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Kulturmedaille für "Alt"-Fadinger und OÖN-Blogger

LINZ. Dem Gründer und Projektleiter von Radio FRECH und der Medienabteilung des Linzer Fadingergymnasiums, passionierten Musikfilmer, Linz09-Mitwerker, OÖN-Blogger und "Kabarett-Vater" der Schule, verlieh LH Josef Pühringer am Mittwoch die Kulturmedaille des Landes OÖ. Mit ihm geehrt: Michael Gielen, deutsch-österreichischer Dirigent und Komponist.

Manfred Pilsz Bild: privat

Nach dem „Teaching Award“ – einer internationalen Auszeichnung, die das Unterrichtsministerium jährlich nur einmal vergibt – , den kleinen Landeskulturpreisen OÖ. für Video und Radio, dem „Goldenen Filmband“ der Eurofilmer, dem Gesamtsieg beim „Festival der Nationen“ und den Erfolgen bei Linz09, erhielt Manfred Pilsz am Mittwoch die Kulturmedaille des Landes OÖ. im Steinernen Saal des Landhauses. "Wo Pilsz draufsteht, ist Qualität drin", sagte Laudator Landeshauptmann Josef Pühringer kurz und treffend.

FRECH und musikalisch

Der Gründer und Projektleiter von Radio FRECH und der Medienabteilung des Linzer Fadinger Gymnasiums hatte 20 Jahre lang jedes Wintersemester ein neues Kabarettprogramm herausbracht (unter anderem in Zusammenarbeit mit Josef Hader), seit den späten 1970er Jahren Musikfilme im Sinne seines Vorbilds Titus Leber gedreht und präsentiert (Visualisierungen von Rogl-, Cage-, Zykan-, Glass-, Wagner-, Bruckner-Werken) und war in den vergangenen zehn Jahren wesentlich im Rahmen des Stadt- und Landeskulturbeirats in die Vorbereitungen zur Kulturhauptstadt eingebunden, die er 2009 mit Jugendkultur-Projekten überschwemmte: Linz09Jugendmedium Radio FRECH, die Parodie Agentin009 bei „52 Wege die Welt zu retten“ und das „komA“-Projekt (Koproduktion). Während des Kulturhauptstadtjahres gestaltete Pilsz mit seinen FRECHen Jungredakteuren einen OÖN-Online-Blog (Texte, Fotos, Audiofiles) mit wöchentlichen Eintragungen.

Posthof, Landestheater, Studio Molière

Regie führte Pilsz nicht nur bei seinen Filmen und Cabarets, sondern auch bei mehreren Musiktheaterproduktionen, an deren Anfang „Golfstrom“ im jungen Posthof in den 1980ern und im hier und jetzt der Kulturhauptstadt „Fadinger Reloaded“ im Rahmen von Linz09 in der Hafenhalle stand – nicht zu vergessen auch die legendäre „Medea“ in den Kammerspielen des Landestheaters und „Angela und der kleine Bär“ im Studio Molière in Wien. In Wildberg hat Pilsz gemeinsam mit Helmut Rogl fünf Jahre lang den Musiksommer mit der „Johannisnacht“ eröffnet. „Einmal Fadinger – immer Fadinger“: Wichtig ist ihm seit jeher, Absolventen einzubinden, wie etwa bei den Blogs für die vergangenen drei Brucknerfeste mit einem bunten, jungen Team und den Ex-Fadis Johanna Reifmüller und Bettina Kager als Koordinatoren: „Bruckner on Air“: http://bruckner-on-air.interference.at/

Stärken der Jugendkultur

Im Moment denkt der Vater zweier erwachsener Kinder mit seiner Frau zwar manchmal laut über sein vorgerücktes Dienstalter nach, hat aber gleichzeitig neue Projekte in Planung: Gern würde er seine Verdienste um Schul- und Jugendkultur mit der nachhaltigen Installierung eines erst einmal in Linz in der Kunstuni über die Bühne gegangenen Jugendkulturparlaments krönen. Neben Schäxpir, Youki und Ebensee arbeitet Pilsz derzeit an einer Visualisierung von Mahler-Liedern, die er vor Jahren im Rahmen eines Konzerts selbst gesungen hatte. Der Film wird 2011 im 100. Todesjahr des Komponisten fertig sein.

"Beute-Oberösterreicher"

Ein weiterer Meister seines Faches reihte sich unter die Prämiertenschar: Michael Andreas Gielen, 1927 in Dresden geboren, deutsch-österreichischer Dirigent und Komponist, der sich schon seit längerem als "Beute-Oberösterreicher" in der Nähe von Mondsee niedergelassen hat.

Österreichische Wurzeln

Gielen ist der Sohn des österreichischen Theatermanns und späteren Intendanten des Burgtheaters Josef Gielen und der Schauspielerin Rosa Steuermann, der Schwester von Salka Viertel und Eduard Steuermann. Gielens Familie emigrierte 1940 nach Argentinien. Michael Gielen studierte Musik und Philosophie in Buenos Aires und begann seine Laufbahn als Korrepetitor am Teatro Colón. 1950 ging er an die Wiener Staatsoper, wo er ebenfalls als Korrepetitor arbeitete und unter anderem auf Herbert von Karajan, Karl Böhm, Clemens Krauss und Dimitri Mitropoulos traf.  

Musikdirektor der Königlichen Oper Stockholm

Ab 1960 wurde Gielen für fünf Jahre Musikdirektor der Königlichen Oper in Stockholm, 1969 Leiter des Belgischen Nationalorchesters in Brüssel und 1973 Chefdirigent der Niederländischen Oper in Amsterdam. Operngeschichte schrieb er als Dirigent der Uraufführung von Bernd Alois Zimmermanns Oper Die Soldaten am 15. Februar 1965 in Köln. Von 1977 bis 1987 war Gielen Direktor der Oper Frankfurt, die unter seiner Leitung (in Zusammenarbeit mit Klaus Zehelein) zu einem der wichtigsten Opernhäuser Europas avancierte, außerdem Leiter der Museumskonzerte in Frankfurt am Main. Gleichzeitig war er von 1978 bis 1981 Erster Gastdirigent des BBC Symphony Orchestra in London, dessen Ehrendirigent er seitdem ist, und von 1980 bis 1986 Leiter des Cincinnati Symphony Orchestra.

Weites Repertoire

1986 übernahm er das SWF Sinfonieorchester Baden-Baden, das 1996 in SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg umbenannt wurde, und leitete es bis 1999. Seit 1999 ist er ständiger Gastdirigent dieses Orchesters. Gielen pflegt ein weites Repertoire, das von Bach bis zur Moderne und vom Konzertsaal bis zur Oper reicht. Für die zeitgenössische Musik, zu der er selbst als Komponist Beiträge liefert, setzt er sich auch als Dirigent besonders ein. Regelmäßig gastierte er bei den Donaueschinger Musiktagen.

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Artikel nachrichten.at/wer 23. Dezember 2010 - 09:33 Uhr
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