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Musikalische Märchen als perfektes Schlechtwetterprogramm

Landhaus: LIVA-Serenade mit dem CrossNova Ensemble und märchenhaften Ein- und Ausblicken

Musikalische Märchen als perfektes Schlechtwetterprogramm

Das CrossNova Ensemble widmete sich der Märchenmusik. Bild: A9BB

Denkt man an die Kindheit zurück, so waren es Märchen, die vor zig Jahren das Schlechtwetterprogramm im ohnehin dünn gesäten Fernsehalltag dominierten. Zwar nicht dafür geplant, aber dazu geworden ist die LIVA-Serenade, die am letzten Dienstag im Landhaushof stattfinden hätte sollen und wetterbedingt in den Steinernen Saal verlegt werden musste. Das CrossNova Ensemble – Sabine Nova (Violine), Hubert Kerschbaumer (Klarinette), Leonard Eröd (Fagott) und Rainer Nova (Klavier) – widmete sich an diesem Abend drei großen Märchenmusiken, die sie für ihr Ensemble klanglich "schrumpften", ohne dabei an Substanz zu verlieren.

So arrangierte Leonard Eröd Humperdincks Märchenoper "Hänsel und Gretel", destillierte die gut eindreiviertel Stunden Musik auf etwas mehr als 15 Minuten und schaffte es dabei, dem "Wagner fürs Kinderzimmer" handwerklich auf die Spur zu kommen und eine dichte Partitur derart zu entschlacken, dass sie an Durchhörbarkeit gewann.

Zu einer Einheit verschmolzen

Nicht minder virtuos erstellte Rainer Nova eine Zwitterfassung von Ravels "Ma mère l’oye", die sowohl das pianistische Original als auch die höchst impressionistisch schillernde Orchesterversion zu einer Einheit zu verschmelzen schien. Auch hier gelang es, Kolorit und Emotion trotz einer grundlegend neuen Klanglichkeit am Leben zu erhalten und dabei tiefe Einblicke in ein genial erdachtes Werk zu bieten. Nach der Pause ging es ostwärts – sowohl was den Komponisten als auch was das Sujet anbelangt. Rimski-Korsakows "Scheherazade" lebt eigentlich vom Spiel der Klangfarben, vom Wechsel instrumentaler Kolorite und der gewaltigen Dynamik, die nur ein Riesenorchester aufbringen kann. Das auf vier Instrumente zu reduzieren, klingt zunächst wie "ich will, kann aber nicht".

Doch auch bei diesem schillernden Orchesterwerk ist es Leonard Eröd vorzüglich gelungen, die Substanz des Werkes zu erhalten und es durch das Offenlegen von sonst verborgenen Strukturen zu bereichern. Das bedeutet aber auch, dass die einzelnen Instrumentalisten durchaus gewaltige Aufgaben übertragen bekommen haben und dass diese Fassungen nicht unbedingt das häusliche Musizieren von kammermusikalisch bearbeiteten Symphonien im 18. und 19. Jahrhundert anpeilt, sondern rein spieltechnisch weit darüber hinausgeht.

Vielmehr wurden hier brillant neu gedachte Fassungen präsentiert, die das Zeug haben, dem Original durchaus ebenbürtig zu sein, wenn nicht sogar in ihrer Originalität den Rang abzulaufen.

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Artikel Michael Wruss 12. Juli 2018 - 00:04 Uhr
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