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Wie die Kunst in die Silos kam

Mit dem MOCAA eröffnete in Kapstadt ein gigantisches Museum afrikanischer Kunst.

Wie die Kunst in die Silos kam

Der Museumskomplex von außen betrachtet Bild: Grubmüller

Gehen Sie einfach dorthin, wo die vielen Menschen warten", sagt George, der so herzlich kichernde Busfahrer in Kapstadt. Seine linke Hand zeigt hinunter zur Waterfront, wo die gewaltigen Betonzylinder seit 1924 für jenen Reichtum stehen, der Afrika arm gemacht hat. Dort wurde das Getreide gebunkert, das im südlichen Teil des afrikanischen Kontinents geerntet worden war und in Richtung Norden verschifft wurde. Ab 1991 – mit Ende der Apartheid in Südafrika – standen die Silos leer. Seit Herbst ist dort das MOCAA, das größte, spektakulärste und mit einem Schlag auch bedeutendste Museum zeitgenössischer afrikanischer Kunst, untergebracht, weil ein Deutscher sein Leben geändert hatte.

Jochen Zeitz heißt der Mann, ein international studierter Mannheimer mit Gespür für Ästhetik und Talent zur Geldvermehrung. Jahrelang leitete er den Sportartikelhersteller Puma und gestaltete ihn zu einem der führenden Lifestyle-Labels. 2012 schied er aus dem Unternehmen aus und widmete sich mit seiner Stiftung dem Umweltschutz und drängenden Entwicklungsfragen.

Heatherwicks Meisterwerk

Der 54-Jährige besitzt die vermutlich größte Sammlung afrikanischer Kunst der Welt, zusammengetragen von seinem südafrikanischen Kurator Mark Coetzee, der dem MOCAA nun als Direktor vorsteht. Jahrelang tingelten die Werke als Leihgaben über den Planeten. In dem vom englischen Architekten Thomas Heatherwick herausragend umgestalteten und von Privaten wie von der öffentlichen Hand gleichermaßen betriebenen Betonkoloss in Kapstadt sind sie nun zuhause.

Die Menschenschlange vor dem Gebäude beschreibt einige Kurven, damit die auf Eintritt Wartenden auf dem Vorplatz geschlichtet stehen können. Die Eingangshalle öffnet sich wie eine riesige Kathedrale. Die durchschnittenen und miteinander verbundenen Silos sehen wie riesige Orgelpfeifen vom Instrument einer extraterrestrischen Macht aus, inmitten des Raumes erhebt sich ein gigantischer Drache aus Gummischläuchen mit Totenschädel. Die Installation des südafrikanischen Künstlers Nicholas Hlobo, die 2011 bei der Biennale in Venedig zu sehen war, greift den Xhosa-Mythos vom Blitzvogel auf, der die Gestalt eines verführerischen Jünglings annehmen kann.

Hier bewacht er die rechts wie links in 33 Meter Höhe (sieben Stockwerke) fahrenden Liftkapseln, mit denen man zu den 60 Ausstellungsräumen auf 6000 Quadratmetern gelangt. Dazu kommen ein Café mit Dachterrasse samt Skulpturenpark und ein angeschlossenes Boutique-Hotel mit dem Namen "The Silo" (die Zimmer beginnen bei 900 Euro pro Nacht, Frühstück inklusive).

"Lange sind die Kunstwerke Afrikas in die ganze Welt gegangen", sagt Coetzee, "das wollen wir ändern. Wir möchten, dass afrikanische Kunst in Afrika bleibt." Außerdem sei der afrikanische Kunstmarkt zu lange von weißen Eliten bestimmt worden. Wie der weiße Coetzee das ändern will? "Indem wir junge schwarze Künstler in den Mittelpunkt rücken und schwarze Kuratoren fördern." Eine Etage ist allein der Kuratoren-Ausbildung gewidmet. Unter Coetzees 62 Mitarbeitern befänden sich obendrein nur zwei Weiße.

So etwas wie eine Basis ist bereits zu erkennen: Edson Chagas aus Angola wurde 2013 für seine Fotoserie "Found Not Taken" mit dem Goldenen Löwen von Venedig ausgezeichnet. Er fotografiert und inszeniert weggeworfene Objekte und nähert sich damit dem veränderten Konsumverhalten in Angolas Hauptstadt Luanda.

Nandipha Mntambo aus Swasiland lässt in zwei Räumen vermeintlich höfische und metaphorisch aufgeladene Damenkleider schweben, die sie aus chemisch behandelten Kuhfellen gefertigt hat. Die Arbeiten des simbabwischen Bildhauers Michelle Mathison beschäftigen sich mit Feldarbeit und deren Abstraktion. Sein in Südafrika arbeitender Landsmann Kudzanai Chiurai beleuchtet den Verlauf der wirtschaftlichen und sozialen Umstände vom Kolonialismus bis zur Gegenwart mit unterschiedlichsten Medien – darunter Fotografie, Grafikdesign, Druckgrafik, Malerei und Film.

In einem behutsam ausgeleuchteten Raum hängen schließlich an Seilen 197 rote Ziegelsteine auf Augenhöhe von der Decke. Wer hindurch geht, der spürt, wie der Weg immer enger wird. Eine Erinnerung des südafrikanischen Konzeptkünstlers Kendell Geers an den Apartheid-Kampf, als Aktivisten Ziegelsteine von Autobahnbrücken auf Regime-Vertreter warfen. Was kann Kunst schon Besseres vermitteln als Empathie für die eigene Geschichte?

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Artikel Peter Grubmüller 13. Januar 2018 - 00:04 Uhr
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