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Model ist kein Traumjob

Probieren geht über studieren. Die Schauspielerin Nina Hartmann agiert gerne aus dem Moment heraus. Jetzt hat die Tirolerin mit hohem Natürlichkeitsfaktor die Kabarettbühne als ihren Spielplatz entdeckt.

Model ist kein Traumjob

Mit Augenzwinkern und einer guten Portion Humor blickt Nina Hartmann in ihrem ersten Kabarettprogramm in die Model-Welt. Bild: privat

Ihr Debüt mit dem Titel „Gib dem Model Zucker“ könnte auch als One-Woman-Show bezeichnet werden, sagt sie. Die 28-Jährige will unterhalten und die Model-Welt, die sie kennengelernt hat, ein wenig vom Schein befreien. Mit Augenzwinkern und Humor.

Zuerst war bei Ihnen der Tanz, dann die Schauspielerei und jetzt das Kabarett. War das eine logische Entwicklung?

Hartmann: Ich habe nie vorgehabt, Kabarett zu machen, weil mein Hauptziel immer die Schauspielerei war. Um mir die Schauspiel-Ausbildung zu finanzieren, habe ich aber nebenbei immer gemodelt. Im Laufe der Zeit habe ich dabei viel Geschichten erlebt, die ich Freunden erzählt habe.

Wie haben die Freunde auf die Erzählungen reagiert?

Hartmann: Sie haben es oft nicht glauben wollen. Irgendwann habe ich mir dann gedacht, man müsste das Thema Modeln aus der anderen Sicht an die Öffentlichkeit bringen, also weg vom Klischee, Glamour und Glanz. Vor zwei Jahren habe ich dann damit begonnen, die Geschichten aufzuschreiben, habe eine Lesung gemacht, aber nie daran gedacht, dass das auf die Bühne kommen könnte. Es hat sich aber dann so entwickelt. Es ist also passiert, und jetzt stehe ich alleine auf der Bühne. Das ist schon sehr schräg, aber lässig.

Schauspiel verlangt die Bühne, also hat sich da ein Kreis geschlossen.

Hartmann: Im Theater habe ich nie viele Rollen bekommen, eher beim Film. Ich mag aber die Bühne gerne, dieses Live-Spielen vor Publikum. Weil ich nicht warten wollte, bis ich eine Rolle bekomme, habe ich gedacht, ich schreibe mir halt selbst etwas (lacht).

Hilfe zur Selbsthilfe also.

Hartmann: Ja. Das war auch ein wesentlicher Grund dafür, dass ich immer weitergemacht habe.

Hat das Ausbleiben von Theaterrollen den Wunsch nach der Bühne verstärkt?

Hartmann: Ich wollte immer beides, wollte drehen, aber auch auf der Bühne stehen. Das hat mir schon beim Schultheater und beim Tanzen gefallen, weil man unmittelbar Reaktionen erhält. Das hat man beim Film nicht. Ich glaube, es hängt damit zusammen, dass man das mehr will, wo man es schwerer hat.

Beim Titel „Gib dem Model Zucker“ habe ich sofort an den Film „Gib dem Affen Zucker“ mit Adriano Celentano gedacht. Spielte der Film aus den 1980er-Jahren bei der Titelwahl eine Rolle?

Hartmann: Ja. Zuerst war der Filmtitel da, und dann habe ich Affe durch Model ersetzt, wodurch sich viele Assoziationen zum Modelgeschäft ergeben haben. Das habe ich aber erst mit der Zeit festgestellt, dass in dem Titel auch Themen wie das Essen inkludiert sind.

Die Modelwelt mit ihren zerbrechlich dünnen Erscheinungen ist eine große Scheinwelt, in der Mädchen auch durch Casting-Shows suggeriert wird, dass nur die Dünnen zählen. Kann man in diesem Spannungsverhältnis wirklich glaubwürdig Kabarett machen?

Hartmann: Nachdem ich viel erlebt habe, vor allem mit dem Thema Essen, habe ich mir beim Schreiben oft gedacht, das könnte eine richtige Tragödie auch werden. Man kann es schlimm und heftig erzählen. Ich habe mich dann aber für die humoristische Variante entschieden, weil ich immer finde, dass mehr hängen bleibt, wenn man über etwas lachen kann, das einen ernsten Hintergrund hat. Ich möchte gerne die Leute über das Lachen dazu bringen, dass sie spüren, wie lächerlich das Ganze ist, was einem da vorgegaukelt wird. Bei mir geht es genau darum, dass ich zeige, dass es nicht so ist. Das Ideal, das sie dir da vormachen, gibt es nicht. Alle Fotos werden retuschiert. Die Bilder der Mädels, die du in Magazinen siehst, sind alle bearbeitet. So schaut keine aus. Das erkläre ich in meinem Programm, wie zum Beispiel die Speckschwarte von A nach B verschoben wird. Ich will damit das Klischee brechen. Model sein ist nicht so toll, wie es scheint.

Was war für Sie der Grund, als Model zu arbeiten?

Hartmann: Es war das Geld, ganz banal. Als Zwölfjährige habe ich bei mir im Ort zweimal im Jahr bei einer Modenschau mitgetan und ein Stofftier gekriegt. Das war total aufregend. Ich habe dann schnell realisiert, dass man damit auch Geld verdienen kann. Mit 14 Jahren habe ich mein Taschengeld durch ein paar Modenschauen aufgebessert, und später war es dann für mich ein Mittel zum Zweck. Ich wollte nie ein Topmodel werden. Als ich das erste Mal in dem Geschäft gearbeitet habe, war für mich schon klar, dass das kein Traumjob ist. Das hat es für mich einfacher gemacht.

In der Modelszene wie in unserer Gesellschaft überhaupt wird sehr viel auf die Optik reduziert. War das Kabarett für Sie auch ein Ventil, um zu zeigen, dass man gut aussehen und etwas im Kopf haben kann?

Hartmann: Das müssen die Leute beurteilen. Für mich stand im Vordergrund, ein Idealbild zu brechen. Ich stehe aber nicht auf der Bühne, um zu sagen: Schaut her, ich bin nicht dumm. Es gibt aber diesen Satz in meinem Programm, der da heißt „Don’t think, just be beautiful“. Ja nicht zu viel denken. Natürlich geht es darum, dass man als Model reduziert wird und sich am besten als Hülle zur Verfügung stellen soll.

Kann man diese Haltung auch im Filmgeschäft leben, die ja in gewisser Weise ebenfalls eine Scheinwelt ist?

Hartmann: Ich bin noch nicht in der Lage, mir meine Rollen aussuchen zu können. Es gilt für mich zu erreichen, dass ich irgendwann einmal die Filme nach ihrem Inhalt auswählen kann. Ich hoffe, dass ich es irgendwann einmal schaffe, sagen zu können: Die Rolle spiele ich, weil da gefällt mir die Geschichte und das Buch. Aber es gibt bei mir schon gewisse Sachen, die ich nicht mache.

Zum Beispiel?

Hartmann: Ich spiele in keiner Soap-Serie. Ich gebe mich sicher nicht für alles her.

Was ist der Unterschied zwischen Filmdreh und Bühne?

Hartmann: Beim Drehen musst du im Moment funktionieren, da hast du keine Vorgeschichte wie auf der Bühne, wo du eine Geschichte durchgehend erzählen kannst. Von null auf 100 in eine Situation hineinzukommen, ist das, was ich beim Drehen spannend finde.

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Artikel 17. September 2010 - 00:04 Uhr
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