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Volkskultur mittendrin: Die freie Wildbahn der Mundart

Generationen von Lehrern haben ihren Schülerinnen und Schülern „sprich schön!“ eingebläut – und jetzt vergibt die Fachjury einen der oö. Volkskulturpreise 2010 ausgerechnet meiner Initiative „Mundart in der Schule“. Diese vermittelt nämlich den Jugendlichen neue Wertschätzung für die „eigentliche Muttersprache“ mit ihren vielfältigen Ausdrucksformen. Außerdem bindet dieses Projekt auch Kinder aus anderen Kulturen ein und leistet damit einen Beitrag zur Integration.

Ab Herbst 2009 gelang es, einige Deutschlehrerinnen an oö. Hauptschulen für dieses Anliegen zu interessieren. Gemeinsam streichen wir bei jedem Text das Positive heraus und überlegen, wie man weniger gut Gelungenes anders ausdrücken könnte. Für „Mundart in der Schule“ gilt nämlich das Motto: Es gibt keine Fehler! Das Ergebnis: Zehn- bis 15-Jährige schreiben bemerkenswerte Texte, Gedichte und Erzählungen. Denn hier dürfen sie ihre Kreativität ohne Angst vor Rotstift und Benotung ausleben, sich ungehemmter Freude am Formulieren hingeben.

Welch hervorragende Sprachschule die freie Wildbahn der Mundart sein kann, belegen viele Untersuchungen. Bei der Debatte um die zum Teil erschütternden Ergebnisse der PISA-Studie erklärten deutsche Sprachforscher das auffallend gute Abschneiden der Länder Bayern und Baden-Württemberg damit, dass die Schüler in diesen noch von Dialekt geprägten Ländern mehr Sprachkompetenz hätten. Dadurch würden Auffassungsgabe und abstraktes Denken trainiert.

Wichtigste Erkenntnis: Mundart ist nicht minderwertig! Daher sträubt sich der Germanist und Schriftsteller Friedrich Ch. Zauner gegen den Ausdruck „Hochdeutsch“, da dieser im Umkehrschluss unterstelle, Mundart sei dem normierten Schriftdeutsch unterlegen.

Bei allen Argumenten für das Zulassen von Mundart in der Schule sei selbstverständlich eingeräumt: Möglichst fehlerfreies Deutsch muss das wichtigere Unterrichtsziel bleiben. Allerdings sollte die Mundart – zumindest in manchen Stunden – zugelassen und gefördert werden.

Heute ist Martins- oder Martinitag. Viele Christen begannen einst nach diesem Tag ihr 40-tägiges Fasten vor dem Weihnachtsfest. Davor durften sie noch einmal richtig schlemmen. (Vermutlich wurde deshalb auch der Beginn des rheinischen Karnevals für dieses Datum festgelegt.) Außerdem war der 11.11. der „Zinstag“, an dem Grundherren die Zahlung des Zehents erwarteten.

 

Diese Vorläufer der Steuern wurden von den Untertanen vorzugsweise in Naturalien bezahlt, oft mit Gänsen, wodurch man es sich ersparte, allzu viele Tiere im Winter durchfüttern zu müssen. Somit war bei den Herrschaften auch schon das Festessen für den Vorabend der Fastenzeit gesichert: Am Festtag des Heiligen Martin kam das Martinigansl auf den Tisch. Kinder ehren mit ihren Laternenumzügen den asketischen Bischof Martin von Tours aus dem 4. Jahrhundert, ein Vorbild an Selbstlosigkeit und Mitgefühl. Mit ihm kehren wir zum Ausgangsthema Mundart zurück.

Für fast alle Vornamen in einer Schulklasse fanden sich beliebte Kurzformen: Flo, Pepi, Peterl, Christl, Poldl... Ausnahme: Martin.

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Artikel Klaus Huber 11. November 2010 - 00:04 Uhr
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