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Da haben wir den Salat!

Ich bin eine Beilagen-Salat-Esserin. Mit Vorliebe wähle ich ihn als Vorspeise. Denn mit diesem, oft stiefmütterlich behandelten Gerichtchen, demaskiert oder profiliert sich eine Küche.

Salat mit Dressing Bild: (OON)

Im gesicherten Gasthaus-Terrain drängt sich der „kleine Salat“ in möglichst vielen Sorten auf einem Tellerchen. Hier ein Löffel rote Rüben, dann etwas Linsen, Bohnen dürfen auch nicht fehlen, feingehachelte, vormarinierte Gurken ebenso wenig. Dann komplettiert Erdäpfelsalat die „Salatuhr“, gefolgt von geraffelten Karotten. Oft ist auch Mais dabei, kalter Krautsalat, manchmal Sellerie gestiftelt, hie und da Fisolen (oft aus der Dose, was mich in diesem Fall überraschend wenig stört). Darüber wölbt sich locker geschichteter Häuptelsalat, gekrönt vom obligaten Tomaten-Speigerl.

Es macht mir nichts aus, wenn sich die Marinaden mischen. Schauen alle weg (oder auch nicht), schlürfe ich die letzten Tropfen unverschämt vom Teller. Hier trifft Gier den Genuss.

Es kommt vor, dass man mich mit küchenartistischen Einfällen abspeisen möchte. Artig esse ich dann Blattsalate verschiedener Provenienz, deren Farbgebung von einem Feng-Shui-Berater stammen könnten. Radicchio blättert sich so erstaunlich voluminös, dass man mit wenig Materialeinsatz viele Beilagen-Salat-Teller füllen kann. Wenn die modische Invasion Rucola aufmarschiert, sind die Geschmacksknospen gänzlich betäubt.

Die heilige Dreifaltigkeit von Erdäpfelsalat aus dem Zehn-Kilo-Kübel, Karotten-„Julienne“ aus der Dose und grob gehacheltem Kraut ist leider ebenso verbreitet. Darin stochere ich nur pro forma herum. Man muss nicht alles essen.

Getreu dem Motto, Positivbeispielen eine Bühne zu geben, sei ein Gasthaus im östlichen Einzugsbereich der OÖNachrichten erwähnt. Im Gasthaus Lagler in Sonntagberg (Bezirk Amstetten) ist der Beilagen-Salat mustergültig traditionell. Hat mich jemand beim Schlürfen gesehen?

 

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Artikel Karin Haas 15. Mai 2017 - 06:09 Uhr
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