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Reinhard Mey: Das Herz führt auch dorthin, wo es weh tut

Beim Versuch, hinter die Fassaden, in die Menschen hineinzusehen, hat Reinhard Mey immer das Leben gefunden. Sein heute erscheinendes 25. Album „Mairegen“ setzt diesen Weg konsequent fort.

Das Herz führt auch dorthin, wo es weh tut

»Die Garderobe im Brucknerhaus kenne ich so gut wie mein Arbeitszimmer. Ich kann sie mit geschlossenen Augen beschreiben.« Bild: OON

Viel gelernt hat er im Leben, singt der 67-jährige Berliner in „Gegen den Wind“, einem Plädoyer für die Querdenker und Freigeister. Nur Menschen, die funktionieren, kann man verbiegen und verdrehen, stellt er in aller Ruhe fest. Eine eindeutige, unmissverständliche Botschaft.

Reinhard Mey hat sich dem Mechanismus des Funktionierens immer erfolgreich entzogen. Er ist ein blendender Beobachter, ein amüsierter Betrachter vermeintlicher Alltäglichkeiten, ein feinsinniger Kritiker gesellschaftlicher Irrwege und ein Mensch, der sein Herz auf der Zunge trägt. Dieses Herz, das seit mehr als einem Jahr schmerzt.

Die Sorge um seinen jüngsten Sohn, der als Folge einer Lungenentzündung im Wachkoma liegt, verlangt von Mey alle Kraft, die er hat. Diese Sorge konnte er im Schreiben der neuen Lieder nicht ausblenden. Er wollte es nicht.

In „Ficus Benjamini“ atmet der Hörer förmlich die Krankenhausluft, spürt die Trostlosigkeit und Ungewissheit derer, die hilflos zusehen müssen. Aber mittendrin kämpft die Hoffnung um ihren Platz.

In „Drachenblut“ singt Mey von der Entschlossenheit, seinen Sohn in die Welt zurück zu lieben, weiß aber, dass er sein „Licht an beiden Seiten angezündet“ hat. „Ich bleib bei dir, ich setze mich an deiner Seite nieder.“ Ehrlicher kann man nicht sein.

„Mairegen“ ist in diesen Momenten extrem berührend, schöpft aber nicht nur aus der Nachdenklichkeit seine Wirkung. Wenn sich Mey an die Wichtigkeit all der ersten Male erinnert, huscht ein Lächeln über das Gesicht des Zuhörenden. Und in „Rotten Radish Skiffle Guys“ macht er deutlich, dass die unbekümmerte Zeit des Anfangs immer noch in seinen Gedanken lebendig ist. „Die Musik war einfach, die Musik war gut, du brauchtest nur drei Griffe, einen Traum und Mut.“ So nebenbei standen die Mädchen auf die jungen Musiker. Das war besonders wichtig.

Dass junge Menschen heute in Castingshows nicht gefördert, sondern vorgeführt werden, tut Mey deshalb weh. In „Larissas Traum“ macht er diesem Ärger Luft. „Sie war der Superstar, beneidet und hofiert, und heut Abend demoliert und aussortiert.“

Mey hat viel vom Leben gesehen. Er sieht immer noch Neues, weil er seine Augen nicht verschließt. Seine Stimme ist wichtig. Am Ende singt er mit Konstantin Wecker „wo alle loben, habt Bedenken, wo alle spotten, spottet nicht, wo alle geizen, wagt zu schenken, wo alles dunkel ist, macht Licht.“ Ein Nicken und stiller Applaus.

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Artikel Von Reinhold Gruber 07. Mai 2010 - 00:04 Uhr
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