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Eine Momentaufnahme

Eine erste Linzer Bilanz nach etwas mehr als einem Drittel im Grunddurchgang der Erste Bank Eishockeyliga.

Die meisten Eishockeycracks der Black Wings haben Pause. Nach 17 Spielen ist die EBEL in die erste Pause gegangen. Zeit, eine erste Bilanz zu den Leistungen der Black Wings zu ziehen. Die zwischenzeitlich bestenfalls durchschnittlichen Leistungen wurden in der jüngeren Vergangenheit etwas verbessert. Es reicht allerdings trotzdem nur für Platz sechs in der Tabelle.

Bilanz daheim und auswärts: Acht Heim- und neun Auswärtsspiele haben die Black Wings in dieser Saison bisher absolviert. Nach eher durchwachsenem Start kamen die Stahlstadt-Cracks zuletzt immer besser in Fahrt. Vor allem auswärts ist die Ausbeute der Linzer mit vier Siegen laut Coach Troy Ward "eigentlich ganz okay". Handlungsbedarf bestehe bei den gezeigten Leistungen auf heimischen Eis. Zwar feierten die Black Wings Siege gegen Dornbirn, Zagreb, Villach und Znaim, allerdings sind diese Teams in der Tabelle eher unten angesiedelt. Man spricht von Pflichtsiegen, will man vorne mitspielen. Dass Siege nicht immer ganz so einfach einzufahren sind, mussten die Black Wings gegen Innsbruck, Klagenfurt, Bozen und Wien erkennen. Obwohl immerhin bei drei Niederlagen ein Punkt für das Erreichen einer Overtime eingefahren werden konnten.

Tore schießen: Vor allem Ende September und Anfang Oktober fiel den Linzern das Toreschießen schwerer als gedacht. Aktuell sind nur drei Linzer in den Top-50 der Liga-Bestenliste bei den Punkten. Der teaminterne Topscorer aus der Vorsaison, Corey Locke, liegt als bester Punktesammler mit 17 Zählern auf Rang 14. Dan DaSilva (14 Punkte, Rang 26) und Brian Lebler (11 Punkte, Rang 48) schaffen es ebenso noch in die Top-50. Besonders Brian Lebler wirkt (neben den Legionärs-Zugängen in der Offensive) glücklos, obwohl man ihm den Willen nicht absprechen kann. 64 Schüsse hat der Neo-Kapitän der Linzer bisher abgegeben.

In der Vorsaison lagen die vier besten Linzer Scorer in den Top-7 der Liga. Nur zum Vergleich.

Die Offensiv-Flaute lässt sich auf das System zurückführen, das Trainer Troy Ward gerne spielen lassen würde. Vor allem der große Abstand zwischen Verteidigung und Stürmern hat zu vermehrt auftretenden Fehlpässen geführt und die Offensive gehemmt. Ward machte Zugeständnisse und lässt jetzt mehr kombinieren und die Mannschaftsteile kompakter auftreten. Seither ist sein Team wieder im Auftrieb. 

Tore verhindern: Vor allem die Verteidiger wirkten Anfang bis Mitte Oktober äußerst verunsichert. Einfachste Pässe kamen nicht an, teilweise standen die Defender bei Gegentreffern völlig orientierungslos auf dem Eis. Arm dran waren dabei vor allem die Torhüter, die - wie beispielsweise Mike Ouzas in Villach - nach drei Gegentreffern in elf Minuten vom Eis mussten, aber eigentlich gar nichts dafür konnten. Die Save-Percentage kann sich aber sowohl bei Kickert (91,9%), als auch bei Ouzas (91,6%) sehen lassen, beide liegen in den Top-Sechs der Liga. Ouzas hatte etwa zwei Drittel der Eiszeit, David Kickert ein Drittel.

