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Paul Zauners Jazz-Hof ist einfach ein guter Ort

33. INNtöne Jazzfestival: 3500 Besucher machten die Innviertler Gemeinde Diersbach zur österreichischen Musik-Metropole.

Shabaka Hutchings, Bandleader von „Sons of Kemet“ Bild: VOLKER WEIHBOLD

Der Innviertler Wettergott ist Jazz-Fan. Am Donnerstag hatte es noch geregnet, der Freitag war aber trocken, und als um 19 Uhr das dreitägige Jazz-Festival INNtöne vom Saxofonisten Bobby Watson stilgerecht angeblasen wurde, lagen Paul Zauners Biohof und sein sanfthügeliges Umfeld im freundlichen Licht der Diersbacher Abendsonne. Die Konzerte finden zwar in der wetterfesten Scheune statt (mit hübschen Nebenschauplätzen im ehemaligen Pferde- und Schweinestall), aber der atmosphärische Charme der INNtöne hängt doch auch ein wenig von der Witterung ab. Insbesondere am Samstag und Sonntag sprengt die Zahl der Musikbegeisterten das Fassungsvermögen der Scheune. David Murray oder dem Frühschoppenprogramm "Funky Lemons Big Band feat. Dorretta Carter" hört man aber auch mit Vergnügen zu, wenn man sich auf der grünen Wiese räkelt. Das Publikum der INNTöne kommt nicht nur aus der näheren Umgebung. Die vielen Kfz-Taferl aus Bayern sind unübersehbar, dort und da findet man auch ein tschechisches oder ungarisches. Viele Gäste übernachten im mitgebrachten Zelt oder im Auto.

Seit mehr als 30 Jahren veranstaltet Posaunist, Musikproduzent und Biobauer Paul Zauner im Innviertel Jazz-Festivals, seit 2002 auf seinem Bauernhof mit der idyllischen Adresse Froschau 4. Bei der Programmgestaltung sind Zauners internationale Vernetzung und seine Freundschaft mit vielen Jazz-Größen hilfreich, denn reich werden die Musiker bei solchen Festivals nicht.

Zu Paul kommt man vor allem, weil sein Hof ein guter Ort ist, ein Ort der Begegnungen, des Genießens, der Harmonie von Natur und Kultur. Konrad (50) und Melanie (45) reisen aus dem salzburgischen Hallein an, nicht zum ersten und sicher nicht zum letzten Mal. Sie sind erfahrene Festival-Kenner und schätzen – abgesehen vom großartigen Programm – bei den INNTönen vor allem "das Urige", die "Einfachheit", die sie den durchgestylten Festivals vorziehen.

Ähnlich sehen das Anita (51) und Tom (48) aus Linz, die zum sechsten Mal dabei sind. "Hier braucht man keine Security, und Bier und Wein kannst du aus richtigen Gläsern trinken. Wo gibt es das noch?", sagt Tom. Anita schwärmt von der Offenheit und Achtsamkeit der Festivalbesucher.

"Supa, dass’s des gibt"

Dass Paul Zauner bei der Programmgestaltung bewusst die Breite und Fülle des Jazz berücksichtigt, gefällt den Gästen. Er ordnet die vielen Richtungen fünf Farbkategorien zu und achtet auf gute Durchmischung: Rot (eher "Hitziges" wie Soul), Blau (Blues & Co.), Grün (Weltmusik), Gelb (moderner Mainstream), Lila ("bunte Hunde"). Ö1 begleitet aus gutem Grund das gesamte Festival mit Aufnahmewagen und Clubmobil.

Ohne die vielen freiwilligen Hilfskräfte bliebe aber das klügste und schönste Konzertprogramm nur reine Idee. Ein wesentlicher Faktor des Gelingens ist die große Akzeptanz des Festivals bei den Diersbachern. Von der Organisation des Parkplatzes über Aufbau- und Reinigungsarbeiten bis hin zur hervorragenden Gastronomie reicht die Palette der unentbehrlichen Dienstleistungen. Einer der Helfer ist der 16-jährige Schlosserlehrling Tobias, dessen Mama die Festivalküche schaukelt. Hilft er mit, weil er Jazz-Fan ist? "Na, mei’ Musi is’ des net a so, aber es is’ scho supa, dass’s des gibt."

Lesen Sie dazu auch: "Wenn junge Löwen mit alten Haudegen musizieren" – Jazz-Genuss in Diersbach: erstklassige Musiker und beeindruckende Konzerte von Bebop bis Elektronik

 

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Artikel Christian Schacherreiter (Text) und Volker Weihbold (Fotos) 22. Mai 2018 - 00:04 Uhr
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