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Nieder mit Powerpoint!

Jeff Bezos, Amazon-Chef und reichster Mann der Welt, ist jemand, dem man Verschiedenes vorwerfen kann. Was eher nicht dazu gehört, ist Technik-Pessimismus.

Trotzdem hat er in einem Rundschreiben an die gesamte Amazon-Belegschaft kürzlich das wohl verbreitetste technische Hilfsmittel der betrieblichen Meeting-Gegenwart verboten: Powerpoint. Bezos will keine projizierten Folien mehr sehen, keine Präsentationen mit Aufzählungen und Listen, keine Logos in den Ecken. Und ich sage Ihnen: Er. Hat. So. Recht.

In den frühen Erfolgsjahren des Microsoft-Programms, vor einem Vierteljahrhundert etwa, mögen einen die damals neuen Möglichkeiten noch geflasht haben: Der Quartalsbericht III/1994 samt seinen 98 wichtigsten Unterpunkten konnte plötzlich digital an die Wand geworfen werden. Mit neun verschiedenen Schriftarten, zwölf Schriftgrößen und 17 Farben. Mit Smileys, die von rechts unten nach links oben über den Textkorpus flogen oder auf halber Strecke in Flammen aufgingen. Viel besser als der alte Overheadprojektor. Einfach nur wow.

Heute gibt es keine Mitarbeiterfestplatte mehr, auf der dieser Parasit des Besprechungswesens nicht installiert wäre. Keine Schülerin, die in Vorbereitung auf den späteren Berufsalltag nicht schon mit 16 lernt, Referate coram publico von Präsentationsfolien abzulesen. Dabei ist Powerpoint in den meisten Fällen wie Benzodiazepin: Ein starkes Narkotikum. Beruhigend und gleichzeitig gefährlich wegen des häufig auftretenden Abhängigkeitssyndroms. Man muss annehmen, dass die Einleitung eines Meetings durch die Worte "Dazu habe ich eine Präsentation vorbereitet" zur sofortigen Ausschüttung von Schlafhormonen führt. Insbesondere, wenn gleichzeitig das Nachreichen des Foliensatzes per E-Mail angekündigt wird.

Viele Powerpoint-Vorträge sind eben einfach nur fad, viele Vortragende verstecken sich geradezu hinter ihren Folien. Und dann noch das Problem der zwei Kanäle: Entgegen mancher Multitasking-Mythen können wir Menschen uns nämlich unmöglich zur gleichen Zeit auf geschriebene Inhalte und die Stimme des Vortragenden konzentrieren. Nur wirklich gute Redner wissen damit umzugehen: Sie zeigen auf ihren Folien kaum Text, sondern Bilder, die das Gesagte stimmig untermauern. Die meisten anderen schicken ihr Publikum allerdings regelmäßig in den "Death by Powerpoint". So nennt die Wissenschaft das langsame Wegdösen in abgedunkelten Präsentationsräumen.

Also: Mehr Mut zu weniger Powerpoint! Erzählen und diskutieren wir lieber mehr. Das täte unserer Meeting-Kultur wirklich gut. Sagen Sie es ruhig weiter, Ihren Kollegen, Mitarbeitern und Chefs. Machen Sie nur eines nicht: Folien mit Argumenten gegen Powerpoint.

 

Martina Mara ist Professorin für Roboterpsychologie an der JKU. Twitter: @MartinaMara. E-Mail: mara@nachrichten.at

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Artikel Martina Mara 12. Mai 2018 - 00:04 Uhr
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