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Leonhard Dobusch zieht in den ZDF-Fernsehrat ein

Der Linzer Leonhard Dobusch ist beim größten deutschen Sender für Internet zuständig.

Sohn des Linzer Ex-Bürgermeisters zieht in den ZDF-Fernsehrat ein

Leonhard Dobusch Bild: Dominik Landwehr

Dobusch – diesen Name kennen wir doch – allerdings nicht ursächlich im Zusammenhang mit Fernsehen: Von Leonhard Dobusch, Sohn des ehemaligen Linzer Bürgermeisters, ist hier die Schreibe. Der 36-jährige Betriebswirt und Jurist forscht als Professor für Organisation an der Universität Innsbruck unter anderem zum Management digitaler Gemeinschaften. Die vergangenen zehn Jahre verbrachte er in Berlin. Seit vergangenem Freitag ist Dobusch beim ZDF-Fernsehrat für den Bereich "Internet" zuständig.

 

OÖNachrichten: Herr Dobusch, wie wird man als Linzer Mitglied des Fernsehrates des Zweiten Deutschen Fernsehens für den Bereich Internet?

Dobusch: Es ist so, dass laut Rundfunk-Staatsvertrag das Land Berlin den Bereich "Internet" zu besetzen hatte. Ich habe die vergangenen zehn Jahre in Berlin gelebt und bis zuletzt an der Freien Universität unterrichtet. Das Land Berlin hat die Entscheidung über die Besetzung an vier Vereine delegiert. Unter anderem den "Chaos Computerclub", den größten Hackerverein Deutschlands. Und die haben sich offenbar auf mich geeinigt. Ich bin sehr froh darüber.

Müssen Sie jetzt Ihren Job als Professor an der Uni Innsbruck aufgeben?

Meine neue Aufgabe ist ehrenamtlich, da geht es nicht um viel Geld. Bei mir war eher der Faktor Zeit wesentlich, schließlich pendle ich schon jetzt zwischen Wien und Innsbruck und habe eine kleine Tochter. Jetzt kommen vier Fernsehrats- und mindestens vier Ausschusssitzungen pro Jahr dazu, die in Berlin oder Mainz stattfinden.

Der ZDF-Fernsehrat musste nach einem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts reformiert werden. Er soll weniger politisch besetzt sein und die Gesellschaft besser abbilden.

Es ist ein historisch neuer Fernsehrat, mit der Auflage, transparenter und diverser zu werden. Das ist in Teilen gelungen. Denn immer noch ein Drittel der Mitglieder dürfen an Vertreter der Politik gehen. Das sind 20 von 60. Das wurde auch ausgeschöpft.

Ist der Fernsehrat des ZDF vergleichbar mit dem ORF-Stiftungsrat?

In Teilbereichen. Der ORF-Stiftungsrat wählt ja den Generaldirektor, das Gleiche gilt für den Fernsehrat im ZDF. Die Hauptarbeit passiert in den Ausschüssen. Ich bin für den Ausschuss Telemedien zuständig.

Also unter anderem für das stark wachsende Themenfeld Mediathek?

Da geht es zum Beispiel um etwas, das es in Österreich nicht gibt, aber in Deutschland sehr relevant ist, nämlich um die Prüfung, wie lange Inhalte in der Mediathek bereitgehalten werden dürfen. Das liegt daran, dass es ein gesetzliches Verbot gibt, diese Inhalte dauerhaft zu spielen. Diese Prüfung übernimmt der Fernsehrat. Und wir übernehmen auch eine Aufgabe, die der ORF-Publikumsrat erfüllt, das heißt, wir sind der Anwalt der Zuseher. Programmbeschwerden werden hier verhandelt. Etwa in der Causa Böhmermann – darf das Schmähgedicht in der Mediathek gezeigt werden?

Was werden Sie als Zuständiger für Internet durchsetzen?

Die Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im digitalen Zeitalter gehört neu definiert. Damit auch die Verbindung zu Wikipedia, der zentralen Wissensressource. Die meistgenutzte nicht kommerziell betriebene Website weltweit. Da stehen schöne Texte, aber bei bewegten Bildern schaut Wikipedia relativ leer aus. Ich stelle schon die Frage, warum sollte das ZDF zeitgeschichtlich relevante Inhalte aus seinen Programmen nicht in Wikipedia einbinden können? Da muss man sich überlegen, wie diese Inhalte lizensiert werden und welche Standardverträge zu machen sind, um diese Inhalte frei nutzbar zu machen.

Was noch?

Ein zweites Thema ist für mich als Österreicher besonders virulent und betrifft Geoblocking. Also IP-basierte Sperrung von Mediathek-Inhalten. Wer in Österreich auf die ZDF-Mediathek geht, kann mit Ausnahme der Nachrichtensendungen den Live-Stream nicht ansehen. Jetzt kann man sagen, ja, das ist korrekt, weil wir ja keine Rundfunkbeiträge in Deutschland zahlen. Aber, was ist mit Deutschen, die nach Österreich pendeln oder die in Europa auf Urlaub fahren? Es heißt immer, wir sind das vereinte Europa, aber wenn ich in Deutschland wohne und im Nachbarland arbeite, kann ich nicht Mediathek schauen. Das geht ja gar nicht, da muss es eine Lösung geben.

Eigentlich schade, dass das ZDF und nicht der ORF von Ihrem Wissen profitiert.

Vielleicht in zehn Jahren...

Sind Sie ein Fan des ZDF?

Ich bin Fan vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Konzept. Zweitens kann ich beweisen, dass ich Jan Böhmermann schon in einer Zeit mochte, in der es noch nicht cool war, Jan Böhmermann zu mögen. Die Experimente von ZDFneo habe ich schon immer sehr positiv gesehen, etwa die konsequente Einspielung der Inhalte ins Netz und das Bespielen aller digitalen Plattformen.

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Artikel Helmut Atteneder 12. Juli 2016 - 00:04 Uhr
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