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Jazz ist kein Minderheitenprogramm - OÖN-Interview

Zum fünften Mal betreut Paul Zauner die sechsteilige Jazz-Saison im Linzer Brucknerhaus. Im Interview mit den OÖNachrichten spricht der 51-jährige Innviertler Musiker und Inntöne-Veranstalter über sein Jazz-Verständnis und den Fehler, dass sich die Stadt Linz keinen Jazz-Club leistet.

Jazz ist kein Minderheitenprogramm

Wenn’s um Jazz geht, gibt Zauner gerne den Ton an. Bild: Reinhard Winkler

OÖN: Warum engagiert sich ein Innviertler für eine Jazz-Reihe im Linzer Brucknerhaus?

Zauner: Ich habe das Brucknerhaus als großartigen Konzertplatz immer sehr geschätzt, dabei aber bemerkt, dass Jazz nicht so gut vertreten ist. Zur selben Zeit hatte Wolfgang Winkler (künstlerischer Leiter des Brucknerhauses, Anm.) die Idee, mehr Jazz zu machen. Und dabei dachte er an mich.

OÖN: Welche Linie verfolgen Sie bei der Programmierung?

Zauner: Es geht mir darum, dass wichtige Elemente des zeitgenössischen Jazz vertreten sind. Es muss kreativ sein und eine hohe Qualität haben. Ein bedeutender Bestandteil ist der brasilianische Jazz, der sehr weit entwickelt ist. Ich will auch aus der Tradition schöpfen und wichtige Musiker bringen, die stilbildend waren, so wie Lee Konitz im Cool Jazz. Dann schaue ich, dass die Fusion- und Funk-Szene und die Blueser auch dabei sind. Auch die heimische Szene ist stets vertreten. Für mich ist der Jazz keine intellektuelle Einbahnstraße. Unser Qualitätsanspruch schließt nicht aus, dass das Programm ein breites Publikum erreicht und befriedigt. Mit den sechs Konzerten soll gezeigt werden, was die Vielfalt und Freude des Jazz ausmacht.

OÖN: Ist Jazz Musik für eine Minderheit?

Zauner: Ganz im Gegenteil. Wenn ich mit Jazz mehrere Male den großen Saal im Brucknerhaus ausverkaufe, dann ist das schon was.

OÖN: Warum ist es so schwierig, dass ein Jazz-Club in Linz längerfristig Fuß fasst? Selbst in Wien ist Joe Zawinuls „Birdland“ gescheitert.

Zauner: Sowohl das Count Davis in Linz als auch das Birdland in Wien sind gedanklich falsch gestaltet worden. Denn eigentlich wollte die Stadt Wien neben dem Porgy & Bess nicht wirklich einen zweiten Jazz-Club installieren, aber beim Ehrenbürger Zawinul konnten sie nicht aus und haben ihm eine einmalige Finanzierung gegeben. Aber es ist ein Trugschluss, dass man einen Club mit modernem Jazz gewinnbringend führen kann. Das geht auch mit dem Burgtheater oder der Staatsoper nicht. Auch wenn man sehr gut wirtschaftet, muss man einen Teil durch Privatsponsoring und durch Eintritte hereinbringen, aber ein guter Teil muss gefördert werden. Deshalb zahlen auch alle Leute Steuern.

OÖN: Ist es also unmöglich, dass ein Jazz-Club in Linz funktioniert?

Zauner: Es ist schon möglich, aber dazu muss die Stadt ein ordentliches Geld hergeben, denn sie bräuchten so einen Club für den Tourismus, für die Wirtschaft, für die vielen Jazz-Fans, die in einen professionellen Club gehen wollen.

OÖN: Von welcher Summe reden wir da?

Zauner: Da geht es um ein paar hunderttausend Euro, damit das einen Sinn ergibt.

OÖN: Macht die Politik einen Fehler, weil sie das nicht tut?

Zauner: Wirtschaftlich ist das schon lange ein Fehler, weil das einer der Faktoren ist, die die Attraktivität einer Stadt ausmachen. Spitzenmanager gehen am Abend gerne einmal in einen gepflegten Jazz-Club. Aber wenn die Stadt das schon nicht schaffen will, dann soll sie wenigstens die kleinen vorhandenen Strukturen fördern, etwa die Konzerte auf der LiDo oder das Oxymoron, die tollen Sachen im La Bohème, im Keller des Smaragd, in der Galerie Maerz. Dann könnten sich diese wenigstens individuell entfalten. Mir tut es leid für eine Stadt, die mit der Bruckneruni eine Institution hat, aus der jede Menge gute Musiker herauskommen, die dann nicht zu würdigen Bedingungen spielen können und deshalb wegziehen.

Brucknerhaus: Sechsmal Jazz

Afro Caribbean Night: Jorge Sylvester – The ACE Collective (6. 12., ausverkauft!)
Austrian Jazz Art: The JIM Faculty (26. 1., 19.30 Uhr)
Cool Jazz Night: Lenny Popkin Z‘Trio & Lee Konitz Quartet (1. 3., 19.30 Uhr)
Sketches of Spain: Dave Liebman (12. 4., 19.30 Uhr)
Soul’n Funk Night: The Oulipians/Chanda Rule und Lucky Peterson (2. 5., 19.30 Uhr)
Brazilian Night: Yamandú Costa (13. 5., 19.30 Uhr)

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Artikel Bernhard Lichtenberger 30. November 2010 - 00:04 Uhr
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