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Mit Joseph Haydn für ein solidarisches Europa

Eröffnung der Musiktage Mondsee mit einem sehr symbolischen Haydn-Programm und einem beklemmenden „Stabat Mater“.

Mit Joseph Haydn für ein solidarisches Europa

Einfühlsame Interpretation von Boccherinis „Stabat mater“: Valda Wilson Bild: Musiktage / Willi Pleschberger

Mit einer Festfanfare von Josef Handl wurden in der Basilika Mondsee die Musiktage angeblasen. Programmatischer Schutzpatron der gesamten Veranstaltungsreihe ist in diesem Sommer Joseph Haydn. Das für die künstlerische Planung verantwortliche Auryn Quartett sieht ihn als Schöpfer einer europäischen Musiksprache, daher auch als Symbolgestalt für Verständigung und Solidarität.

Joseph Haydn war beim Eröffnungskonzert mit der "Missa brevis Sancti Joannis de Deo" vertreten, besser bekannt als "Kleine Orgelsolo-Messe". Mit dieser oft aufgeführten Messe bewies Haydn, dass bescheidene Mittel nicht zu weniger Qualität führen müssen. Er komponierte die Messe für die begrenzten Möglichkeiten des Ordens der Barmherzigen Brüder, die Instrumentalbesetzung umfasst nur zwei Violinen, Bass und Orgel. Gottfried Holzer-Graf leitete von der Orgel aus die gut disponierte Kantorei St. Michael Mondsee und Mitglieder des Auryn Quartetts. Die Sopranistin Valda Wilson sang das wunderbare Solo im "Benedictus".

Einen ganz anderen Akzent setzten zwei Kompositionen von Thomas Daniel Schlee. Das Werk "Choralvorspiele für Oboe und Orgel" irritiert die Zuhörer, weil lange keine Choralmelodie zu erkennen ist. Vielmehr treten Oboe (Marie-Luise Modersohn) und Orgel in einen spannungsreichen Dialog, als suchten sie mit- und gegeneinander ein Choralthema, bis sie am Ende in harmonischer Auflösung zueinander finden.

Großartig interpretierte Marie-Luise Modersohn "Aulodie et Jubilation für Oboe solo", Schlees Rückgriff auf die Klangfarben des Aulos, der antiken Oboe. Die teils idyllischen, teils bukolisch-heiteren Sequenzen entfalteten in der Akustik der Basilika eine außergewöhnliche Wirkung.

Zum Höhepunkt des Abends wurde Luigi Boccherinis "Stabat mater", ein Werk, das man nicht allzu oft hört. Umso erfreulicher, dass sich das Auryn-Quartett (erweitert durch Omar González, Kontrabass) und Valda Wilson um diese Kostbarkeit angenommen haben. Das Gedicht über das Leid Marias, die ihren Sohn am Kreuz sterben sieht, hat Boccherini in elf kompositorische Abschnitte gegliedert. Durch wechselnde Tempi, Ton- und Taktarten sowie durch melodische Differenzierungen vermittelt Boccherini eindringlich die Skala wechselnder Gefühle: Schmerz, Angst, Verzweiflung, Trauer, auch Hoffnung. Valda Wilsons einfühlsame Interpretation wurde dieser Komplexität gerecht.

Gedicht über das Leiden

Die Wirkung des "Stabat mater", in dem von Jammer, Qual, Angst und Tod gesungen wird, war besonders beklemmend an jenem Tag, an dem das Ausmaß der Flüchtlingstragödie im Burgenland bekannt wurde. Noch mehr als ursprünglich geplant, wurde der burgenländische Europäer Joseph Haydn an diesem Abend zur Symbolgestalt.

Musiktage Mondsee: Eröffnung, 28.8.

OÖN Bewertung:

 

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Artikel Christian Schacherreiter 31. August 2015 - 00:04 Uhr
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