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Balduin Sulzer: Komponist, Lehrer und ewige Frohnatur

In der Nacht auf Mittwoch starb Sulzer im Alter von 87 Jahren.

Balduin Sulzer: Komponist, Lehrer und ewige Frohnatur

Doyen der oberösterreichischen Komponisten: Balduin Sulzer (1932 – 2019) Bild: Reinhard Winkler

Wie seine Musik, genauso heiter und trotzdem mit ungeheurem Tiefgang, ist Balduin Sulzer durch ein vielfältiges und musikalisch höchst erfülltes Leben gegangen. In der Nacht auf gestern ist der Doyen der oberösterreichischen Komponisten im Alter von 87 Jahren gestorben. Als eines der prägendsten Vorbilder einer ganzen Musikergeneration war Balduin Sulzers musikalischer Lebensweg von vielen beeindruckenden Erlebnissen gekennzeichnet – vom ersten Kontakt mit Musik des 1932 in Großraming Geborenen durch das Zitherspiel seiner Mutter über die Gymnasialzeit in Linz und Wilhering bis hin zu den Studien in Wien und Rom.

Kein Wunderkind

Dabei war Sulzer kein Wunderkind, sondern sein Interesse für Musik wuchs stetig und bekam durch den Kontakt mit der Kirchenmusik und speziell durch das Orgelspiel neue Impulse. Das Improvisieren auf der Orgel – eine seiner großen Meisterschaften – brachte ihn dann auch zum Komponieren, und so entstanden schon während der Schulzeit die ersten kleineren Werke. Der Eintritt ins Stift Wilhering war eine logische Konsequenz.

"Ich hatte sicherlich kein Saulus-Erlebnis, aber die stärkste Motivation waren die zu erwartenden Aufgaben als Lehrer und – damals noch nicht absehbar – als Musiker", meinte er in einem Interview. Die Studien an der päpstlichen Hochschule für Kirchenmusik in Rom bekräftigten diesen Weg. So schlugen zwei Herzen in seiner Brust, das des Kirchenmusikers und Komponisten und das des Pädagogen.

 

 

Als solcher gründete er 1974 am Stifter-Gymnasium das Musikgymnasium Linz, das er bis 1997 leitete und zu einer der wichtigsten musikpädagogischen Bildungsstätten des Landes aufbaute. Balduin Sulzer war kein Lehrer, dem es bloß um die Erfüllung von vorgegebenen Tatsachen ging. Er war ein leidenschaftlicher Begeisterer, der Lebensweisheiten vermitteln konnte, die viele seiner Schüler bis heute prägen – vom Music Director des Cleveland Orchestra, Franz Welser-Möst, bis zu Orchestermusikern, Sängern, Lehrern.

Als Komponist ist es ihm gelungen, einen unverwechselbaren Stil zu entwickeln. Betrachtet man Sulzers Musik, dann wird man von der Vielfalt der Besetzungen, der Klanglichkeit und einer Bandbreite emotionalen Empfindens beeindruckt sein. Von himmelhoch jauchzend bis tief deprimiert, von packender Dramatik bis zur sehnsüchtigen Leidenschaft, von der weltlichen Erkenntnis des Daseins bis zur spirituellen Erfahrung des Unendlichen. Immer den Hörer im Fokus, bei dem Balduin Sulzers Musik etwas bewegen will.

Humor, aber mit Tiefgang

Vielleicht sehen gerade deshalb viele den immer gut gelaunten Komponisten von seiner heiteren Seite und verstehen von da her seine Kompositionen als witzig-spritzige Einfälle. Ja, Balduin Sulzer hatte – auch musikalischen – Humor, doch der geht wie bei Joseph Haydn in die Tiefe menschlicher Gefühlswelten. Seine Musik, die seinem einmal gefundenen Stil treu bleibt und sich anderseits immer weiterentwickelt, immer konzentrierter und prägnanter wird, spricht unmittelbar an und offenbart einen Kosmos weiser Welterkenntnis, die der universal gebildete Geistliche in sein Werk einfließen ließ.

Er wird nicht nur als Musiker, ehemaliger Domkapellmeister und Komponist von mehr als 450 Werken, sondern auch als der "Herr Lehrer", der vielen bis zuletzt freundschaftlich verbunden geblieben ist, fehlen.

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Artikel Michael Wruss 11. April 2019 - 00:04 Uhr
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