Strafen: Die Linzer nehmen - wie im Vorjahr - signifikant mehr Strafen unter Troy Ward als unter seinem Vorgänger Rob Daum. Lag man in der Fairplay-Wertung 2016/17 noch auf Rang drei in der Liga (230 kleine Strafen in der gesamten Saison), rutschte man im Vorjahr auf Rang zehn ab (331 kleine Strafen). In der laufenden Saison gerieten die Linzer bereits 78-mal in Unterzahl. Vor allem jene Strafen, die "meilenweit vom eigenen Tor entfernt" genommen werden, stoßen Ward sauer auf: "Diese müssen wir vermeiden."

Unterzahlspiel: Die gute Nachricht: Die Black Wings so erfolgreich wie selten zuvor im Penaltykilling. In 71 Möglichkeiten erzielten die Gegner nur acht Treffer, die Linzer waren selbst in diesen Situation sogar zweimal erfolgreich. Damit rangiert man mit 88,7 Prozent deutlich vor Meister Bozen (85,1%), Innsbruck (83,6%) und Graz (83,3%). Eine Frage, die sich aber aufdrängt, ist, wie lange das Personal (erstmals spielen in Unterzahl auch die Cracks aus den vorderen Sturmreihen) es körperlich wegsteckt, auch in Unterzahl aufzutreten. 

Überzahlspiel: Das Powerplay ist eines der größten Kritikpunkte, der sich die Black Wings heuer stellen müssen. Nur neun Treffer konnten mit einem Mann mehr auf dem Eis erzielt werden - aus 63 Möglichkeiten. Das sind 14,3 Prozent. Nur Dornbirn (13,8%) waren schlechter, der VSV hält bei derselben prozentuellen Ausbeute. Und es kommt noch schlimmer. Die Black Wings mussten in Überzahl bereits drei Gegentreffer hinnehmen. Kein Team bekam mehr Gegentreffer im eigenen Powerplay.

Face-Offs: Nur Rick Schofield gewinnt aktuell mehr als jedes zweite Bully (54,4 Prozent). Bracken Kearns (48,5%) und Corey Locke (45,8%) blieben bisher einiges schuldig bei den Einwürfen. Marco Brucker erreicht immerhin 47,1 Prozent. In der Vorsaison bilanzierten insgesamt vier Center der Linzer positiv (Schofield 55,6%, Jake Dowell 55,3%, Philipp Lukas 52,3%, Marc Naclerio 50,3%).

Schuss-Effizienz: Waren die Black Wings in der Vorsaison noch das schusseffizienteste Team der gesamten Saison (10,66%), rutschten die Linzer heuer auf Rang neuen ab. Aus 532 Schüssen resultierten gerade einmal 47 Tore, das ergibt einen Prozentsatz von 8,83 Prozent. Und das, obwohl diese Prozentwerte vor allem am Saisonbeginn oft höher sind als nach Saisonende. Nur Znaim, Zagreb und Villach sind aktuell ineffizienter als die Linzer.

Zuseher: Noch eine gute Nachricht zum Schluss: Die Fans der Black Wings sind treu. Mit 4476 Zusehern pro Spiel sind die Fans der Linzer einsame Liga-Spitze. Die Capitals (4000/Spiel) und Klagenfurt (3563/Spiel) folgen mit Respektabstand.

 

Fazit: Troy Ward sitzt nach der Leistungssteigerung seiner Cracks in den jüngsten Spielen wieder etwas sicherer im Sattel. Eine Rückkehr zur Unbeständigkeit darf seinem Team aber nicht passieren. Vielmehr muss das offensive Auftreten kurz gesagt effizienter und disziplinierter werden. Ansonsten wird es schwierig, in der oberen Tabellenhälfte nach oben zu klettern. Positiv ist, dass sich einige Cracks derzeit einfach außer Form befinden. Kommen diese in Schwung, wird auch die Offensive stärker.

 

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Artikel Markus Prinz 07. November 2018 - 18:44 Uhr
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