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"Enteignung" ist eines dieser Bücher, die man einfach nicht weglegen kann

Der neue Roman von Reinhard Kaiser-Mühlecker führt meisterhaft in ganz tiefe Abgründe.

"Enteignung" ist eines dieser Bücher, die man einfach nicht weglegen kann

Reinhard Kaiser-Mühlecker (36) liest heute im StifterHaus in Linz. Bild: Bauer

"Ich sehe es als eine Art Verpflichtung an, die Welt, die ich kenne, erfahrbar zu machen – einem, der sie nicht kennt." Das ist das persönliche Credo des in Eberstalzell aufgewachsenen Autors Reinhard Kaiser-Mühlecker, was den Antrieb seiner literarischen Arbeit betrifft. In seinem neuen Roman "Enteignung" ist es eine Welt mit tiefen Abgründen und großen, lange unterdrückten Gefühlen. Der 36-jährige Erfolgsautor, der es 2016 mit "Fremde Seele, dunkler Wald" auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises schaffte, ist ein brillanter Beobachter und baut auf eine außergewöhnliche "Altersklugheit", vergleichbar mit Vea Kaiser in ihrem aktuellen Werk "Rückwärtswalzer".

Schauplatz "Wels"

Schauplatz ist eine 50.000-Einwohner-Stadt, in der gerade eine Rechtspartei den Bürgermeistersessel gewonnen hat. Ähnlichkeiten mit der Stadt Wels sind wohl mehr als Zufall, auch wenn Wels gut 60.000 Einwohner hat. Dort ist der Ich-Erzähler als freier Journalist namens Jan für ein Regionalblatt tätig. Ein Arbeitsauftrag führt ihn in ein Bauernhaus außerhalb der Stadt. Dort ist der Altbauer nach einem Sturz über die Stiege gestorben. Auf dem Hof herrscht drückende Stimmung, die aber offensichtlich wenig mit dem Todesfall zu tun hat. Flor, ein ehemaliger Schulkollege Jans, und Hemma führen den Mastschweinebetrieb. Sie sind eine gut eingespielte Arbeitsgemeinschaft, persönlich haben sie sich nichts zu sagen. Jan taucht fasziniert in diese seltsame, auf Lug und Trug aufgebaute und offensichtlich tote Gefühlsbeziehung ein. Er wird Praktikant auf dem Hof.

Als solcher bekommt er den tiefen Konflikt Flors mit dem Gemeindebeamten und Bauern Beham mit. Flor wird enteignet, weil er bei einer Grundabtretung beim Preis zu hoch gepokert hat. Beham verweigert ihm im Gegenzug die Baubewilligung für ein Stallgebäude. Die beiden hassen einander, es ist eine schweigende Brutalität, die sich drohend anbahnt. Jan beginnt eine leidenschaftliche Bettgeschichte mit Hemma. Doch die führt nichts Gutes im Schilde, sie verlangt als Gegenleistung, Beham aus dem Weg zu schaffen. Flor liebt indessen die freizügige Ines. Alles läuft auf ein dramatisches Finale hinaus.

Kaiser-Mühlecker geht dieser Text so leicht, so nachvollziehbar und mit sprachlicher Eleganz von der Hand. Es ist eines der Bücher, die man nicht weglegen kann.

"Enteignung": Roman von Reinhard Kaiser-Mühlecker, Verlag S. Fischer, 222 Seiten, 21 Euro

OÖN Bewertung:

 

Lesung: Reinhard Kaiser-Mühlecker liest heute, 19.30 Uhr, im StifterHaus in Linz aus seinem neuen Roman; Eintritt frei.

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Artikel Helmut Atteneder 14. März 2019 - 00:04 Uhr
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