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Millionen-Schaden nach Schlampereien im Belvedere

Belvedere: Ausgebaute Brandschutztüren, fehlende Kunstwerke – Ex-Direktorin Agnes Husslein hinterließ "skandalösen" Zustand

Millionen-Schaden nach Schlampereien im Belvedere

Die neue Belvedere-Führung: Stella Rollig und Wolfgang Bergmann Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Zu gern hätte sich die neue Leitung des Bundesmuseums Belvedere – die ehemalige Lentos-Chefin Stella Rollig und Wolfgang Bergmann – über ihr Rekordjahr gefreut: 1,43 Millionen Besucher (2016: 1,32 Millionen) und Ticket-Erlöse von rund elf Millionen Euro (Eigendeckungsgrad erstmals über 60 Prozent). Stattdessen ärgern sich die beiden über den wachsenden Scherbenhaufen von Vorgängerin Agnes Husslein-Arco, den sie wegräumen müssen. Husslein-Arco hatte ihren Job 2016 verloren, weil sie unter anderem ihr Dienstauto samt Chauffeur privat genutzt, ein Kunstwerk Ai Wei Weis fahrlässig beschädigt und zweifelhafte Kunstankäufe abgewickelt haben soll.

Bezahltes Kunstwerk fehlt

Konkret geht es um eine Videoinstallation von Friederike Petzold, wie Rollig gestern den OÖN bestätigte, für die 100.000 Euro bezahlt wurden, nur traf das Kunstwerk nie im Belvedere ein. Rollig: "Die Künstlerin hat uns informiert, dass das Kunstwerk vor geraumer Zeit zu Schaden gekommen sei." Natürlich sei es unüblich, Kunstwerke zu bezahlen, bevor sie ins Haus kommen, sagt die ehemalige Lentos-Chefin. Rollig und Bergmann wollen das Geld von der Künstlerin einklagen, bei Nichteinbringung werde man sich an Husslein-Arco wenden, die jetzt im Vorstand der Leopold-Museum-Privatstiftung sitzt.

Die Regressforderungen (bis jetzt 200.000 Euro) könnten enorm werden, dennoch "sind sie eine Lächerlichkeit im Vergleich zu dem, was wir hier an fahrlässiger Führung vorfinden", sagt Bergmann. Der Zustand sei "skandalös". Jüngste Entdeckung vor wenigen Tagen auf dem denkmalgeschützten Belvedere-Dachboden: Ein Klimaspezialist stellte "mit bleichem Gesicht" fest, dass die dortigen Kälteanlagen "in keiner Weise" den Brandschutz-Anforderungen entsprechen. Ein Prüfgutachten von 2013 ignorierte Husslein-Arco. Gestern entgegnete sie, "dass diese Agenden klar in den Bereich des Gebäudemanagements fielen, das der kaufmännischen Leitung unterstellt war. Ich habe mich ganz auf das wirtschaftliche Fachwissen und die Kompetenz der kaufmännischen Leitung verlassen..."

Darüber hinaus seien Brandschutztüren ausgebaut worden, "weil man aus ästhetischen Gründen was anderes haben wollte", sagt Bergmann. Das im Unteren Belvedere geplante Café (Teil der Regressforderungen: 70.000 Euro) sei ohne Betriebsstättengenehmigung betrieben worden. Bergmann: "Da ist der Stempel ,Vorsätzlichkeit und grobe Fahrlässigkeit’ drauf. Es ist ein Grundmuster, dass gesetzliche Vorschriften in den Wind geschlagen wurden." Die Höhe des Gesamtschadens sei noch nicht absehbar. Von einem zweistelligen Millionenbetrag ist auszugehen.

Linzer Brosch-Schau in Wien

Inhaltlich wird sich das Belvedere 2018 mit 17 Ausstellungen dem Thema "Große Namen und unerwartete Perspektiven" widmen. Im Oberen Belvedere stehen Fragestellungen zu Österreichs Geschichte, Identität und Kunst im Vordergrund. Im Unteren Belvedere startet das Jahr mit Klimt in allen Facetten. Ab 9. März wird in der Orangerie die in Linz (Nordico, Landesgalerie) erfolgreiche Schau des Zeichners Klemens Brosch gezeigt. Kuratorin ist die stellvertretende Lentos-Direktorin Elisabeth Nowak-Thaller.

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Artikel Peter Grubmüller 07. Dezember 2017 - 00:04 Uhr
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