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So fand das Pflanzengift Glyphosat in die Welt

Die Verstrickungen von Behörden und chemischer Industrie aus Sicht eines Umweltchemikers.

So fand das Pflanzengift Glyphosat in die Welt

Helmut Burtscher-Schaden Bild: but

Für Umweltchemiker Helmut Burtscher-Schaden ist das Herbizid Glyphosat (Markenname Round-up) wahrscheinlich krebserregend. Damit deckt sich die Einstellung des Global-2000-Aktivisten mit jener der Krebsforschungsagentur der WHO. Sein Buch mit dem Titel "Die Akte Glyphosat" stellte Burtscher-Schaden diese Woche im Kepler-Salon in Linz vor. Dabei schilderte er, wie Pflanzengift-Hersteller die Schwächen der Zulassungssysteme in den USA und Europa für ihre Zwecke nutzen und damit "unsere Gesundheit gefährden", so Burtscher-Schaden.

OÖNachrichten: Es gibt tausende Studien über Glyphosat. Sie fällen ein Urteil anhand von ein paar Arbeiten, erwähnen aber nicht die stärkste, die pro Glyphosat spricht. Die Iowa-Farmerstudie wurde mit 80.000 Menschen gemacht, nicht Versuchstieren, und ergab keine Signifikanz hinsichtlich Krebserkrankungen, oder?

Burtscher-Schaden: Diese Studie hat nur ein leicht erhöhtes Auftreten des Non-Hodgkin-Lymphoms (Lymphkrebs, Anm.) bei Farmern gezeigt, das aber nicht signifikant war. Die Studie hat große Schwächen. Erstens betrug das Follow-up nur 6,7 Jahre. Das Non-Hodgkin-Lymphom hat aber eine viel längere Inkubationszeit. Man hätte länger warten müssen, um zu sehen, ob das signifikant ist. Zweitens war die Kontrollgruppe keine, die wirklich nichts mit Pestiziden zu tun hatte. Daneben gibt es etliche Fallstudien, die durchaus eine Häufung des Lymphoms zeigen und glaubwürdig sind. Außerdem taucht beim Tierversuch genau der gleiche Krebs auf.

Sollte die Genehmigung von Glyphosat in der EU auslaufen: Gibt es einen harmloseren Ersatz?

Es gibt kein Mittel, das das Gleiche kann wie Glyphosat. Biobauern produzieren aber ohne Glyphosat und können die gleichen Produkte herstellen wie konventionell wirtschaftende Landwirte.

Werden wir dann noch mehr Produkte aus Nord- und Südamerika und aus Asien beziehen, wo wirklich verantwortungslos mit dem Pestizid umgegangen wird?

Nein, das ist ja das Positive. Wenn ein Pestizid in der EU verboten wird, müssen auch die Höchstwerte heruntergesetzt werden. Das heißt: Die importierten Futtermittel dürften dann nicht mehr mit Glyphosat belastet sein. Das ist ja auch ein Grund, warum der Widerstand der Industrie gegen ein Verbot so groß ist. Da geht es nicht nur um die EU. Glyphosat ist ein systemrelevantes Herbizid, und der Herstellerkonzern wird ohne es nur schwer überleben können.

So fand das Pflanzengift Glyphosat in die Welt

Helmut Burtscher-Schaden, "Die Akte Glyphosat": Kremayr & Scheriau Verlag, 256 Seiten, 22 Euro

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Artikel 16. September 2017 - 00:04 Uhr
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