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Kameramann Christian Berger: „Der Oscar ist mir jetzt wurscht“

Christian Bergers in Schwarz-weiß gedrehte Bilder von „Das weiße Band“ erregten weltweit Aufmerksamkeit. Am 7. März darf der 64-jährige Kameramann nun neben Schauspieler Christoph Waltz und Regisseur Michael Haneke als einer von drei Österreichern auf die glamouröseste Auszeichnung im Filmgeschäft hoffen: den Oscar.

„Der Oscar ist mir jetzt wurscht“

Der oscarnominierte Kameramann Christian Berger (li.) mit Regisseur Michael Haneke bei der Arbeit zu „Das weiße Band“. Bild: Wega Film

OÖN: Wie haben Sie von Ihrer Nominierung erfahren?

Berger: Der Anruf kam während einer Vorlesung, die ich gehalten habe. Die Studenten haben daraufhin laut getrommelt und Prosecco organisiert.

OÖN: „Das weiße Band“ war bereits Ihre fünfte Zusammenarbeit mit Michael Haneke. Was macht Ihre Kooperation so erfolgreich?

Berger: Michael Haneke haben meine Arbeiten gefallen, Anfang der 90er ergab sich dann die erste Zusammenarbeit. Die letzten drei, „Die Klavierspielerin“, „Caché“ und „Das weiße Band“, waren alle sehr erfolgreich. Der Vorteil einer so langen Zusammenarbeit ist, dass wir uns kennen und uns nicht lange zu unterhalten brauchen. Beim Dreh beschäftigen wir uns nur mit technischen Details.

OÖN: Wie hat sich die Arbeit an „Das weiße Band“ von anderen unterschieden?

Berger: Durch die längere Drehzeit – wir hatten 16 Wochen –, durch den Riesenaufwand bei der Ausstattung, dadurch, dass wir nicht mit Stars gedreht haben, sondern mit einer größeren Gruppe von Kindern, die besondere Aufmerksamkeit brauchten – auch vom Kameramann.

OÖN: Die Kamera ist nicht der am wenigsten beachtete Teil der Filmarbeit, so richtig im Mittelpunkt steht sie aber selten. Wie hat die Oscarnominierung das geändert?

Berger: Normalerweise ist es das größte Kompliment für die Kamera, wenn man sie nicht bemerkt. Durch die Auszeichnungen, die ich schon erhalten habe, und die Oscar-Nominierung ist sie mehr ins Interesse der Öffentlichkeit gerückt. Wie wichtig das alles aber in Österreich ist, sieht man eh an den Bildern, die die Zeitungen veröffentlichen: Waltz ganz groß, dann Haneke und ganz klein ich.

Für mich persönlich ist die Nominierung der „Association of Cinematographers“ wichtiger als der Oscar. Dort schlagen einen die Berufskollegen für einen Preis vor, das ist etwas ganz Besonderes.

OÖN: Gewinnen Sie den Oscar?

Berger: Das ist mir im Moment wurscht. Das ist wie ein Lottoschein, bei dem die letzte Zahl noch fehlt. Auf das Ergebnis habe ich eh keinen Einfluss, ich kann nur warten. Ich versuche auch, mich jetzt noch nicht nervös zu machen. Erst wenn das Kuvert geöffnet wird, dann wird sich das wohl nicht mehr vermeiden lassen.

OÖN: Haben Sie sich auf die Oscarnacht schon vorbereitet?

Berger: Dankesrede oder so? Nein, das habe ich noch nicht gemacht. Einen Smoking muss man halt anziehen. Da habe ich jetzt einen gekauften und keinen gemieteten.

OÖN: Wie hat die Nominierung Ihre Wahrnehmung in Amerika geändert?

Berger: Naja, geändert hat sich auf jeden Fall, dass ich jetzt öfter dort bin, um Kontakt und Gespräche mit Branchenleuten zu haben.

OÖN: Sie sind der Onkel von Schauspielerin und Bond-Girl Eva Green. Bond, wär das was für Sie?

Berger: Nicht für mich, das ist eine andere Welt. So wie „Avatar“. Dieser Film ist ja in derselben Kategorie nominiert und wird als meine Konkurrenz gesehen. Ich sage, das kann man so nicht vergleichen, da gibt es kein schlechter oder besser, das sind einfach zwei unterschiedliche Kinowelten, die aufeinanderprallen.

OÖN: Was muss Kino können?

Berger: Bewegen, berühren, die Phantasie anregen.

OÖN: Wie ist in Ihnen der Wunsch entstanden, Kameramann zu werden?

Berger: Damals war ich 16, 17 Jahre alt – wie der Wunsch genau entstanden ist, weiß ich nicht mehr. Auf jeden Fall bin ich von diversen Filmakademien mangels Talent abgelehnt worden und musste dann über Assistenzen und Fernsehen meinen Weg finden.

OÖN: Gibt es in der Oscar-Nacht jemanden, den Sie gerne kennenlernen würden?

Berger: Meine Frau kommt auf jeden Fall mit. Aber die kenn‘ ich ja schon. Ansonsten gehe ich davon aus, dass das wie bei uns ist – jeder kennt jeden und die Neuen sind die Außenseiter. Auch wenn in Hollywood alles ein bisschen größer und teurer ist, liegen wohl provinzielle Strukturen dahinter. Natürlich würde es mich freuen, Kollegen, deren Arbeit ich sehr schätze, kennenzulernen.

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Artikel Von Julia Evers 25. Februar 2010 - 00:04 Uhr
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