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Die CD der Woche: Grimes „Visions“ (4AD)

Claire Boucher spielt nicht. Sie ist. Die Kanadierin, die seit 2010 unter ihrem schöpferischen Alter Ego Musik in die Welt hinausposaunt, hat aus ihrem geistigen und gefühlten Erfahrungsschatz etwas sehr eigenwilliges entstehen lassen. „Visions“ gehorcht keinen Gesetzmäßigkeiten. Ihre elektronische Musik ist abgedreht wie geerdet, experimentiert sich ganz weit weg von Gewohntem, um im Gegenzug mit fast schon poppiger Leichtigkeit zu überraschen. Die 23-Jährige macht sich die elektronische Spielwiese zu eigen, überschreitet ganz locker Genre-Grenzen und öffnet neue Horizonte. Wer sich bei „Visions“ in eine Fantasie-Welt hineindenkt, braucht sich nicht zu ängstigen. Grimes hat diese Wirkung. Anspieltipps: „Genesis“, „Nightmusic“ (feat. Majical Clouds)

Dry The River „Shallow Bed“ (RCA)

Große Melodien, große Gefühle, ein ständig über allem herrschender melancholischer Grundton, der aber nicht in die Tiefe zieht, sondern Gedanken auf die Reise schickt und Lieder, die sich dem Diktat des Moments entziehen und sich völlig frei in alle Stilrichtungen entfalten – das ist Dry The River gelungen. Die fünf Briten leben ihre unterschiedlichen musikalischen Zugänge – von Singer-Songwriter über Blues und Prog-Rock bis Post-Punk – aus und sprachen im Kollektiv dennoch wie aus einem Mund. „Shallow Bed“ verlangt nicht mehr als, ein wenig Zeit der Auseinandersetzung und die Bereitschaft, vorgefertigte Schablonen aus dem Denken zu verbannen. Dann wird man mit Musik belohnt, die sich nicht so schnell abspielt. Anspieltipps: „No Rest“, „Shaker Hymns“

Fotzhobl „In Foab“ (Eiffelbaum Records/Hoanzl)

In der Authentizität liegt die große Stärke der Mundart-Rocker, die auf ihrem dritten Album mit scharfem Verstand, Feinsinnigkeit zwischen den Zeilen und ehrlichen Gefühlsregungen aufwarten. Die zehn Songs zeigen, dass viele stilistische Farbtupfer ein stimmiges ganzes Bild ergeben. Anspieltipps: „Hirnfasching“, „Tausend Fragn“

Ivy Quainoo „Ivy Quainoo“ (Universal)

Sie hat „The Voice Of Germany“, ist Siegerin einer Castingshow, die sich von anderen Formaten wohltuend unterschieden hat. Vor allem in den Auswahlkriterien. Nun darf Ivy Quainoo beweisen, dass ihre Wahl eine gute war. Das war sie. Die junge Frau hat eine grandiose Stimme, in der Seele und Herz steckt. Gepaart mit ihrer natürlichen Bescheidenheit ergibt das eine erfolgsversprechende Mischung. Auch die fröhlichen Pop-Songs passen zu ihr und sind gut gewählt. Anspieltipps: „Do You Like What You See“, „Glass Houses“

Sons Of Bill „Sirens“ (Blue Rose)

Hier weht der klassische Wind des Storytelling, werden Country-Wurzeln gepflegt und versucht, die Blüten in Richtung Folk und Rock zur Entfaltung zu bringen. Sons Of Bill arbeiten auf ihrem neuen Album mit der Macht von Melodien, die entspannend wirken, aber nicht ganz vergessen machen, dass zu viel Harmonie erdrückend sein kann. Anspieltipps: „Siren Song“, „Turn It Up“

Roxette „Travelling“ (Capitol)

Es klingt vertraut, hat nach dem Bühnen-Comeback der Schweden vor drei Jahren an Kraft und Ausdruck gewonnen, aber zurückdrehen lässt sich das Rad der Zeit nicht. Was man positiv mit typischem Sound und dem konsequenten Verfolgen eines Weges sehen könnte, bleibt negativ gesehen die Wiederholung eines Pop-Stils, der gut zu den 1990er-Jahren gepasst hat, sich aber nicht groß weiterentwickelt hat. „Travelling“ ist typischer Roxette-Pop der eingängigen Sorte, ohne die ganz großen Ohrwürmer, an denen man nicht vorbeikonnte. Anspieltipps: „Lover Lover Lover“, „Touched By The Hand Of God“

The Kordz „Beauty & The East“ (e-a-r)

Musik aus Beirut? Die kann nur orientalisch klingen! Vorurteil, Klischee. The Kordz aus der Hauptstadt des Libanon spielen eine hochmelodische Hard-Rock-Variante, die sich in üppigen Sounds und prägnanten Gitarren zeigt. Ihr unverkennbarer Pop-Appeal löst Assoziationen mit Linkin Park aus und auch die Manic Street Preachers sind nicht so weit von ihnen entfernt. Doch The Kordz kopieren nicht, sondern haben ihren hörbar westlichen Rock-Einflüssen freien Lauf gelassen. Und manchmal darf die Herkunft auch durchklingen, wie im Titeltrack. Anspieltipps: „Nothing Or Everything“, Again“

Tove Styrke „Tove Styrke“ (Sony Music)

Die Schweden haben seit jeher ein gutes Händchen für Pop-Musik. Also ist auch Tove Styrke keine, bei der man gleich einmal die Ohren verschließt. Die Erwartungen, die die 19-Jährige mit ihrer Power-Pop-Dance-Nummer „Call My Name“ ausgelöst hat, sind aber dann doch zu hoch. Ihr Debütalbum versucht sich im Variantenreichtum, verliert dabei aber an Linie. So plätschern die Songs einfach vorbei. Anspieltipps: „Million Pieces“, „Sticks And Stones“

Georg Breinschmid „Fire“ (Preiser Records)

Von der Klassik zum Jazz und von dort zu Artverwandtem, das sich Weltmusik nennen lassen könnte, zieht es den Kontrabassisten und Komponisten. „Fire“ ist ein wilder Ritt durch eigene Werke, in denen für alles Platz ist, was aus Breinschmid herauswill – und das ist einiges. Hören und staunen.

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Artikel Reinhold Gruber 30. März 2012 - 00:04 Uhr
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