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Wie ein kritischer Pfarrer durch die NS-Hölle ging

Bedeutende Uraufführung: Franz Froschauer überzeugte als Pfarrer, Lehrer und KZ-Häftling im Stück "Der Fall Gruber".

Wie ein kritischer Pfarrer durch die NS-Hölle ging

Franz Froschauer als Johann Gruber. Bild: Weihbold

Mit dem Theaterstück "Der Fall Gruber" fand am Samstag im Linzer Mariendom eine Uraufführung statt, die zutiefst berührte.

Das lag stark an ihrer wahren Geschichte: Sie handelt von Pfarrer Johann Gruber (1889 bis 1944) aus Tegernbach. Er war ein einflussreicher, von Schülern geschätzter Lehrer in Oberösterreichs Kirche, hatte aber ein Problem: Beseelt vom Willen, Menschlichkeit mit neuen Konzepten der Erziehung zu vereinen, reizte er alte Hierarchien und die, die sie ausführten, über Gebühr. "Er war ein Systemkritiker, auch manisch unterwegs mit dem Kopf gegen die Wand", sagt Thomas Baum, Autor des Stücks.

Die Systeme schlugen zurück. Vertreter der Kirche intrigierten, punzierten ihn unschuldig als Sexualstraftäter. Das spielte der "Gerichtsbarkeit" im NS-Regime in die Hände, die Pädagogen wie ihn eliminieren wollte. Einige Jahre nachdem der damalige Bischof Johannes Gföllner Gruber seinen Schutz entzogen hatte, starb dieser an der Folter im KZ Gusen.

Die Wahrheit hallte lange nach

Diese historische Verkettung wiederum ließ den Dom, einen Hort des Ernsten, das Sakralen, als Aufführungsort noch spezieller werden. Dass Hautpdarsteller und Regisseur Franz Froschauer die Geschichte des Verleumdeten endlich verkörperte, fühlte sich ohnehin gut an. Dass er das tat, wo Gruber 1913 die Priester weihe empfing, erhob das Spiel ein Stück weit zur Heimkehr.

Bestechend war, wie Froschauer den Raum nutzte, um Grubers symbolische Rückkehr mit den Mitteln der Kunst noch stärker zu gestalten. Die Akustik ließ ein Echo zu, das Froschauer mit einem fabelhaften Einsatz seiner Stimme feierte. Einzelne Worte, Sätze, schmetterte er in den Raum. Sie hallten nach, schwappten wie Wellen aus Wahrheit nach, die nur langsam verebbten.

Etwa, wenn er sich scharf gellend gegen "infame Unterstellungen" zur Wehr setzte. Froschauers Werden und Vergehen als Hans Gruber spielte sich im Altarbereich ab. Das Publikum saß davor und an den Seiten, sah wie er von Reformwillen angestachelt herumtigerte, tänzelte wie ein Boxer vor der Verteidigung.

Möglich war diese Bestuhlung, da der Altarbereich neu gestaltet wird und die Kirchenbänke weggeräumt wurden. Das wirkte beinahe "nackt", was aber nur noch stärker betonte, wie ausgeliefert Gruber war – sich selbst, anderen. Alleine auf weiter Flur, auch wenn er sich mit Gegnern maß.

Als solche überzeugten Andreas Puehringer als "aufwiegelnder" Kollege, Katharina Bigus als hantige Schwester Virginia, Tanja Jetzinger als instrumentalisierte Hyazintha und Alois Kreuzwieser als sadistischer SSler. Die Dunkelheit, die sie verströmt hatten, hatte einen wunderbaren Gegenpart: Anna Valentina Lebeda stand als blindes Mädchen für die vielen Schüler, die Gruber unterstützte. Sie sang glockenhell, erschien engelsgleich und erinnerte daran, Kindliches bestmöglich zu stützen. Eine starkes Ensemble, belohnt mit stehenden Ovationen. Zu recht.

Der Fall Gruber: 24. 6., Mariendom Linz,

OÖN Bewertung:

Weiters in Vöcklabruck (21. 9.), Schwanenstadt (22. 10.), St. Georgen a. d. G. (9. 11.) www.johann-gruber.at

 

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Artikel Nora Bruckmüller 26. Juni 2017 - 00:04 Uhr
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