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Mateschitz dreht den Sender "Servus TV" ab

WIEN/FUSCHL. Dietrich Mateschitz musste 80 bis 100 Millionen Euro pro Jahr für Servus TV zuschießen – nun hat der Red-Bull-Gründer die Nase voll. Er ließ am Vormittag vor versammelter Mannschaft das Ende des Fernsehsenders verkünden.

Servus TV iPad

Im Hangar 7 wurden die Talkshows des Privatsenders des Mateschitz-Imperiums ausgerichtet Bild: Wakolbinger

Wann sich Servus TV endgültig ausblendet, blieb vorerst offen. In den kommenden Tagen sollen die Mitarbeiter über den genauen Zeitplan informiert werden. 264 Angestellte des Senders wurden beim Arbeitsmarktservice zur Kündigung angemeldet. Es heißt, die geplante Gründung eines Servus-TV-Betriebsrats habe Mateschitz endgültig auf die Palme gebracht.

Servus TV schaltete sich 2009 im Fernsehgeschäft ein. "Sieben Jahre nach der Einführung lässt die aktuelle Markt- und Wettbewerbssituation keine wirklich positive Entwicklung erwarten. Der Sender ist daher für unser Unternehmen wirtschaftlich untragbar geworden. Wir haben uns der Sorgfaltspflicht eines ordentlichen Geschäftsmannes entsprechend entschlossen, den Betrieb von Servus TV einzustellen", heißt es von Unternehmenssprecher Alexander Winheim, der selbst erst jüngst vom Bezahl-TV "Sky" nach Salzburg gewechselt ist.

 

Ende Juni soll Sendeschluss sein

Mateschitz teilt sich die Geschäftsführung des Red Bull Media House GmbH mit dem früheren ORF-Technikdirektor Andreas Gall. Bis die beiden die weitere Vorgehensweise angeordnet haben, werde Servus TV uneingeschränkt senden. Im Gespräch mit den OÖN spekuliert ein Mitarbeiter Ende Juni mit dem Sendeschluss.

Erst am 11. April hatte Mateschitz nach einem Donnerwetter wegen einiger Programmformate die komplette ServusTV-Führungsriege ausgetauscht. Der einst beim ORF-Landesstudio Salzburg und bei Privatradios engagierte Ferdinand Wegscheider ersetzte Martin Blank als Geschäftsführer. Wegscheider wurde obendrein alleiniger Senderchef, weil Mateschitz den früheren Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann, der als Servus-TV-Programmdirektor gearbeitet hatte, zur Programmentwicklung ins Red Bull Media House versetzte. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem die Printmagazine "Servus in Stadt und Land" und "Red Bulletin". Sämtliche Printprodukte sind von den Sparmaßnahmen nicht betroffen.

"Am Montag gab es die ersten Gerüchte, fix wurde alles, als uns Wegscheider den Tränen nahe mitgeteilt hat, dass es aus ist", sagt eine Servus-TV-Redakteurin, die nicht genannt werden will, im Gespräch mit den OÖN. Sie war erst vor wenigen Monaten nach Salzburg gezogen. Genauso wie unter anderem der ehemalige ORF-Regisseur Fritz Melchert und der ebenfalls nach ORF und ATV verpflichtete Wetter-Moderator Andreas Jäger.

 

 

Mit anspruchsvollen Gesprächsrunden, Tier-, Brauchtums- und Landschafts-Dokumentationen hatte sich Servus TV als ernstzunehmende Alternative zum ORF angeboten. Obendrein als Sport-Versorger mit Spezialisierung auf Red-Bull-Events. Die TV-Rechte für die heimische Eishockey-Liga hatte Servus TV erst im April für drei weitere Jahre um knapp zwei Millionen Euro pro Saison ersteigert. Die Liga muss sich einen neuen TV-Partner suchen. Die meisten Mitarbeiter hoffen, im Red Bull Media House unterzukommen.

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Artikel Peter Grubmüller 03. Mai 2016 - 10:26 Uhr
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