentlich erwähnen könnte. Das mache ich gerne. Stellvertretend für alle Kinder der NMS 6, die noch hart kämpfen, um sich selbst und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden, die durch das Engagement der Direktorin und des gesamten Lehrkörpers aber einen wichtigen ersten Schritt in die richtige Richtung setzen, seien hier mit den besten Grüßen erwähnt: Leonardo, Stiwan, Martin, Emre, Ledjon, Esma, Ermina, Rojin, Nudejma und Fabian aus der 1 b und Zeki aus der 2 b.

Mehr vom Stadtschreiber lesen Sie auch auf der Homepage: wels.home.blog

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Artikel Stefan Kutzenberger 14. März 2019 - 00:04 Uhr
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