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Schmutzige Geschäfte mit dem Bio-Schmäh

"Happy Planet" des Linzer Autors Thomas Baum uraufgeführt.

Schmutzige Geschäfte mit dem Bio-Schmäh

Zündstoff: Felix Rank, Lisa Fuchs (vorne), Sven Sörring (re.), Judith Richter und David Fuchs (oben) Bild: Herzenberger

Eine Menge Themen packt der Linzer Autor Thomas Baum in sein neuestes Stück "Happy Planet", viel an komplexer Materie will er vermitteln, dazu Kritik an kapitalvermehrenden, gewinnorientierten und menschenverachtenden Konzern-Machenschaften und dem Raubbau an unserem Planeten – und zwischendrin soll es auch noch menscheln. Dabei bleiben die Stück-Figuren aber oberflächliche Schablonen. Alle befinden sich irgendwie im Ausnahmezustand, sind überdreht, agieren wie auf irgendeinem dubiosen Trip – und wir wissen nicht, warum sie so geworden sind.

Ernsthafte und komplizierte Thematik mit dem theatertauglichen Mittel der Farce vermitteln zu wollen, ist grundsätzlich edel und gut, aber diesfalls nicht sehr hilfreich geglückt. Denn es ist ein Zwitterstück geworden, das auch beim Lesen einerseits packt und fesselt, andrerseits aber nervt das auf intellektuell getrimmte Geschwafel oder die manchmal bemüht wirkende Schlagfertigkeit der Akteure. Regisseurin Heidelinde Leutgöb kann der Stückvorlage auch keine klare und eindeutige Form geben, ihre Inszenierung schwankt ebenso unentschieden zwischen Ernsthaftigkeit und Groteske. Und so ergeht es auch dem Publikum: Lachen wir über das Grauen? Graut uns vor der Wirklichkeit? Sollen wir überhaupt lachen – oder ist es doch ernst gemeint?

Keine homogene Leistung

Auch das Schauspielteam zeigt keine homogene Leistung: Lisa Fuchs als Mia ist dem Stück entsprechende Studentin mit Hang zum manisch-depressiven Überschnappen – und unterstreicht das zu oft mit quälend schriller Stimme. Konrad macht auf intellektuell, ist aber ein opportunistischer Egomane – darstellerisch bleibt Felix Rank im überschaubaren Bereich. Judith Richter als Konzern-Chefin Laura ist eine toughe Lady im adretten Business-Look (Kostüme von Cornelia Kraske) mit miesen Manieren.

Sven Sorring überzeugt als Wachorgan, dem das Zuhauen näher liegt als das Nachdenken. Dass er sich als softer Gitarrist und Sänger präsentieren darf, ist aus dem Rollenbild heraus irritierend, macht aber Vergnügen, weil er das einfach gut kann. Verlässlich wie immer in seiner komödiantischen Präsenz ist Matthias Hack. In einer grandios aufbereiteten Folterszene spielt sich das humorvolle Video von Erik Etschel in den Vordergrund, der mit den Werbefilmen für die Firma "Happy Planet", die mit dem Bio-Schmäh schmutzige Geschäfte macht, auch PR-Sprache vom Feinsten zeigt!

David Fuchs als hyperaktiver Generaldirektor kann kein Wort sagen, ohne dazu irgendeine Hand-, Fuß- oder Körperbewegung zu machen – das hat Spaßpotenzial, passt aber nicht immer. Johannes Steininger füllt den Raum mit bedrohlich brummenden Soundflächen. Das Bühnenbild von Kunstuni-Student Moritz Oliver Benatzky trifft die Sache recht gut: eine große, variable Skulptur, die den Zerfall von "Happy Planet" in jeder Hinsicht symbolisiert – der passiert nach eineinhalb Stunden.

Theater: "Happy Planet" von Thomas Baum, Linzer Theater Phönix am 8. 5.

OÖN Bewertung:

 

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Artikel Silvia Nagl 10. Mai 2014 - 00:04 Uhr
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