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Landesausstellung Tollet – Aufstieg und Fall der Jörger

Was weiß man über die 900-Seelen-Gemeinde Tollet, sofern man nicht aus der Gegend um Grieskirchen stammt? Dass sie mit ihrem Schloss herrschaftlich über dem Trattnachtal thront und auf die Betonung der zweiten Silbe wert legt. Nun gut: Tolleeeeeet. Zur Landesausstellung lüftet die Gemeinde ihre stürmische Geschichte.

Tollet – Aufstieg und Fall der Jörger

Das prächtige Schloss Tollet und seine Geschichte in Zeiten von Reformation und Gegenreformation Bild: Land OÖ

Das Thema der Landesschau „Renaissance und Reformation“ manifestiert sich in Tollet in Aufstieg und Fall des protestantischen Adelsgeschlechts der Jörger. Die Lehre Martin Luthers war der Familie so wichtig, dass sie selbst während der Gegenreformation bis zum eigenen Untergang daran festhielt.

„Standpunkte“, der Titel der Landesausstellungs-Zweigstelle, markiert die so gegensätzlichen, aber auf beiden Seiten bis zum Tode verteidigten Gegensätze von Katholiken und Protestanten.

Die Jörger waren zu höchsten Ämtern im Staat aufgestiegen, und Wolfgang Jörger IV. wurde 1513 auf Geheiß seines Freundes Kaiser Maximilian I. Landeshauptmann ob der Enns. Seine Gattin Dorothea korrespondierte mit Martin Luther, einer dieser Briefe ist wie ein Original-Degen der Familie im Schloss zu sehen. Luther sandte Dorothea den ersten protestantischen Prediger in Oberösterreich – Martin Stifel. Er blieb zwei Jahre, floh aber zurück zu Luther, nachdem einer seiner Freunde als protestantischer Blutzeuge verbrannt worden war. Stifel war ein mathematisch Gelehrter und Mystiker, er rechnete erstmals mit negativen Zahlen. Allerdings versuchte er etwa, den Papst mathematisch belegbar als Antichristen zu entlarven, und den Weltuntergang legte er von Zahlen untermauert für 10. Oktober 1533 fest. Da hat er sich verrechnet.

Die Befestigung in Tollet wurde erstmals 1170 erwähnt, das von 2004 bis 2009 komplett renovierte Schloss selbst wurde in seiner annähernd heutigen Größe 1607 erbaut. In den Wirren der Gegenreformation stand die protestantische Festung auch kurz im Besitz des radikalen Katholiken Adam Graf von Herberstorff, der in Frankenburg Menschen um ihr Leben würfeln ließ.

All das illustriert die liebevoll gestaltete Ausstellung, sie geleitet in den bäuerlichen und adeligen Alltag längst vergangener Tage, den Einführungsfilm in der Schlosskapelle sollte man obendrein nicht verpassen. Außerdem das Klötzchenspiel mit neun Würfeln, an deren Seiten die unterschiedlichen Standpunkte zu Beginn der Bauernkriege geschrieben stehen. Die prächtigen Modelle der damaligen Befestigungsanlagen stammen von den Meistern der Landeskrippenbauschule.

Über die Zeit der Renaissance reicht das zur Sage gewordene Schicksal Balthasar Ganglmaiers hinaus, das ab 2. Mai als Stück inszeniert wird (Kasten links unten). Mit der Installation eines gespalteten Kreuzes der Künstlerin Petra Waibel mündet der Weg in die Gegenwart. Es liegt an den Besuchern, den davor liegenden Graben mit Schaufeln zuzuschütten. Der Unterschied von Recht und Rechtsprechung ist wie Versöhnung keine Frage einer einzigen Epoche.

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Artikel Von Peter Grubmüller 26. April 2010 - 00:04 Uhr
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