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Jubel für Franz Welser-Möst

Ein wunderbares Konzert des Cleveland Orchestras in Salzburg.

Jubel für Franz Welser-Möst

Franz Welser-Möst, Leila Josefowicz und das The Cleveland Orchestra in Salzburg Bild: Salzburger Festspiele / M. Borrelli

Stürmischen Beifall gab es am Donnerstag im Großen Festspielhaus für das Cleveland Orchestra unter seinem Music-Director Franz Welser-Möst für ein Konzert in der Reihe "Contemporary" der Salzburger Festspiele. Im ersten Teil widmeten sich die Gäste aus Amerika dem Britischen Komponisten Thomas Adés, dessen "Dances from Powder Her Face" den launig heiteren Auftakt machten. Drei kurze Sätze aus Adés’ 1995 entstandener erster Oper, die er 2007 für Aldeburgh und Cleveland für großes Orchester gesetzt hat, und die seine versierte Orchestrierungstechnik und sein gewieftes Spiel mit Rhythmen und permanenten Taktwechsel perfekt inszenieren.

Danach das 2005 uraufgeführte Violinkonzert "Concentric Paths" mit der fulminanten und technisch weit über dem extrem anspruchsvollen Part stehenden Geigerin Leila Josefowicz. In diesem Werk integriert Adés die Solovioline in den Orchestersatz, sodass im ersten Satz fast atemlos virtuose Figuren durchlaufen, die mehr als Begleitung denn als melodische Linie wirken. Auch der dritte Satz "Rounds" lebt vom virtuosen Passagenwerk und ist mit dem als "Rings" betitelten ersten Satz Vor- und Nachspiel für den zentralen Satz "Paths", in dem die Violine die Führerschaft übernimmt und in weit ausladenden Bögen großartig singen darf.

Ein wunderbares Konzert, das in seiner modernen und doch die traditionellen Hörgewohnheiten nicht vor den Kopf stoßenden Faktur unmittelbar anspricht. Nicht zuletzt auch wegen der herausragenden Interpretation durch die dynamische und zwischen stupender Virtuosität und feiner Lyrik pendelnden Leila Josefowicz und dem meisterhaft begleitenden Cleveland Orchestra.

Selbstverständlich und klar

Im zweiten Teil dann Richard Strauss’ musikalische Einblicke in sein trautes Heim. Die Symphonia domestica op. 53, uraufgeführt 1903 in New York, ist im Vergleich zu den anderen symphonischen Dichtungen etwas stiefmütterlich behandelt. Das mag auch an den orchestralen Schwierigkeiten liegen, die sich schon vor der Uraufführung in immerhin 15 Proben offenbarten. Davon war beim Cleveland Orchestra nichts zu spüren, ganz im Gegenteil: Das Orchester und seine vorzüglichen solistisch hervorgetretenen Stimmführer stehen weit über den Dingen, sodass es für Franz Welser-Möst scheinbar nur mehr darum geht, zu koordinieren und seine Vorstellungen von diesem Stück auf das Orchester zu transformieren.

Und die sind so selbstverständlich und klar, dass es bei keinem der vielen Tempowechsel, bei keinem Übergang auch nur geringste Unsicherheiten gegeben hätte. Hier entstand ein Stück aus einem Guss, das von der ersten Note bis zum Schlussakkord fesselte und begeisterte.

Und das aber nicht bloß aufgrund der symphonischen Dimensionen und den dementsprechend rauschenden Lautstärken, sondern gerade wegen der subtilen und durchsichtigen Lesart. Speziell in der Doppelfuge waren die Details glasklar herausgearbeitet. Diese Kombination von absoluter Emotionalität bei gleichzeitiger analytischer Akribie ist wohl selten zu erleben – und sie wurde vom Publikum zurecht bejubelt.

Salzburger Festspiele: Konzert des Cleveland Orchestras unter Franz Welser-Möst, 18.8.

OÖN Bewertung:

 

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Artikel Michael Wruss 20. August 2016 - 00:04 Uhr
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