Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Sonntag, 24. März 2019, 14:16 Uhr

Linz: 16°C Ort wählen »
 
Sonntag, 24. März 2019, 14:16 Uhr mehr Wetter »
Startseite  > Kultur

"Penthesilea": Ein atemberaubendes und fulminantes Opernabenteuer

Am Ende jubelte das Publikum im Musiktheater am Samstag bei der Premiere der Oper "Penthesilea" uneingeschränkt.

"Penthesilea": Ein atemberaubendes und fulminantes Opernabenteuer

Bild: Reinhard Winkler

Die atemberaubend direkte, sich auf das Wesentliche konzentrierende Inszenierung von Peter Konwitschny und die fulminante musikalische Umsetzung unter der Leitung von Dirigent Leslie Suganandarajah wurden mit Begeisterung aufgenommen. 1927 war die Oper von Othmar Schoeck in Dresden uraufgeführt worden.

Penthesilea, Königin der Amazonen, darf sich nur jenem Mann hingeben, den sie besiegt. Doch sie verliebt sich auf dem Schlachtfeld von Troja in Achill, sucht gezielt den Kampf mit ihm, unterliegt aber. Nun erkennt auch Achill seine Liebe. Gleichzeitig entfremdet sich Penthesilea immer mehr von der Realität. Als wahnsinnig von der Gesellschaft ausgegrenzt und die Königswürde verloren, zieht sie erneut in den Kampf und zerfleischt den sie liebend erwartenden und unbewaffneten Achill. Erst langsam erkennt sie ihre Tat und richtet sich selbst.

Bühne über Orchestergraben

Peter Konwitschny und Johannes Leiacker (Ausstattung) präsentieren das Drama auf einer blanken Fläche, die über den Orchestergraben ins Publikum hineinreicht und um die ein Teil des Publikums sitzt, unter das sich der Chor mischt. Dieser pendelt zwischen der Funktion des gebannten Zuschauers und des im Stück handelnden Volks. Auf der Bühne nur zwei Flügel, die wesentliches Element in Schoecks Orchestrierung sind, quasi als Alter Ego der beiden Protagonisten fungieren und die Pianisten (beeindruckend Andrea Szewieczek und Elias Gillesberger) ins Geschehen einbeziehen.

So entsteht eine ungemein dichte Personenführung. Dieses Fokussieren kann nur mit herausragenden Singschauspielern verwirklicht werden.

Große Leistungen

Allen voran Dshamilja Kaiser, die auch bei der Koproduktion in Bonn die Penthesilea gesungen hat. Ihr gelingt es nicht nur stimmlich und musikalisch über den Dingen zu stehen, sondern auch bedingungslos selbstverständlich und daher absolut natürlich das Regiekonzept umzusetzen und so in allen Facetten zu begeistern. Nicht minder beeindruckend Martin Achrainer als stimmgewaltiger und schauspielerisch überzeugender Achilles. Beeindruckend auch Julia Borchert als Prothoe, Katherine Lerner als Meroe, Gotho Griesmeier als Priesterin, Matthäus Schmidlechner als bestechend präsenter Diomedes sowie Vaida Raginskyte als ungemein intensive Oberpriesterin.

Ein großes Lob gebührt Chor und Extrachor, die die höchst herausfordernden musikalischen Aufgaben meistern und szenisch ideal agieren. Leslie Suganandarajah hat die Partitur mit dem bestens disponierten Bruckner Orchester akribisch umgesetzt und das absolut schwierige "Setting" perfekt gemeistert. Denn das Orchester saß auf der Bühne, hinter dem Geschehen.

Fazit: Eine dem Werk mehr als gerecht werdende, zum Nachdenken animierende Inszenierung, die durch die herausragende musikalische Umsetzung aller Beteiligten zu einem grandiosen, viel beklatschten Abend führte.

Musiktheater: Premiere von Othmar Schoecks Oper "Penthesilea", 2.3.

Kommentare anzeigen »
Artikel Michael Wruss 04. März 2019 - 00:04 Uhr
Mehr Kultur

Dancing Stars: Rassismus-Eklat und ein überraschendes Aus

Ein Wechselbad der Gefühle war die erste Entscheidungsfolge von "Dancing Stars".

65 Jahre danach: Die Tragödie am Dachstein

Am Gründonnerstag 1954 bricht eine Schülergruppe aus Heilbronn von Obertraun in Richtung Krippenstein auf.

Was die Hand alles kann

Als Liebeserklärung an die Hand versteht sich die neue Schallaburg-Schau "Der Hände Werk".

Jens Harzer erhält den Iffland-Ring, den Schmuck des würdigsten Schauspielers

Eine Auszeichnung, die vor Legenden, Gerüchten und Mystik nur so strotzt.

Bauhaus-Design für eine bessere Welt

Ab heute würdigt 3sat das Jubiläum "100 Jahre Bauhaus" mit einer Dokumentationsreihe.
Meistgelesen   mehr »
Weitere Meldungen
OÖNachrichten auf Facebook OÖNachrichten auf Twitter OÖNachrichten auf Google+ OÖNachrichten RSS