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Richard Wagner zwischen Rosenresli und Geier-Wally

Wiener Staatsoper: Premiere von "Lohengrin" in der heftig ausgebuhten Inszenierung von Andreas Homoki.

Richard Wagner zwischen Rosenresli und Geier-Wally

Wolfgang Koch überzeugte gesanglich und darstellerisch als "Friedrich von Telramund, brabantischer Graf". Bild: APA

Die Premiere von Wagners Lohengrin fiel am Samstag in der Wiener Staatsoper ziemlich gemischt aus. Sowohl das Regiekonzept als auch das Sängerensemble entsprachen nicht den Erwartungen des Publikums, das nicht mit der Idee der Verkleinerung des Sujets und der Verlagerung in ein schweizerisches Bergdorf einverstanden war.

Allerdings war das, was Andreas Homoki hinter seine – zugegeben – sehr eigenwillige Lohengrin-Bilderwelt stellte, durchaus interessant und hat dem ohnehin fragwürdigen Märchenstoff so manch Realpolitisches und Revolutionäres abgewinnen können. Nicht die Schwanenritter-Geschichte steht im Mittelpunkt, sondern der historische Aspekt.

Telramund und Ortrud müssen als Nachfahren des entmachteten Geschlechts des Friesenfürsten Radbod zusehen, wie die neuen Herrscher Brabant komplett auf den Kopf stellen und vor allem einen neuen Glauben – das Christentum – einführen. Sie sehen im frühen Tod des Herzogs die Chance, durch Intrige und Zauber – Ortrud verwandelt ja den rechtmäßigen Erben in einen Schwan – die Macht zurückzugewinnen.

Also Tradition gegen Fortschritt, absolute Macht gegen Revolution – perfekt passend zur Entstehungszeit um das Revolutionsjahr 1848. Trotz aller Rosenresli- und Geier-Wally-Stimmung und der nicht immer logisch mit dem Text korrespondierenden Situationen – kein Kantonsfürst würde die Bauernschaft des Dorfes mit "Edlen von Brabant" ansprechen – hat die Verkleinerung ihre Berechtigung.

Aberglaube und Furcht

Denn nirgendwo anders als in der bergbäuerlichen Welt des ausgehenden 19. Jahrhunderts wurde Tradition derart konservativ in die Höhe gehalten, nirgendwo sind Aberglaube und zugleich Furcht vor Veränderung derart stark.

Dennoch funktioniert die Transformation zum Volkstheater, zum Bauernschwank einfach nicht. Aber auch musikalisch ließ der Abend viele Fragen offen. Mikko Franck ist ein Dirigent der Extreme, der die Dynamik doch sehr ohrenbetäubend nach oben schraubt.

Nicht jeder der Männerchöre, die wie der Gesamtchor blendend einstudiert waren, müssen einem vokalen Gewaltakt gleichkommen, nicht jedes Fortissimo muss den Raum sprengen.

Optimal war bei den Sängern nur Klaus Florian Vogt, der als Sinnbild des jugendlichen Heldentenors mit schlanker Stimme, unglaublich präziser Diktion und einer höchst vielfältigen Farbpalette die Anforderungen des Lohengrin gemeistert hat. Großartig auch Wolfgang Koch als erbittert um seine Pfründe kämpfender Telramund.

Seine Ortrud Michaela Martens war bei ihrem Staatsoperndebüt etwas unausgeglichen, aber großteils beeindruckend. So auch Günther Groissböck, der als Heinrich von der Regie zu wenig Profil bekam. Auch Camilla Nylund war als Elsa an diesem Abend nicht ganz optimal. Detlef Roth machte seine Sache nicht schlecht, nur fehlte dem Debütanten die große Stimme für den Heerrufer. Die Buhs dafür waren allerdings nicht fair.

 

"Lohengrin", Oper von Richard Wagner, Wiener Staatsoper, Premiere: 12. 4.

OÖN Bewertung:

 

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Artikel Michael Wruss 14. April 2014 - 00:04 Uhr
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