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Margit Palme ist wirklich ätzend

Sie arbeitet mit der feinen Klinge, schichtet kühle Ästhetik und Sinnlichkeit auf mitunter höchst bösartige Details: Margit Palme, die Gewinnerin des diesjährigen Heinrich-Gleißner-Preises des Landes Oberösterreich. Die OÖN besuchten die Künstlerin in ihrem Dach-Atelier am Linzer Tummelplatz.

Diese Frau ist wirklich ätzend

Pointierte Bildsprache mit Wiedererkennungswert: Margit Palme an der Druckerpresse in ihrem Linzer Atelier. Bild: Norbert Artner

„Ich brauche wenig Platz!“ – das ist der erste Satz, den die Künstlerin Margit Palme (*1939) beim OÖN-Besuch über ihre Arbeit von sich gibt: Sie braucht wenig Platz. Darum ist es ihr auch seit vielen Jahren möglich, dass sie sich das Atelier mit ihrem Mann, dem Künstler Peter Kubovsky, teilt.

Klarheit und Funktionalität prägen den Raum im Dach des Kremsmünsterer Stiftshauses. Jene sowohl Pragmatismus, Gefühl für Stil als auch Behaglichkeit ausstrahlende Atmosphäre, wie sie oft nordischer (Innen)architektur eigen ist. Ausgeklügelt in Dachschrägen und Nischen eingebaute Archivregale aus Holz bergen auch die bildnerischen Schätze von Margit Palme. Ausgewählte Bilder hängen an den Wandflächen.

Sogar weibliche Dackel

Und in der rechten Nische: die Druckerpresse. Dahinter ein knapp 1x2 Meter kleines Kammerl. Hier entstehen die aufwändigen Aquatinta-Arbeiten, für die Margit Palme nun ausgezeichnet wird: „Die Aquatinta ist eine Ätzradierung“, erklärt die Künstlerin auf ihrer Homepage www.margit-palme.at: „Eine alte Tiefdrucktechnik, die heute nur noch selten verwendet wird, da sie sehr material- und zeitaufwendig ist, vor allem, wenn man – so wie ich – mit Farbe arbeitet. Meistens verwende ich pro Ätzradierung zwei bis drei, manchmal auch bis zu fünf Zinkplatten.“

Diese Frau ist also wortwörtlich „ätzend“. Mitunter auch in den Inhalten ihrer stets auf wenige Farben reduzierten exquisiten Frauen- und Raubtierbilder. Manchmal ists nur ein roter Fingernagel, ein beiläufig platzierter Augenaufschlag, ein simples Stoffdetail, das einem aus den technisch perfekten Werken einen Hauch Sarkasmus, einen Schuss Bösartigkeit entgegenspringen lässt.

Und immer wieder Frauen. Quer durch alle während ihrer Kunst-Jahre gewählten unterschiedlichen Themenkreise. „Die kann ich einfach am besten! Und sind mir als Geschlechtsgenossinnen in allen Schattierungen von Figur und Psyche wohl auch geläufiger“, konstatiert die aus Amstetten stammende Künstlerin: „Ich hab schon als Kind immer Frauen gezeichnet. Bei meinen Schwestern angefangen. Sogar unsere Dackel waren weiblich!“

Weiblich waren auch die ersten Aktmodelle, die sie als knapp Fünfzehnjährige an der Modeschule Hetzendorf zu zeichnen hatte. „Von früh bis spät haben wir dort schwer gearbeitet, Akte, Accessoires, Faltenwurf. Immer wieder. Aber irgendwann war mir klar: Ich will keine Schneidermeisterin werden!“ Und so kam sie nach Linz. Studierte Graphik an der Kunstschule bei Alfons Ortner. Begegnete hier auch dem unvergesslichen Druckgraphik-Lehrer Alfred Billy, der sie mit der abstrakten Lithographie, mit Radierung, mit Aquatinta in Berührung brachte.

Das waren Zeiten

In Linz lernte Margit Palme auch ihren Mann kennen, zog zu ihm in seine Räumlichkeiten im berühmten Atelierhaus „im Dörfl“: „Die Druckpresse stets dabei!“ Heute seien viele Künstler gewohnt, in Lofts zu leben und zu arbeiten: „Wir hatten dann ein Kellerabteil, dann ein kleines Geschäftslokal in der Wurmstraße als Atelier!“ Der kuriose Zeichner Wolfgang Zöhrer habe ihnen damals die Lithopresse abgekauft. „Das waren halt noch Zeiten!!!! Die 1960er, -70er. Da hatte die Druckgraphik Hochsaison!“ Die Künstlerin seufzt inbrünstig. Denn dann sei es bergab gegangen. Alle hätten nur mehr Originale gewollt. Nur Neue-Galerie-Direktor Peter Baum hätte den Wert von Graphiken geschätzt und auch viele Arbeiten gekauft.

„Das war schon eine harte Zeit! Ich musste mitverdienen, schließlich war 1958 unsere Tochter Iris geboren worden.“ Margit Palme hat durchgehalten, hatte jahrzehntelang einen Lehrauftrag an der Linzer Kunsthochschule (heute Kunstuni), ist konsequent bei ihrer Technik und auch bei ihrer unverwechselbaren Bildsprache geblieben. „Aber es ist mir wichtig, innerhalb dieses Erkennbaren immer wieder was Neues zu bieten. Frische hereinkommen zu lassen, dass es nicht steril wirkt.“

Das ist ihr gelungen. Und als Anerkennung wird ihr nach der Linzer Kulturmedaille vor einigen Jahren am Montag der Heinrich-Gleißner-Preis verliehen. „Eine große Freude für mich. Auch eine Bestätigung für meine Konsequenz. Ja, meiner Seel! Warum soll ich denn nicht mein ganzes Leben lang Aquatintas machen?“ Genau. Warum eigentlich nicht?

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Artikel Von Irene Gunnesch 27. November 2009 - 00:04 Uhr
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