Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Sonntag, 17. Februar 2019, 11:04 Uhr

Linz: 4°C Ort wählen »
 
Sonntag, 17. Februar 2019, 11:04 Uhr mehr Wetter »
Startseite  > Kultur

Eine "Gefühlsterroristin" auf gnadenlosem Rachefeldzug

Musiktheater: Standing Ovations für Sänger und Bruckner Orchester bei Opernpremiere "Elektra", Buhrufe für die Regie.

Eine "Gefühlsterroristin" auf gnadenlosem Rachefeldzug

Die Finnin Miina-Liisa Värelä brillierte bei der Musiktheater-Premiere in der Rolle der "Elektra". Bild: Landestheater/Winkler

Mit uneingeschränktem Jubel für die Solisten, das Bruckner Orchester und Markus Poschner und mit einigen heftigen Buhrufen für das Regieteam reagierte am Samstag im Musiktheater das Publikum auf die Premiere von Richard Strauss’ Oper "Elektra". Fast auf den Tag vor 110 Jahren erlebte diese extremste aller Opern ihre Uraufführung und elektrisierte mit ihrer Radikalität. Sie wirkt auch heute noch beklemmend.

Sieht man doch das Psychogramm einer geschädigten Frau, deren einziges Lebensziel Rache ist. Rache an ihrer Mutter und deren Buhlen, die ihren Vater ermordet haben. Ob Elektra allerdings diese "Gefühlsterroristin" ist, wie sie Regisseur Michael Schulz sieht, und dabei die Täter-Opfer-Rolle umkehrt, ist zwar ein spannender Gesichtspunkt, aber dennoch fraglich. So sieht das Publikum auch keine Realität auf der Bühne, sondern alles durch das berechnende Auge der Protagonistin. Es ist immer derselbe Raum (Bühne: Dirk Becker), der sich aber je nach Situation in der Wahrnehmung Elektras verändert – das Kinderzimmer, wenn es um Orest geht, der Garten, in dem Chrysothemis ihre sexuell aufblühenden Gedanken pflegt und der sich in eine schwarze Wüste verwandelt, wenn die Kunde von Orests Tod den Hof erreicht. Es ist aber auch der Raum der Veränderung, der Klytämnestra, die hier zur hippen Partyqueen erhoben wird, bei der Bewältigung ihrer Tat helfen soll.

Was kommt nach der Rache?

Beklemmend ist der Schluss: Elektra bricht nicht tot zusammen, sondern erstarrt und wird sich der Leere ihres Daseins schlagartig bewusst. Ihr Lebensziel – die Rache – ist erreicht. Was nun? Mit dieser Ungewissheit wird das Publikum entlassen. Ein spannender Ansatz, der aber nicht restlos überzeugte.

Das tat die musikalische Seite, vor allem das großartig disponierte Bruckner Orchester unter Markus Poschner, das diese Partitur akribisch entschlüsselte. So öffnen sich in Strauss’ Riesenorchester die Kanäle, auf denen die Solisten freie Bahn haben – allen voran Miina-Liisa Värelä. Die finnische Sopranistin überzeugt in allen Belangen, weiß perfekt die Stimme für die unterschiedlichen Emotionen bereitzustellen und die dynamischen Extreme brillant auszukosten. Das gelingt auch Brigitte Geller als Chrysothemis, die ihre Partie emotional und stimmlich beeindruckend gestaltet. Katherine Lerners Klytämnestra besitzt regiebedingt nicht jene Dämonie, die einem grenzenlosen Verfolgungswahn entspringt, versteht sich aber aus dem Konzept freizusingen. Michael Wagner überzeugt als stimmgewaltiger Orest, und Matthäus Schmidlechner findet im Aegisth eine weitere in sein Stimmfach perfekt passende Rolle. Aus dem restlichen Ensemble stechen Theresa Grabner als fünfte Magd und Mathias Frey als junger Diener heraus.

Fazit: Musikalisch grandiose Produktion einer der schwierigsten Strauss-Opern in einer nicht immer das Ziel erreichenden Inszenierung.

Kommentare anzeigen »
Artikel Michael Wruss 21. Januar 2019 - 00:04 Uhr
Mehr Kultur

69. Berlinale: Goldener Bär für "Synonyme" von Nadav Lapid

BERLIN. Das Drama "Synonyme" des israelischen Regisseurs Nadav Lapid hat den Goldenen Bären der 69.

Hurra, hurra der Pumuckl ist wieder da!

MÜNCHEN. Pumuckl kehrt nach Jahren zurück ins deutsche Fernsehen.

Aufregung um Verleihung von Ehrenzeichen an Andreas Gabalier

GRAZ. Der Beschluss des Grazer Stadtsenats, Andreas Gabalier das Goldene Ehrenzeichen zu verleihen, löste ...

Trauer um einen Großen seines Fachs: Bruno Ganz ist tot

ZÜRICH. Der Schweizer Schauspieler Bruno Ganz ist tot. Er starb im Alter von 77 Jahren in Zürich, wie sein ...

Was Morde an Kindern alles zu Tage befördern

"M – Eine Stadt sucht einen Mörder": David Schalko verlegte Fritz Langs Werk aus dem Jahr 1931 ins Wien ...
Meistgelesen   mehr »
Weitere Meldungen
OÖNachrichten auf Facebook OÖNachrichten auf Twitter OÖNachrichten auf Google+ OÖNachrichten RSS