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Wie Förderpolitik ihre Unschuld verliert

Spannender Auftakt zur neuen Diskussionsreihe über Kultur in Oberösterreich

Wie Förderpolitik ihre Unschuld verliert

V. l.: Hermann Schneider, Peter Grubmüller (OÖN), Nadja Meisterhans (JKU) Bild:

Als Hermann Schneider am Sonntag zur Diskussion von Kulturpolitik ins Schauspielhaus Linz lud, stand eine Frage im Raum: Warum? Um im Streit um die Kündigung des Theatervertrages seitens der Stadt Linz noch einmal nachzulegen?

Doch der Landestheater-Intendant, der mit JKU-Politikwissenschaftlerin Nadja Meisterhans und OÖN-Kulturressortleiter Peter Grubmüller das Podium bildete, stellte klar: "Gebraucht hätte ich diese Diskussion nicht, aber ich bin dankbar, weil ich sie in etwas Positives verwandeln will." In eine breite Debatte zu Fragen, die in Linz und Oberösterreich zu lange nicht mehr öffentlich gestellt wurden – über und an die Kultur.

Dazu angestoßen hat den Theaterchef dennoch spürbar ein Umstand, der die Diskussion um den Theatervertrag begleitete: Er sei kritisiert worden, dass er, als seitens des Landes Zuschüsse für sein Haus gekürzt worden sind, "vor Landeshauptmann Thomas Stelzer Kreide gefressen" habe. "Aber wenn sich ein öffentliches Gebilde wie die Stadt völlig zurückzieht, hat das für mich eine komplett andere Qualität." Eine, die klar wurde, als Meisterhans erinnerte, was Kultur für Demokratie ist: "Ihr Herzschrittmacher." Löst man sich von ihm, hat das Folgen für den Organismus "Gesellschaft" – und erschüttert die Identität von Kulturschaffenden. Schneider ortete großen Bedarf an Kommunikation und Konsens in Grundsätzlichem ("Was haben wir an der Kultur?"). Und den Wunsch nach mehr Echo – aus der Bevölkerung sowie von Stadt- und Landespolitik. "In Form von Dialogen und Kontext."

"Kulturstadt" als Etikett

Grubmüller fragte Meisterhans, ob sie – zehn Jahre nach Linz09 – noch eine größere kulturpolitische Idee in der Stadt spüre. "Es entsteht der Eindruck, dass man sich gerne mit dem Etikett Kulturstadt ausstattet. Aber was den Prozess betrifft, würde ich mir von Regierungsseite mehr Unterstützung für kleinere Initiativen wünschen, die längst an einem Bild von Kultur arbeiten, das über einmalige Events hinausgeht." Kritisch äußerte sie sich zur Förderpolitik des Landes: "Es ist nicht unschuldig, wenn bei Fraueninitiativen gespart wird, dafür Burschenschaften aber 120.000 Euro bekommen. Das sagt auch etwas über eine Schieflage im Land aus."

"Befremdlich" ist es für Schneider, dass seit Ende 2017 im Landesmuseum der Posten des wissenschaftlichen Leiters nicht nachbesetzt worden sei. "Das zeigt, dass man eine solche Position nicht als notwendig erachtet. Und man beweist: Es geht ja auch so." Dies sei tragisch, weil es die Bedeutung von Kultur schmälere, derer man sich wieder bewusst werden müsse. 

Info: Die Diskussion-Reihe ist vierteljährlich geplant.

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Artikel (nb) 12. Februar 2019 - 00:04 Uhr
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