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"Nicht als deine Frau, sondern immer als mein eigener Mensch"

Maxi Blaha in der Rolle von Gustav Klimts Lebensfreundin Emilie Flöge in der Villa Paulick.

"Nicht als deine Frau, sondern immer als mein eigener Mensch"

Maxi Blaha in Seewalchen als Emilie Flöge Bild: pg

Es ist eine selbstbewusste Unternehmerin der vorvergangenen Jahrhundertwende, die Schauspielerin Maxi Blaha am Samstag in den Salon der Villa Paulick in Seewalchen gestellt hat. Keine Spur von der behübschenden Urlaubsbegleitung des Malerei-Superstars Gustav Klimt, als die sie in die Geschichte eingegangen ist. Sondern die späte Reklamation, dass er sich vor allem selbst ausstellte, auch wenn er sie – Emilie Flöge – malte.

Einen großen Teil des schriftlichen Nachlasses von Klimt hat Flöge verbrannt. Wie intensiv muss sich der 1918 im Alter von 55 Jahren verstorbene Jugendstil-Künstlers seiner Lebensfreundin insgesamt mitgeteilt haben – allein für die Ausstellung "Klimt persönlich" waren 2012 noch 400 von Klimt geschriebene Postkarten im Wiener Leopold Museum zusammengetragen worden.

Letzte Sommerfrische 1916

Die Sommer verlebten die beiden zusammen am Attersee. Unerotisch, weil Flöge an Männern kaum Interesse hatte, aber inspirierend. Als gesichert gilt, dass die letzte gemeinsame Sommerfrische vor genau 100 Jahren stattfand – und die beiden mehrfach zu Gast in der mondänen Villa Paulick waren. Um dieses Jubiläum zu veredeln, hat die Klimt-Foundation als Betreiber des Klimt-Zentrums in Kammer/Schörfling bei Autorin Clara Gallistl einen Monolog in Auftrag gegeben, der die Modeschöpferin, die in Wien 80 Näherinnen beschäftigte, zu Wort kommen lässt – stilecht in einem von Flöge erfundenen Reformkleid, neu interpretiert vom Innviertler Designer Jürgen Christian Hoerl.

Flöge wähnte sich, so lässt Gallistl Blaha sagen, als "Botschafterin eines Gesamtkunstwerks aus Stoffen und Farben". Als würde sie lange nach dessen Tod die Zwiesprache mit Klimt suchen, strengt sie sich an, Mode wie die Malerei als Kunst zu verankern. Er sei ihr Bruder, Lehrer, Schüler, Geliebter gewesen. Und Muse – wider das damals Übliche, weil in der Kunstwelt des beginnenden 20. Jahrhunderts die Frau dazu verdonnert war, Männer zu großer Kunst zu inspirieren. Musen und Mütter – zu mehr hätten sie nicht genügt. Sie bloß an seiner Seite, aber "nicht als deine Frau, sondern immer als mein eigener Mensch".

Gallistls Text ist Befreiung und Neueinordnung von Flöge, die sich aus dem Familienstand "herausgeschneidert" habe. Hätte sie sich nur zu Lebzeiten der Schönheit von wienerischen Wutausbrüchen hingegeben. Vielleicht hat sie das auch – leider sind die Texte in Flammen aufgegangen.

Gustav-Klimt-Zentrum, Hauptstraße 30, Kammer/Schörfling. Öffnungszeiten: Mi–So, Feiertage 10–15 Uhr, Info: 0664/828 39 90, www.klimt-am-attersee.at

 

Villa Paulick

Villa Paulick

 

Erbaut: 1867/1877 von k.u.k. Hoftischlermeister Friedrich Paulick aus Wien. Prachtstück des Hauses am Seeufer in Seewalchen ist die vergoldete Neorenaissance-Kassettendecke, die bereits den Pavillon des Kaisers auf der Weltausstellung von 1873 geschmückt hatte.

Besitz: Gertrude Flöge, die 1971 verstorbene Enkelin von Friedrich Paulick und Tochter von Emilie Flöges Bruder Hermann, der mit Paulicks Tochter Therese verheiratet war, vermachte das Haus am Sterbebett der Welser Familie Messner. Sie führt und pflegt das prächtige Anwesen bis heute.

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Artikel Peter Grubmüller 05. September 2016 - 00:04 Uhr
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