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Riccardo Muti adelte Neujahrskonzert mit Noblesse und Dolce Vita

WIEN. La Dolce Vita, das süße Leben, das ist für einen Italiener eine ernste und eine Ehrensache. Und für einen Italiener mit der Umsicht, der Noblesse und der Erfahrung von Riccardo Muti auch eine musikalische Neujahrswürde.

Riccardo Muti Bild: (APA/HANS PUNZ)

Sein bereits fünftes Neujahrskonzert im Wiener Musikverein hat der 76-jährige Muti heute, Montag, mit jener edlen Süße versehen, die Italianita und Wiener Walzerseligkeit eint.

Noch nie war Mutis Heimat Italien im Neujahrsprogramm so üppig präsent wie heuer: Unter den gleich sieben erstmals programmierten Stücken finden sich Huldigungen an italienische Meister, wie Johann Strauß Vaters "Wilhelm-Tell-Galopp" mit dem bekannten Motiv Rossinis oder seines Sohnes Quadrille "Un ballo in maschera", das die Musik der gleichnamigen Verdi-Oper dem Wiener Publikum im Jahr 1862 und damit noch vor der ersten Aufführung der Oper in Wien bekannt machte. Aber auch die "Rosen aus dem Süden" sind die Klangwerdung einer zutiefst Wienerischen Italien-Sehnsucht und Seelenverwandtschaft.

Dieser innigen Verbundenheit der schmeichelnden Wiener Strauß-Musik und der schwungvollen Italianita, der gegenseitigen Bewunderung und Inspiration, den gemeinsamen großen Gefühlen hinter der scheinbaren Leichtigkeit der Melodien spürt Muti mit gewohnter Ernsthaftigkeit, wohldosierter Dynamik und jener selbstverständlichen Eleganz im Detail nach, die ihn seit fast fünf Jahrzehnten zu einem erklärten Liebling der Philharmoniker macht. Sein letzter Neujahrseinsatz ist lange 14 Jahre her, dass es sein letzter sein wird, hat der Maestro inzwischen selbst infrage gestellt.

Altersmilde ist dem gestrengen Muti nicht anzumerken, dafür aber eine großmütige Neujahrslaune, die Schwärmerei erlaubt und Melodrama mit kleiner Geste und großem Effekt konstruiert. Das erste Meisterstück liefert man schon mit dem zweiten Streich des Konzertes, Josef Strauß' "Wiener Fresken", von schillerndem Farbenspiel, keuschen Ritardandi und herausragenden Soli durchzogen. Das 50-Millionen-Publikum, das dem vom ORF via 14 Kameras aufgezeichneten und von TV-Sendern in 95 Ländern übertragenen Fernsehereignis beiwohnt, rang den einzelnen Philharmonikern auch heuer keine hörbare Nervosität ab.

Vier Uraufführungen

Gleich vier Kompositionen des Programms feiern in dem an Jubiläen reichen Jahr 2018 den 150-jährigen Jahrestag ihrer Uraufführung, das prominenteste unter ihnen der große Konzertwalzer "G'schichten aus dem Wienerwald", dessen Zither-Solistin Barbara Laister-Ebner auf Wunsch Mutis im Dirndl auftrat. Den 100-jährigen Gedenktagen an die Wiener Moderne - mit den Todestagen von Klimt, Schiele, Moser und Wagner 1918 - war der ORF-Pausenfilm von Georg Riha als Streifzug durch die Architektur und Kunst der Ära gewidmet. Das Wiener Staatsballett tanzte heuer Choreografien von Davide Bombana in Otto Wagners Hietzinger Hofpavillon - zur "Stephanie-Gavotte" des erstmals im Programm vertretenen K.u.K.-Militärkapellmeisters Alphons Czibulka - sowie im niederösterreichischen Schloss Eckartsau zu "Rosen aus dem Süden".

Muti mag kein Walzertänzer sein, wie er im Vorfeld des Konzerts betonte, aber sowohl diese "Rosen" als auch die Neujahrshymne "An der schönen blauen Donau" weiß er sinnlich auszukosten und dabei in ihrer musikalischen Architektur ernst zu nehmen wie wenige andere. Wie die Wiener Musik zu interpretieren ist, hätten ihm in der langen Verbundenheit nicht zuletzt die Wiener Philharmoniker selbst beigebracht, sagte er einmal - was auf ein tiefes Verständnis der Zusammenarbeit mit diesem Orchester hinweist.

Ob den Philharmonikern das gleiche Kunststück mit dem Debütanten des nächsten Neujahrskonzerts, Christian Thielemann, gelungen ist, das wird der 1. Jänner 2019 zeigen.

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Artikel nachrichten.at/apa 01. Januar 2018 - 14:01 Uhr
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