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Keplers Weltbild erobert New York

Mit der amerikanischen Erstaufführung der „Kepler“-Oper von Philip Glass setzten 70 Musiker des Bruckner Orchesters, der 38-köpfige Chor des Landestheaters und sieben Solisten am Mittwoch in der ausverkauften Brooklyn Academy of Music in New York einen glanzvollen Schlusspunkt hinter die zweite US-Tour des heimischen Klangkörpers.

Keplers Weltbild erobert New York

Dennis Russell Davies dirigiert Bruckner Orchester, Landestheater-Chor und Solisten in Brooklyns Academy of Music. Bild: winkler reinhard

„Ein persönlicher Traum, den ich nie ausgesprochen hätte, hat sich erfüllt. Einmal in New York zu singen...“ Ergriffenheit schwingt in der Stimme von Chor-Direktor Georg Ludwig mit. „Alle finden das super.“ Der Auftritt im Schmelztiegel an der US-Küste ist für den Chor mit Künstlern aus 17 Nationen der erste außerhalb Europas – und Lohn für die vokale Kompetenz, für die man sich sechs Tage in der Woche über eine zehn Monate währende Saison hingibt.

2600 Gäste wenden sich an diesem Abend vom vorweihnachtlichen Glöckchengebimmel der Heilsarmee und vom lauten, sich an den Glas- und Betonwänden der Hochhäuser aufbauenden Puls der Stadt ab, um sich in der ausladenden Brooklyn Academy of Music in der meditativen Klangwelt des konzertant wiedergegebenen „Kepler“-Oratoriums zu verlieren. Das Fehlen der szenischen Mittel machen das höchst präsente Orchester unter Dennis Russell Davies, der präzise Chor, das theatralische Erscheinen von Bariton Martin Achrainer und die Gedankensplitter mittragenden Solisten (Alaine Rodin, Cheryl Lichter, Katerina Hebelkova, Pedro Velázquez Díaz, Seho Chang, Florian Spiess) mit Leichtigkeit wett. Der optische Rahmen beschränkt sich auf Himmel-Wolken-Bilder, die auf die Bühnenleinwand geworfen werden. Das Publikum dankt mit Standing Ovations und Bravo-Rufen.

„Ein riesiger Erfolg“, kommentiert eine Dame im Premieren-Diskurs das Gebotene. „Fantastische Variationen“, ergänzt ihr Gegenüber. Philip Glass weiß, was er an den Musikern des Bruckner Orchesters hat: „Ohne sie klänge es nicht so gut – sie raufen nicht mit meiner Musik“, sagt der Komponist den OÖN. Mit zwei weiteren, erneut ausverkauften „Kepler“-Aufführungen heute und morgen geht die US-Tour zu Ende.

Ein Geschäft im herkömmlichen Sinn ist so eine Konzertreise nicht. Die Währung, in der der Erfolg gemessen wird, heißt weder Euro noch Dollar. Als Maß gilt das Image, „aus dem das Theater Nutzen ziehen kann“, sagt Thomas Königstorfer, kaufmännischer Direktor des Landestheaters und des Bruckner Orchesters. So betrachtet, zahle sich die Investition aus. Im Vergleich zur ersten US-Tournee 2005, als bis zuletzt einige Auftrittsorte wackelten, habe die organisierende Columbia Artists Management International, die weltgrößte Agentur ihrer Art, diesmal alle renommierten Bühnen problemlos fixieren können. „Ich deute das mit unserer gesteigerten Reputation“, sagt Königstorfer. „Und als sogenannter Kulturbotschafter hat das Orchester die meiste Wirkung. An die kommt nur das AEC heran.“

Von Bernstein bis Bruckner

Mit 2600 Musikfreunden war die Brooklyn Academy of Music ausverkauft. Das geringste Interesse brachte das Publikum dem Bruckner Orchester in Jacksonville, Florida, entgegen. Es kamen „nur“ 1000, die man in Relation setzen muss: Das Große Haus an der Linzer Promenade fasst 750 Menschen.

Bei der Gestaltung der insgesamt zwölf Konzerte zwischen Connecticut und Florida verfolgte Chefdirigent Dennis Russell Davies drei Linien. Das All-Bernstein-Programm zeigte den Amerikanern einen Leonard Bernstein, wie ihn wenige kennen – mit der Symphony No. 1 für Mezzosopran, dem Geniestreich des damals 23-jährigen Komponisten, und der siebensätzigen Serenade für Violine mit Stargeiger Renaud Capuçon (die im Februar in Linz für eine CD-Produktion aufgenommen wird).

Den zweiten Schwerpunkt bildete das Werk Philip Glass’ mit dessen 7. Sinfonie „Toltec“ und dem Violinkonzert. Als dritte Linie zog Davies Bruckner ein und lockte mit der weitgehend unbekannten, doch recht spröden Urfassung der 4. Sinfonie („Romantische“) von 1874 den Kritiker der New York Times in die Avery Fisher Hall, in der sich neben den New Yorker Philharmonikern die besten Orchester der Welt abwechseln.

Musikreisende bringen auch Geschichten abseits der Bühnen mit nach Hause: Konzertmeister Heinz Haunold jene von der falsch ausgestellten Bordkarte, die ihn in die Abflug-Irre führte; Simone Schreiberhuber die vom rutschigen Badezimmerboden, der ihr noch vor dem ersten Auftritt einen gebrochenen Mittelfußknochen bescherte – sie biss die Zähne zusammen und humpelte auf Krücken zu ihrem Platz für die erste Geige.

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Artikel Von Bernhard Lichtenberger aus New York 20. November 2009 - 00:04 Uhr
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