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Sir Paul hat kräftig aus dem Jungbrunnen gesoffen

Paul McCartney: Am Mittwoch gab der fantastisch disponierte Superstar das erste von zwei Gastspielen in der Wiener Stadthalle.

Bild: APA

„Wir spielen heute Abend ein paar alte Songs, einige neue Songs und ein paar dazwischen“, sagte Paul McCartney am Mittwochabend zu Beginn des ersten von zwei Konzerten in der mit 11.000 Besuchern restlos ausverkauften Wiener Stadthalle. Ein größeres Understatement ist nicht möglich. Denn die Lieder, von denen der 76-Jährige sprach, sind quasi alle unsterbliche Klassiker, die aus dem Kanon der modernen Popmusik nicht mehr wegzudenken sind. In 100 Jahren werden Hörer mit der gleichen Ehrfurcht über „Let It Be“, „Eleanor Rigby“ und „Hey Jude“ sprechen, mit der wir Mozarts „Kleiner Nachtmusik“ oder Wagners „Walkürenritt“ begegnen.

In der Gegenwart bewies Paul McCartney unterdessen, dass er auch in seiner achten Dekade eine wahre Urgewalt ist. Offenbar hat der Ex-Beatle mit dem Lausbuben-Charme kräftig aus dem Jungbrunnen gesoffen. Auch wenn die Stimme stellenweise, speziell gegen Ende hin, nicht mehr ganz so kraftvoll tönte wie früher. Ein fast dreistündiges Konzert mit insgesamt 38 Songs zu spielen – da stoßen selbst Musiker im Alter von Sir Pauls Enkerln an ihre Grenzen. „Rüstig, Hilfsausdruck“ würde Wolf Haas kommentieren.

Das Programm für die selbstironisch betitelte „Freshen Up“-Tournee hat McCartney geschickt zusammengestellt. Kaum einer der essenziellen Beatles-Hadern fehlte in der Stadthalle, dazu gesellten sich unbekanntere Songs der „Fab Four“ (großartig: „I’ve Got A Feeling“), die größten Hits seiner sträflich unterschätzten Zweitband Wings, abgerundet von neueren Solo-Stücken wie „Come On To Me“ und „Fuh You“, die sich geschmeidig einfügten. Mit der The-Quarrymen-Nummer „In Spite Of All The Danger“ ging’s sogar kurz zurück in die Zeit noch vor den Beatles.

Kompakt und schnörkellos

Unterstützt von Keyboarder Paul Wickens, den Gitarristen Rusty Anderson und Brian Ray sowie dem exzellenten Schlagzeuger Abe Laboriel Jr. spielte sich McCartney vom Auftakt „A Hard Day’s Night“ an kompakt, schnörkellos und gut gelaunt durch das Set, während auf der Video-Leinwand historische Aufnahmen der Beatles flimmerten und nostalgische Gefühle aufkeimen ließen.

Gänsehaut machte sich an etlichen Stellen bemerkbar. So etwa bei einer furiosen, herrlich krachenden Darbietung von „Let Me Roll It“, die zum Schluss hin langsam in Jimi Hendrix’ „Foxy Lady“ transformierte. Zugeschnürte Kehlen gab’s dann bei seelenvollen Versionen von „Maybe I’m Amazed“, „I’ve Just Seen A Face“ und dem Spezi John Lennon gewidmeten „Here Today“. Letzteres sang McCartney, ebenso wie „Blackbird“ davor, ganz allein zur Akustischen auf einer Empore hoch über den Köpfen der altersmäßig bunt durchmischten Fans. Und wer sogar noch vor den Zugaben Songs der höchsten Güteklasse von „Band On The Run“, „Back In The U.S.S.R.“ und „ Let It Be“ im Talon hat, dem sei sogar der grausame Schunkler „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ verziehen.

Fazit: Ein dreistündiger Streifzug durch die Musikgeschichte mit einer bestens aufgelegten Pop-Legende – was will man mehr?

Konzert: Paul McCartney, „Freshen Up“-Tour, Wiener Stadthalle, 5. 12.

 

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Artikel Lukas Luger 06. Dezember 2018 - 14:07 Uhr
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