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Verlockung der ewigen Jugend

Die musikalische Welt des Vorarlbergers Aaron Roterfeld ist düster. „Great New Life“ heißt die Single seines neuen Albums, mit der das Twilight-Magazin „Vampire Chronicles“ sein Erscheinen bewirbt. 12.000 Mal ist die Kampagne gemeinsam mit dem offiziellen Film-Trailer der Vampir-Saga in internationalen Kinos und im TV ausgestrahlt worden.

Aaron Roterfeld Bild: www.roterfeld.com

Zeit für entspannte Gespräche hast du in der letzten Zeit bestimmt kaum gehabt. Bist du sehr gestresst im Moment oder hat sich der Druck gelegt, seit „Breaking Dawn – Part 1“ Ende November in den Kinos angelaufen ist?

Roterfeld: Bei mir herrscht der After-Tour-Blues. Das ist eine besondere Form von Langeweile, auf die man sich eigentlich die ganze Zeit freut, während man grad tourt, die sich dann nachher aber viel langweiliger anfühlt, als einem das lieb ist (lacht).

Bist du selbst dem Vampir-Hype verfallen?

Roterfeld: Definitiv. Ich glaube, dass der Vampirmythos viele Dinge in sich vereint, die der Mensch wahnsinnig anziehend findet. Da geht es um ewige Jugend und übermenschliche Fähigkeiten und Kräfte. Insofern wäre es ja keine schlechte Option, wenn man so einen Biss in Aussicht hätte.

Ewig zu jagen ist also etwas Erstrebenswertes?

Roterfeld: Es gibt ja zwei verschiedene Arten von Vampirbissen. Bei dem einen ist man danach blutleer und tot. Beim anderen nachtaktiv, fliegend und ewig jung. Bei Letzterem würde ich nicht lange überlegen. Über die Nachteile des Vampirlebens kann man in der Unendlichkeit seines Daseins dann genug nachdenken.

Das ist ja sehr morbid. Zieht dich das an? Den Eindruck habe ich auch bei der Video-Beschreibung zu „Great New Life“ bekommen. Dein Song ist in der Trailer-Kampagne des Twilight-Magazins „Vampire Chronicles“ zu „Breaking Dawn“ international in Kinos und im Fernsehen gelaufen.

Roterfeld: „Gedreht in einem alten, stillgelegten Sanatorium, wo wir noch die Schreie der ehemals Gequälten in den Kellergewölben hören konnten.“ Gut, so formuliert klingt das natürlich relativ unsexy. Dieses Gebäude gut 20 Kilometer außerhalb von Graz, in dem wir das Video gedreht haben, war aber wirklich sehr grauslig. Mehrstöckige Keller, teilweise eingerichtet, dem Verfall preisgegeben. Wer durch diese Gemäuer läuft, dem kommt das kalte Gruseln.

Warum passt gerade „Great New Life“ so gut zur Vampir-Saga von Stephenie Meyer, dass ein Fan-Magazin sein Erscheinen in den Trailern bewirbt?

Roterfeld: Ich habe „Great New Life“ 2009 geschrieben, lange bevor die Bücher derart bekannt wurden. Es war spät nachts, ich war nicht gut drauf und wollte aus meinem Leben ausbrechen. Da ist dann dieser Song aus dem Gedanken heraus entstanden, dass es doch möglich sein müsste, ein neues, besseres Leben anzufangen. Wie schwierig es ist, selbst kleine Veränderungen umzusetzen, das kennt ein jeder. Für alle, die sich schon aus eigener Kraft auf den Weg gemacht haben, mag der Song ein bisschen moralische Unterstützung sein. Es geht darum, von einem Leben in ein verändertes Leben zu wechseln. Deswegen harmoniert der Song so gut mit der Geschichte um Bella Swan, ihre Verwandlung und ihre Liebe zu einem Vampir.

12.000 Mal lief die Trailerstrecke mit deiner Musik in Kino und TV international. Beeindruckt?

Roterfeld: Ja, gigantisch.

Wie ist es zugegangen, dass genau du eine Band wie „Muse“, die die vergangene Kampagne vertont haben, abgelöst hast?

Roterfeld: Der Song läuft in Deutschland schon im Radio, weil er schon Monate im Vorfeld gleichzeitig mit dem Promotion-Start veröffentlicht worden ist. Die Verantwortlichen für das Twilight-Magazin haben ihn gehört und wollten ihn unbedingt haben. Wir konnten dann auch noch ein Poster raushandeln. Jetzt bin ich als einziger Künstler auf einem Poster im Magazin. ,Unglücklicherweise‘ auf der Rückseite von Robert Pattinson und Kristen Steward. Ich nehme an, ich hänge überall mit dem Kopf zur Wand.

Du bezeichnest deine Musik als Dark-Rock. Wie definierst du deinen Stil?

Roterfeld: Rock mit vereinzelten Pop-Elementen. Roterfeld hat immer einen Fuß beim Pop und beim Sex unserer Zeit. Es ist nicht so, dass Roterfeld nur im Düsteren herumgrummelt, sondern eben diese Brücke darstellt zwischen hell und dunkel, der Welt, in der wir leben und der Dunkelheit, die wir manchmal in Landschaften oder in coolen Filmen entdecken.

Diese Furchtlosigkeit verfolgt dich schon seit deiner Kindheit. Schon als kleiner Bub bist du gern in der Nacht im dunklen Wald gewesen. Wovor hast du Angst, wenn du die Dunkelheit, Vampire und den Tod nicht fürchtest?

Roterfeld: Ganz so ist es nicht. In meiner Jugend hat es eine Zeit gegeben, in der es mir Angst gemacht hat, in der Dunkelheit im Wald zu sein. Ich habe genauso Angst vor Werwölfen gehabt wie viele andere, die zu früh eine Werwolfgeschichte gehört haben (lacht). Ich glaube, mein Umgang damit war anders als bei anderen. Ich habe mich so lange mit meiner Angst konfrontiert, bis sie deutlich geschrumpft ist. Angst vor Wäldern oder Dingen dieser Art habe ich aber nie gehabt, das stimmt schon.

Was ist dann also deine größte Angst?

Roterfeld: Die Angst, im entscheidenden Moment zu versagen. Egal, worum es geht. Und ich habe ein bisschen Angst, von Frauen zurückgewiesen zu werden.

Mit 16 hast du zwei Monate in Japan geputzt, um Karate zu lernen, mit 17 bist du ein halbes Jahr durch Afrika gereist. Wie bringt ein Jugendlicher seine Eltern dazu, dem zuzustimmen?

Roterfeld: Meine Eltern wussten, sie würden mich nie aufhalten können. Sie waren in keinster Weise erfreut darüber. Auch nicht, als ich mit Karte und Kompass durch Afrika gereist bin. Es ist so bei mir: Lieber von einem Löwen gefressen als von einem Kleinstadtbus überfahren zu werden. Das ist gefährlich? Vielleicht ein wenig. Aber wer Ecstasy nimmt, riskiert weitaus mehr, als ich in Japan und Afrika je riskiert habe.

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Artikel Eva Allerstorfer 16. Dezember 2011 - 00:04 Uhr
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